Partnerschaft und Finanzen So klappt es mit dem Geld und der Liebe

Wenn man zu zweit durchs Leben geht, geht es auch ums Geld. Hat jeder sein eigenes Konto? Oder ist ein Gemeinschaftskonto besser? Und wem gehört es bei einer möglichen Trennung? Wer zahlt Miete oder die täglichen Einkäufe? Streit bleibt oft nicht aus, besonders wenn es um Geldanlage oder Altersvorsorge geht. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, wie sich Geld und Liebe vereinen lassen.

In einer Partnerschaft ist das Reden, die Kommunikation sehr wichtig. Das gilt auch und gerade in finanziellen Fragen. Außerdem ist das Reden übers Geld ein guter Lackmustest. Gibt es an dieser Stelle viele Tabus, könnte es die auch an anderen Stellen geben. Erstaunlich ist, wie viele Menschen mit ihrem Partner nicht einmal über das Gehalt sprechen.

Eine Partnerschaft ist finanziell meist vorteilhaft, schon weil sich beide die unvermeidbaren Kosten des Lebens teilen: zum Beispiel die Kosten für die Wohnung, fürs Internet, für die Haftpflicht-Versicherung, die Hausrat- oder die Rechtschutzversicherung, die Anschaffungskosten für den Kühlschrank, den Schlafzimmerschrank und das Auto. Und mit einem Haushaltsbuch, entweder auf Papier oder auch als App, behalten beide den Überblick.

Finanzielle Vorteile für Eheleute

Noch vorteilhafter wird es häufig, wenn man die Partnerschaft mit einem Vertrag besiegelt, also wenn man heiratet. Denn dann kommen jede Menge Vorteile hinzu, die der Staat nur Eheleuten gewährt:

  1. Steuervorteile: Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerschaften können über das sogenannte Ehegattensplitting bei unterschiedlichen Einkommen durch eine gemeinsame Steuererklärung mehr netto vom brutto herausbekommen. Ein Teil dieses Vorzuges kann sofort fließen. Dazu müssen beiden Partner die passenden Steuerklassen wählen. Entweder 3 für die Besserverdienerin und 5 für den Teilzeitarbeitenden oder die Klasse 4, jeweils mit unterschiedlichen Steuerfaktoren.
  2. Vermögensverteilung: Die Ehe sieht eine automatische Zugewinnteilung vor. Wenn man sich später trennt, wird all das, was an Vermögen während der Partnerschaft gewachsen ist, durch zwei geteilt. Vom Wertgewinn des Hauses über die Bibliothek bis zu den Rentenpunkten.
  3. Erbe: Später im Leben, wenn ein Ehepartner verstirbt, kann die andere Person alles erben, im Wesentlichen ohne Steuern zu zahlen. Unverheiratet ist schnell eine größere Summe fürs Finanzamt fällig.

So klappt es ohne Trauschein:

Mit etwas Hirnschmalz und ein paar richtigen Entscheidungen können beide Partner aus der Gemeinsamkeit aber auch ohne Trauschein finanziell ein schlagkräftiges Team machen:

Hände halten einen hundert Euro Schein in der Hand.
Bildrechte: dpa

Kontenfrage: In einer Partnerschaft ist es am besten, wenn jede/r ein eigenes Konto hat – und wenn für die gemeinsamen Ausgaben ein gemeinsames Konto geführt wird, auf das zu Monatsbeginn beide die vereinbarten Summen einzahlen. Für das Gemeinschaftskonto ist ein "Oder-Konto" die einfache und kostengünstige Lösung, beide können jederzeit über das Konto verfügen. Für größere Projekte bietet sich ein "Und-Konto" an, bei dem beide dann jede Transaktion einzeln abzeichnen müssen.

Drei Konten können ganz schön ins Geld gehen, müssen aber nicht. Bei der richtigen Bank sind alle drei Konten jeweils kostenlos. Und eine ordentlich gefüllte Haushaltskasse auf dem Gemeinschaftskonto sorgt auch dafür, dass sogar dieses Konto kostenlos bleibt, weil der monatliche Geldeingang hoch genug ist.

Versicherungsfrage: Ein Paar braucht keine zwei Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherungen. Ein Vertrag reicht jeweils. Beim Zusammenziehen kann der unverheiratete Partner namentlich in den anderen Vertrag aufgenommen werden – genau wie in den Mietvertrag. Beim Heiraten passiert das automatisch. Der jüngere Vertrag kann übrigens normalerweise sofort gekündigt werden. Ist der jüngere Vertrag der bessere Vertrag, kann der ältere zum nächstmöglichen regulären Kündigungstermin beendet werden.

Vertragsfragen: Auch andere Verträge – vom Rundfunkbeitrag über den Internetanschluss bis zum Streaming-Account – können gemeinsam geführt werden. So kann jeweils viel Geld gespart werden.

Immobilie: Kaufen beide Partner gemeinsam ein Haus oder eine Wohnung, sollten auch beide Partner anschließend im Grundbuch stehen. Denn nur dann gehört jedem Partner ein Teil des Hauses. Andernfalls kann für den Ehepartner im Krisenfall zwar ein Anspruch auf einen finanziellen Anteil am Haus da sein, aber nicht der Anspruch auf das Haus selbst. Ohne Ehe oder eingetragene Partnerschaft und ohne Grundbuch gibt es im Zweifel überhaupt keinen Anspruch.

Ein junges Paar steckt Geld in ein Sparschwein.
Sparen in der Partnerschaft – Hermann-Josef Tenhagen klärt auf. Bildrechte: dpa

Altersvorsorge: Altersvorsorge, die während einer Ehe erworben wird, gehört beiden und wird im Scheidungsfall geteilt. Anders bei Paaren ohne Trauschein – hier muss sich jede/r selbst um die Altersvorsorge kümmern. Überhaupt ist es wichtig, die Altersvorsorge im Blick zu haben. Für eine durchschnittliche Rente müssen Monat für Monat 600 Euro auf das Altersvorsorgekonto der gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt werden. Die Hälfte zahlt normalerweise der Arbeitgeber. Hat einer der beiden Partner keinen eigenen Arbeitsvertrag mit solchen Einzahlungen, müssen für ein ordentliches Auskommen im Alter trotzdem ähnliche Summen zur Seite gelegt werden.

Projekt Haushaltskasse: Mit etwas Spaß können Sie in der Partnerschaft immer auch die Haushaltskasse aufbessern. Nehmen Sie sich jede Woche an einem Abend einen ihrer Geldfresser vor, stellen sie das jeweilige Problem ab und bestellen Sie sich anschließend eine Pizza nach Haus. Die Flasche Wein oder Apfelsaft haben Sie schon dekantiert. Nach einem Jahr sieht die Kasse viel besser auf und sie haben im Pizzawirt einen neuen Freund gewonnen.

Nicht zu vergessen: Das alles können Sie natürlich auch mit einem Extra-Vertrag regeln, zum Beispiel einem sogenannten Ehevertrag. Das ist nicht unromantisch und bietet sich noch einmal besonders an, wenn schon vor der Partnerschaft komplizierte finanzielle Verhältnisse existierten. Sprechen Sie über alle Aspekte des Finanziellen mit ihrem Partner und schließen Sie im Zweifel einen solchen Vertrag beim Notar ab.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 09. Februar 2021 | 17:00 Uhr

Ein Angebot von

Mehr zum Thema Finanzen

Weitere Ratgeber-Themen