Tipps von der Finanzexpertin Das sollten Bankkunden bis zum Jahresende erledigen

Am Jahresende laufen viele Fristen ab - auch bei Banken und Sparkassen. Wer bis dahin nicht gehandelt hat, verschenkt Geld. Das betrifft Kontoführungsgebühren, Sparzinsen und staatliche Zuschüsse. Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärt, was die Kundschaft bis zum Jahresende unbedingt erledigen sollte.

Sparkassenbuch der Saalesparkasse mit Euro Banknoten und Euro Münzen
Es lohnt sich, sich bis zum Jahresende um seinen Finanzen zu kümmern. Bildrechte: IMAGO / Rüdiger Wölk

Verjährung von Nachzahlungs- bzw. Rückzahlungsansprüchen droht

Über Zinsnachzahlungen bei Prämiensparverträgen wird seit langem gestritten. Viele Sparerinnen und Sparer warten auf richtungsweisende Gerichtsurteile mit Vorbildcharakter, um ihre Ansprüche durchsetzen zu können. Die wird es in diesem Jahr aber nicht mehr geben. Damit die Ansprüche aber nicht verfallen, muss die Verjährung gehemmt werden.

Andrea Heyer
Andrea Heyer ist Finanzexpertin bei der Verbraucherzentale Sachsen. Bildrechte: Verbraucherzentrale Sachsen

Bei Prämiensparverträgen verfallen die Zinsnachzahlungsansprüche Ende 2021 für Verträge, die im Laufe des Jahres 2018 gekündigt wurden. Ähnlich ist es beim Rückzahlungsanspruch für Kontoführungsgebühren, die nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs (XI ZR 26/20) zu Unrecht verlangt wurden. Gezahlte Kontoentgelte, Kosten und Aufwendungen aus dem Jahr 2018 müssen bis Ende 2021 zurückgefordert werden, sonst geht die Kundschaft leer aus.

Schlichtungsverfahren stoppt Verjährung

Eine kostenlose Möglichkeit, die Verjährung zu hemmen, ist das Schlichtungsverfahren bei einer anerkannten Schlichtungsstelle. Dazu muss man einen Antrag auf Schlichtung stellen. Für die Zinsnachforderungen stellt die Verbraucherzentrale Sachsen auf ihrer Internetseite einen Musterantrag zur Verfügung.

Manager Figuren in Anzuegen stehen vor einem Paragrafen Zeichen und geben sich die Hand.
Eine Schlichtung kann zu einer Einigung führen. Bildrechte: IMAGO / Ralph Peters

Die Verjährung wird gestoppt, sobald der Antrag auf das Schlichtungsverfahren bei der Schlichtungsstelle eingegangen ist. Die Stelle prüft, ob sie zuständig ist, die Unterlagen vollständig sind und ob ein Verfahren eröffnet werden kann. Ist alles in Ordnung, kommt es zur eigentlichen Schlichtung. In der Regel sollte sie nicht länger als 90 Tage dauern. Erst sechs Monate nach beendeter Schlichtung läuft die Verjährungsfrist weiter. Im Fall der Prämiensparverträge haben die Gerichte bis dahin vielleicht endgültig geklärt, wie die Zinsnachzahlungen für die betroffenen Sparverträge konkret zu berechnen sind.

Lösungsvorschlag nur bedingt bindend für Kreditinstitut

Mit einem Schlichtungsverfahren gewinnen Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem Zeit, aber nur einigen Fällen Rechtssicherheit.

Ein Aktenordner mit der Aufschrift Girokonto
Für die Streitschlichtung bei Kontoführungsgebühren ist die Bundesbank zuständig. Bildrechte: imago images/Shotshop

Die Rechtswirkung des Schlichterspruchs ist nämlich unterschiedlich. Bei Sparkassen ist er für keine Streitpartei bindend. Hingegen: Wird mit einer privaten Bank gestritten, muss sich die an den unterbreiteten Vorschlag des Bankenombudsmanns halten, wenn ein bestimmter Streitwert nicht überschritten wird.

Anerkannte Schlichtungsstellen

Je nach Kreditinstitut oder Streitgegenstand sind unterschiedliche Schlichtungsstellen zuständig:
Zinsnachforderungen beim Prämiensparen

Rückforderung von Kontoführungsgebühren

Wohnungsbauprämie beantragen

Wer einen Bausparvertrag hat und regelmäßig einzahlt, kann unter Umständen auch Anspruch auf eine Wohnungsbauprämie vom Staat haben. Dafür muss man jedoch unterhalb der Einkommensgrenzen bleiben. Die liegen bei Alleinstehenden bei 35.000 Euro und bei Ehepaaren bei 70.000 Euro im Jahr zu versteuerndes Einkommen. Insgesamt hat man zwei Jahre nach Beitragszahlung Zeit, die Wohnungsbauprämie zu beantragen. D.h. bis Ende 2021 kann sie für die Beiträge des Jahres 2019 beantragt werden. Bausparkassen schicken in der Regel den Antrag zur Wohnungsbauprämie an ihre Kunden. Der Antrag kann mittlerweile auch online bei Bausparkassen gestellt werden. Wer sich nicht sicher ist, ob er mit seinem Bruttoeinkommen noch prämienberechtigt ist, sollte den Antrag sicherheitshalber trotzdem stellen.

Freistellungsaufträge checken und ggf. anpassen

Banken und Sparkassen müssen auf entstandene Zinsen, Dividenden sowie Gewinne aus Aktien und Fondsverkäufen eine Abgeltungssteuer ans Finanzamt abführen. Dazu sind sie verpflichtet. Das kann man mit einem Freistellungsantrag verhindern, indem man seinen persönlichen Freibetrag den Kreditinstituten mitteilt. Für Singles liegt der bei 801 Euro pro Jahr; bei Ehepaaren bei 1.602 Euro. Den Betrag kann man auf mehrere Banken verteilen. Sollten bei dem einen oder anderen Konto doch weniger oder mehr Erträge zu erwarten sein als bislang angenommen, kann man die Freibeträge mit neuen Freistellungsanträgen bis zum Jahresende ändern. Stichtag für die letzte Berücksichtigung von Änderungen ist spätestens der letzte Bankarbeitstag, üblicherweise der 28. Dezember. Wegen des formalen Aufwands geben Banken häufig frühere Eingangsfristen vor.

Für 2022 Versicherungsprämien reduzieren

Wer im nächsten Jahr bei seinen Versicherungsprämien sparen möchte, kann - wenn möglich- von monatlicher auf jährliche Prämienzahlung umstellen. So kann man in der Regel fünf Prozent sparen.

Versicherung
Die Umstellung der Prämienzahlung kann Geld sparen. Bildrechte: Colourbox

Hintergrund: Die jährliche Zahlung der Versicherungsprämie ist eigentlich der Standard. Versicherungen kommen der Kundschaft entgegen und akzeptieren auch eine viertel-, halbjährliche oder monatliche Zahlung die Versicherungsprämie. Dafür verlangen sie einen Aufschlag. Bei halbjährlicher Zahlweise sind dies meist zwei Prozent, bei vierteljährlicher Zahlweise meist drei Prozent und bei monatlicher Zahlweise im Allgemeinen fünf Prozent. Wer solche Vereinbarungen in seinen privaten Versicherungsverträgen vorfindet, hat gute Chancen zu sparen.

Unnötige Versicherungen kündigen

Wer schon mal dabei ist, seine Versicherungsbeiträge durchzusehen, dem ist ein allgemeiner Versicherungscheck zu empfehlen. Ggf. sind Risiken mehrfach abgesichert oder existieren gar nicht mehr. Oder es gibt günstigere Angebote. Der Wechsel von einer teuren zu einer günstigen Kfz-Versicherung durch ordentliche Kündigung war zwar nur bis zum 30. November möglich. Das geht aber auch noch danach – außerordentlich -, wenn der Versicherer die Prämie für 2022 erhöht hat.

Negativzinsen vermeiden

Nicht an Fristen zum Jahresende gebunden, aber trotzdem empfehlenswert ist folgender Punkt für private Haushalte:

Buchstaben bilden bei einem Buchstabenspiel die Worte NEGATIV und ZINSEN
Wer Geld in der Familie gut auf mehrere Konten verteilt, kann Strafzinsen umgehen. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Immer mehr Banken und Sparkassen erheben ab einem bestimmten Kontostand so genannte Verwahrentgelte für Girokonten. Sie sind auch als Negativzinsen bekannt geworden und umstritten. Zur Vermeidung von Verwahrentgelten sollten ggf. innerhalb der Familie und/oder auf verschiedene Konten Geld umverteilt werden, so dass die Beträge unterhalb der Grenzbeträge bleiben.

Quelle: MDR UMSCHAU

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