Finanzen Gut für das Portemonnaie und die Natur

Ein finanzielles Polster und dazu auch noch ein gutes Gewissen: Immer mehr Menschen erkennen, dass sich Geld-Vermehren und Nachhaltigkeit durchaus vereinen lassen. Doch wie unterscheiden wir eine "grüne" Bank von einer herkömmlichen? Wir klären, wie Sie umweltfreundlich anlegen können.

Wer beim Einkaufen zu Bio-Äpfeln und regionalen Produkten greift, will wahrscheinlich auch beim Thema Geldanlage auf Nachhaltigkeit und bewusste Auswahl achten. Noch sind Umweltschutz und soziale Verantwortung ein Nischenthema bei den Finanzen: Nachhaltige Anlagen haben nur einen Anteil von knapp sieben Prozent am Markt aller Fonds in Deutschland. Der Trend zeigt aber eindeutig nach oben. Umso wichtiger, dass man im Dschungel der Angebote nicht den Überblick verliert.

Ein breiter Begriff

An der Börse kann Nachhaltigkeit vieles bedeuten: Manche Aktienfonds haben Ausschlusskriterien: Sie sortieren Unternehmen aus, die zum Beispiel Waffen oder Tabak herstellen, die Umwelt zerstören oder stark Öl und Kohle nutzen. Andere folgen dem "Best-in-Class"-Ansatz und suchen aus jeder Branche nach Vorbildern: Das könnte dann auch die Fluglinie sein, die den geringsten Kerosinverbrauch hat. Weil es keine einheitliche Definition gibt, hilft hier nur, die "Beipackzettel" genau zu lesen, also die Liste der größten Unternehmen im Fonds – und das mit Ihren Vorstellungen abzugleichen.

Risiken vermeiden durch nachhaltige ETFs

Der Wunsch, nachhaltiges Wirtschaften zu unterstützen, sollte Anleger nicht unvorsichtig machen. Grundprinzipien der Geldanlage bleiben wichtig: Auf eine vielfältige Streuung (Diversifizierung) achten – also lieber keine Einzelaktien aussuchen, denn mit denen kann man schnell danebengreifen – und stattdessen einen breiten nachhaltigen Fonds wählen. Darin stecken im besten Fall mehrere hundert Unternehmen aus vielen Ländern.

Außerdem sind niedrige laufende Kosten wichtig. So genannte aktiv gemanagte Fonds haben hohe Verwaltungskosten, ohne deshalb mehr Rendite abzuwerfen. Günstiger sind passiv anlegende ETFs, die ohne Fondsmanagement auskommen. Sie bilden stattdessen einen Aktienindex nach, in diesem Fall einen nachhaltigen Index. Diese nutzen die oben beschriebenen Methoden, um bestimmte Unternehmen auszusortieren, und zwar in unterschiedlichem Grade. Hier können Sie also auswählen, ob Ihr ETF eher hell- oder dunkelgrün aussehen soll.

Einen Mittelweg, der Nachhaltigkeit und Risikobewusstsein verbindet, geht der Index MSCI World SRI. Dieser sortiert einerseits beherzt aus und lässt im Vergleich zu normalen ETFs rund drei Viertel der Unternehmen weg. Dabei bleiben die zugehörigen Fonds aber kostengünstig und so breit über viele Branchen aufgestellt, dass Krisen in einzelnen Konzernen oder Märkten abgefedert werden. Auch Indexfonds auf den Dow Jones Sustainability Index World Enlarged sind gut geeignet. In den vergangenen Jahren lag die Rendite solcher nachhaltigen ETFs nahe bei oder sogar oberhalb der Wertentwicklung konventioneller ETFs.

Angelegtes Geld geht nicht direkt ans Unternehmen

Die Frage, wie ökologisch oder sozial verträglich die Rendite des eigenen Wertpapierdepots zustande kommt, steht natürlich im Mittelpunkt dieser Überlegungen. Wichtig ist aber zu wissen: Anders als beim Kauf von Produkten der Firma, also zum Beispiel Tabak, geht beim Aktienkauf das verwendete Geld normalerweise gar nicht direkt ans Unternehmen. Man kauft Aktien in der Regel an der Börse von anderen Anlegern, bei denen das eingesetzte Geld landet. Das heißt natürlich nicht, dass es völlig egal ist, in was man investiert: Bei Anlegern beliebte Unternehmen gewinnen an Gewicht und Einfluss.

Spar- und Girokonten in grün

Bei der Geldanlage geht es natürlich nicht nur um die Börse. Auch Girokonto, Tagesgeld- und Festgeldkonto können bei einer herkömmlichen oder einer speziellen nachhaltigen Bank eingerichtet werden. Doch auch hier gibt es keine feste Definition von Nachhaltigkeit. Was hinter fair, ethisch oder ökologisch steckt, können die Anbieter weitgehend selbst entscheiden. Gute nachhaltige Banken stellen transparent dar, an welche Kreditnehmer sie das Geld der Sparer weiterreichen. Wie grün Großbanken in ihrem Alltagsgeschäft sind, ist schwer zu beurteilen. Die selbst herausgegebenen "nichtfinanziellen Berichte" dazu sind ziemlich vage und werden nicht detailliert von Wirtschaftsprüfern kontrolliert. Die Umweltstiftung WWF oder die Initiative Fair Finance Guide untersuchen regelmäßig Banken in Bezug auf Nachhaltigkeit. Spezial- und Ökobanken haben häufig höhere Gebühren für Kontoführung und manche anderen Leistungen.

Nachhaltig heißt auch: langfristig

In seiner anderen Bedeutung bedeutet nachhaltig auch einfach, langfristig an die Geldanlage heranzugehen. Wichtig ist, an der Börse nur Geld anzulegen, wenn man es zehn bis 15 Jahre nicht braucht. So können Anleger Krisen am Aktienmarkt aussitzen, ohne unnötige Verluste machen zu müssen. Am Ende hat man dann hoffentlich die Geldsumme zusammen, auf die man gespart hat. Damit landen wir wieder beim Einkaufen: Wenn Sie später mit solide angelegtem Geld Dinge bezahlen, die ökologisch und sozial verantwortungsvoll hergestellt wurden, dann schließt sich der nachhaltige Kreislauf.

Finanzexperte Hendrik Buhrs
Finanzexperte Hendrik Buhrs Bildrechte: Rechte: Finanztip

Unser Finanzexperte Hendrik Buhrs

Unser Finanzexperte Hendrik Buhrs

Hendrik Buhrs arbeitet im Team Bank und Versicherung bei Finanztip. In Münster und Exeter hat er Volkswirtschaftslehre studiert. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

Mehr zum Thema Finanzen

Weitere Ratgeber-Themen