Expertenrat Neue Düsseldorfer Tabelle regelt Unterhalt für Kinder

Seit Jahresbeginn regelt die "Düsseldorfer Tabelle", wieviel Unterhalt Kindern von geschiedenen oder getrennten Eltern zusteht. Die bisherigen Unterhaltssätze werden demnach um drei bis acht Euro pro Monat erhöht – abhängig vom Alter des Kindes und dem Einkommen des zahlungs-verpflichteten Elternteils. Welche ganz praktischen Auswirkungen das hat, beantwortet der Dresdner Fachanwalt für Familienrecht, Frank Simon.

Geschwisterpaar
Seit 1. Januar regelt die neue "Düsseldorfer Tabelle", wieviel Unterhalt Kindern von geschiedenen oder getrennten Eltern zusteht. Die bisherigen Unterhaltssätze werden monatlich erhöht. Bildrechte: Colourbox.de

MDR SACHSEN: Seit dem 1. Januar gilt die neue "Düsseldorfer Tabelle". Um drei bis acht Euro sind die Unterhaltsverpflichtungen gestiegen. Das ist ja gar nicht so viel. Oder?

Rechtsanwalt Frank Simon: Drei bis acht Euro pro Monat hört sich wenig an. Aber wenn Sie das mal aufs Jahr hochrechnen, wird es schon erheblich mehr. Und die Kosten ringsum steigen ja auch, also muss man auch den Unterhalt anpassen. Und man darf nicht vergessen, in den früheren Zeiten war die Veränderung nur alle zwei Jahre, wir haben nun eine jährliche Anpassung.

Müssen Unterhaltspflichtige automatisch den höheren Betrag zahlen oder muss der Unterhaltsempfänger dies geltend machen?

In den meisten Fällen muss der Unterhaltsempfänger den Unterhalspflichtigen darauf hinweisen. Das kann schriftlich oder mündlich erfolgen. Es gibt aber auch durchaus Zahlende, die den Betrag von sich aus laut Tabelle erhöhen.

Wie verhält es sich, wenn ein Unterhaltstitel vorliegt, also ein Gerichtsbeschluss? Was muss man machen, um in den Genuss dieser leichten Erhöhung fürs Kind zu kommen?

Wenn man einen fixen Betrag hat, einen Gerichtsbeschluss, dann muss man den tatsächlich anpassen. Das kann zur Folge haben, dass, wenn sich der Unterhaltspflichtige weigert, der Unterhaltsempfänger erneut zum Gericht muss. Da muss man im Einzelfall abwägen, ob sich das lohnt.

Wenn man mehrere Kinder hat, inwieweit ändern sich da die Einzelbeträge für die Kinder?

Die Unterhaltstabelle geht von zwei Unterhaltsverpflichtungen aus. Wenn nur eine Unterhaltsverpflichtung vorliegt, dann sieht die Tabelle vor, dass man zum Beispiel eine Einkommensquellestufe höher eingruppiert wird. Also mehr zahlen muss. Hat der Unterhaltsverpflichtete drei oder vier oder noch mehr Kinder oder Unterhaltsverpflichtungen auch gegenüber den Müttern wird entsprechend herabgestuft. Das ist die Vorgehensweise nach der Unterhaltstabelle.

Wie wird der Unterhalt geregelt, wenn ein Kind beim Vater, das andere bei der Mutter wohnt? Heben sich die Unterhaltsansprüche dadurch gegeneinander auf?

Nein, da wird nichts gegeneinander aufgehoben. Die Kinder können unterschiedlichen Alters sein. Für das ältere Kind muss unter Umständen mehr gezahlt werden. Und zum anderen sind die Einkommensverhältnisse der Eltern meist unterschiedlich, auch das muss berücksichtigt werden.

Wie verhält sich die Unterhaltszahlung beim sogenannten Nestmodell? Also die Eltern wechseln und die Kinder haben einen festen Wohnpunkt.

Dieses Betreuungsmodell muss man sich leisten können. Unterm Strich bestehen drei Wohnungen, die bezahlt werden müssen. Und auch hier wird beim Unterhalt entsprechend der Einkommensverhältnisse gezählt.

Wird der Unterhaltspflichtige auch bei aufwendigen medizinischen Behandlungen wie für die kieferorthopädische Behandlung des Kindes mit herangezogen?

Grundsätzlich kann es sich um einen Mehrbedarf handeln. Das heißt, dass sind Ausgaben, die nicht in dem normalen Unterhalt drinstecken. Das muss man prüfen und im Einzelfall genau berechnen.

Was ist, wenn sich Eltern selbstständig auf den zu zahlenden Kindesunterhalt einigen. Ist das rechtens?

Prinzipiell können Eltern untereinander immer individuell eine Vereinbarung treffen. Das ist zulässig. Andererseits muss man beachten, dass der eine den anderen nicht über den Tisch zieht. Und man muss auch einsehen, dass sich Lebensumstände ändern können. Dann muss man neu verhandeln.

Unter welchen Umständen können denn Kinder für ihre erwachsenen Eltern zum Unterhalt verpflichtet sein?

Es ist der sogenannte Elternunterhalt. Also wenn die Eltern zum Beispiel im Pflegeheim sind, die Pflegekasse und natürlich Rente plus Witwenrente diese Kosten nicht decken können, dann können die Kinder herangezogen werden. Aber auch da gibt es einen Selbstbehalt. Dann springt das Sozialamt ein.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Expertenrat | 18. Januar 2022 | 11:00 Uhr

Mehr zum Thema Finanzen

Eine Person hält in ihrer Hand eine Geldbörse. 3 min
Bildrechte: IMAGO/Fotostand

Weitere Ratgeber-Themen