Neue Steuer-Erleichterung Wie Sie Pflegekosten von der Steuer absetzen können

Im Jahr 2021 gibt es neue steuerliche Erleichterung für Menschen mit Behinderungen und Menschen, die andere pflegen. Manche Pauschalbeträge haben sich verdoppelt. Worauf Sie achten müssen, besprechen wir in der Servicestunde mit Steuerexpertin Aenne Riesenberg von Finanztest.

Ehefrau rasiert und pflegt dementen Ehemann. 7 min
Bildrechte: imago images / Martin Wagner

Seit diesem Jahr profitieren sehr viel mehr Menschen vom Behindertenfreibetrag bei der Steuererklärung. Denn neuerdings können schon Menschen mit leichteren Behinderungen (Grad der Behinderung 20 Prozent oder höher) steuerliche Vorteile geltend machen. Obendrein können sie fast doppelt soviel absetzen, wie bisher.

Die Neuregelungen bringen auch erhebliche Vorteile für Menschen, die andere pflegen. Ab einem Pflegegrad von 2 oder höher können nun bis zu 1.800 Euro als Pflegepauschalbetrag angerechnet werden. Bisher waren es nur 924 Euro ab dem vierten Pflegegrad. Die Bundesregierung schätzt, dass etwa eine Million Steuerpflichtige von dieser Regeln profitiert.

Was sollten Menschen mit Behinderung beachten?

Wenn bei Ihnen ein Grad der Behinderung von 20 oder höher festgestellt wurde, haben Sie Anspruch auf einen Behindertenpauschalbetrag, mit denen Sie regelmäßige Pflege- und Betreuungskosten von der Steuer absetzen können, ohne Einzelnachweise zu führen. Auch Eltern pflegebedürftiger Kinder, für die sie Elterngeld beziehen, können sich den Pauschalbetrag übertragen lassen.

Wie hoch ist der Pauschalbetrag?
Grad der Behinderung Pauschalbetrag Fahrkostenpauschale?
20 384 € keine
30 620 € keine
40 860 € keine
50 1.140 € keine
60 1.440 € keine
70 1.780 € 900 € (für geh- und stehbehinderte)
80 2.120 € 900 €
90 2.460 € 900 €
100 2.840 € 900 €
hilflos/blind 7.400 € 4.500 € (für außergewöhnlich geh- und stehbehinderte)

Einmalkosten als außergewöhnliche Belastung anrechnen

Medikamente
Einmalige Kosten für Medikamente lassen sich auls "außergewöhnliche Belastung" abrechnen. Bildrechte: colourbox

Zusätzlich zu dem Behindertenpauschalbetrag können Sie einmalige Kosten als "außergewöhnliche Belastung" steuerlich absetzen. Sammeln Sie hierfür sämtliche Belege, egal ob Heilbehandlung, Kur, Einbau eines Treppenlifts, Rechnungen für Medikamente oder extra Rechnungen des Pflegedienstes. Auch wenn Sie von einem Angehörigen gepflegt werden und diesem ein Entgelt zahlen, können Sie dieses als "außergewöhnliche Belastung" absetzen, wenn der Pflegende nicht mit Ihnen einen Haushalt teilt und es einen Anstellungsvertrag gibt.

Ab wann Sie "außergewöhnliche Belastungen" steuerlich geltend machen können, hängt von Ihrer Einkommenssituation, Ihrem Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder ab. Daraus ergibt sich die sogenannte "zumutbare Belastung", die sie auf jeden Fall selbst zahlen müssen. Was darüber hinaus geht, können sie von der Steuer absetzen. Mehr Informationen dazu und einen Rechner zur Ermittlung finden Sie hier.

Tipp: Pauschalbetrag lässt sich auf Gehalt anrechnen

Sie können den Behindertenpauschalbetrag schon jetzt nutzen, um mehr Nettogehalt zu bekommen. Sie können ihn beim Finanzamt über einen "Antrag auf Lohnsteuerermäßigung" direkt anrechnen lassen.

Was sollten Pflegende beachten?

Wenn Sie einen Angehörigen oder einen nahestehenden Menschen pflegen, der mindestens den zweiten Pflegegrad hat, können Sie einen Pflegepauschalbetrag geltend machen, selbst dann wenn zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen wird. Wichtig hierbei: Sie dürfen für die Pflege kein Geld erhalten, auch kein Pflegegeld.

Wie hoch ist der Pflegepauschalbetrag?
Pflegegrad Pauschalbetrag  
1 kein Pauschalbetrag  
2 600 €  
3 1.100 €  
4 / 5 / Hilflosigkeit 1.800 €  

Durch den Pauschalbetrag können Sie Kosten von der Steuer absetzen, die durch Ihre Pflegetätigkeit entstanden sind - zum Beispiel Fahrdienste.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 25. Mai 2021 | 11:10 Uhr

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