Solarenergie Warum sich Photovoltaikanlagen zur Miete nur selten lohnen

Wer deutschen Eigenheimbesitzern aufs Dach schaut, sieht sie immer häufiger: Solar- beziehungsweise Photovoltaikanlagen. Den eigenen Strom selbst zu produzieren, ist für viele Menschen offenbar eine verlockende Vorstellung – die teilweise auch noch mit Zuschüssen und verbilligten Krediten gefördert wird. Inzwischen gibt es aber auch Angebote zum Mieten. Lohnt sich das?

Eine Photovoltaikanlage auf einem Eigenheim
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Die Angebote klingen toll: eine Art "Rundum-Sorglos-Paket" sollen die Solaranlagen zur Miete angeblich sein. Der Anbieter kümmere sich um fast alles, erzählt Energieexpertin Ines Rutschmann vom Verbraucherportal Finanztip: "Das Konzept ist bequem für den Anlagenbetreiber, sagen wir es so. Er muss sich keine Gedanken über die Finanzierung machen, keinen Kredit aufnehmen. Er muss sich keine Gedanken machen, wie die Anlage aussehen soll, aus welchen Komponenten sie bestellen soll. Und er muss sich dann noch nicht einmal großartig um den Betrieb kümmern."

Mieter zahlen zum Teil den doppelten Preis

Doch so viel Bequemlichkeit hat eben auch ihren Preis. "Die Anlagen zur Miete sind deutlich teurer, als wenn man selbst investiert", erklärt Rutschmann. Zwar werden monatlich erst einmal nur vergleichsweise überschaubare Summen fällig, je nach Anlagengröße meist Beträge zwischen 100 und 300 Euro – das allerdings über die gesamte Vertragslaufzeit. Und die sei extrem lang, warnt die Expertin. "Man bindet sich mindestens für 15 bis 20 Jahre und hat vor Ablauf dieser Fristen keine Möglichkeiten, da wieder rauszukommen."

Über die Vertragslaufzeit kommen so erstaunlich hohe Beträge zusammen. Die Verbraucherzentralen kennen beispielsweise Fälle, in denen die gemietete Anlage unter dem Strich rund doppelt so teuer gewesen sei wie eine selbst installierte Anlage, erzählt Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen. In einem konkreten Fall sei es "tatsächlich so gewesen, dass der Mieter für eine Anlage im Wert von 7.600 Euro am Ende mehr als 15.000 Euro bezahlt hat."

Selbstinstallierer können mit Förderung rechnen

In jedem Fall sollten Hausbesitzer solche Angebote sehr genau nachrechnen und überlegen, ob ihnen die Bequemlichkeit wirklich den jeweiligen Aufpreis wert ist. Denn wer eine Solaranlage selbst installieren lasse, könne dafür Zuschüsse und verbilligte Kredite bekommen, erinnert Verbraucherschützer Bücklein. "Es gibt die Fördermöglichkeiten über die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle."

Problematisch beim Miet-Modell sind offenbar häufig die Berechnungen zur angeblichen Wirtschaftlichkeit der Solaranlagen in den Angeboten oder Produktprospekten. Oft werde dort mit steigenden Strompreisen gerechnet, warnt Finanztip-Expertin Ines Rutschmann. "Wenn das aber nicht eintritt, wenn es zu diesen Strompreissteigerungen nicht kommt, dann geht auch die ganze Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht auf."

Wegen hohen Extrakosten lohnt sich Miete meist nicht

Das Problem sind die hohen Zusatzkosten für die Miete der Solaranlage. Denn mit einer eigenen selbst finanzierten Anlage könnten Verbraucher tatsächlich Geld sparen – auch ohne fragwürdige Rechentricks. Eine gemietete Solaranlage rechne sich dagegen wohl nur selten, glaubt Solarexpertin Rutschmann. Hier sollten Interessenten die Angebote auf jeden Fall sehr genau nachrechnen – und sich im Zweifelsfall Rat bei einer Energieagentur oder der Energieberatung der Verbraucherzentrale holen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Oktober 2021 | 09:21 Uhr

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