Altersvorsorge für Frauen So schützen Sie sich vor Altersarmut

Finanztip-Expertin Anja Ciechowski
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Fehlendes Finanzwissen, aber häufig auch mangelndes Selbstvertrauen schreckt Frauen ab, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen – besagt eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Anja Ciechowski von Finanztip weiß, worauf Frauen achten müssen – angefangen bei der Geldanlage bis zur Altersvorsorge.

Neueste Erhebungen der Deutschen Rentenversicherung haben ergeben, dass wir Frauen mehr als 400 Euro weniger gesetzliche Rente bekommen als Männer. Und das, obwohl wir im Durchschnitt fünf Jahre länger leben; das Geld also fünf Jahre länger reichen muss.

Die Ursachen der Rentenlücke zwischen Männern und Frauen (engl. „Gender Pension Gap“) sind vielfältig und häufig struktureller Natur. Sie treffen uns spätestens dann, wenn es an die Familienplanung geht. Wir unterbrechen den Kindern zuliebe die Erwerbsarbeit, arbeiten öfter in Teilzeit, haben Jobs in weniger gut bezahlten Branchen. Hinzu kommt, dass Frauen schlichtweg weniger verdienen als Männer – und zwar bei gleicher Qualifizierung.

Das eigentliche Problem dabei: Wer weniger verdient, zahlt weniger in die Rentenkasse ein, bekommt also dann auch weniger Rente. Doch wenn wir uns rechtzeitig an unsere Finanzen wagen, muss einem entspannten Leben ohne finanzielle Sorgen im Alter nichts im Wege stehen.

In fünf Schritten zur privaten Altersvorsorge

1. Status Quo festhalten:

Vor der eigentlichen Geldanlage wartet der Kassensturz auf Sie. Wie viel kommt jeden Monat rein? Wie viel geben Sie regelmäßig für Miete, Strom oder Essen wieder aus? Und vor allem: Was bleibt am Monatsende übrig? Damit Sie nicht den Überblick verlieren, kann dabei auch ein Haushaltsbuch helfen. Wer sich genauer mit den Einnahmen und Ausgaben beschäftigt, bekommt ein gutes Gespür für die eigenen Finanzen und erkennt, wo sich Einsparpotential versteckt – ein wichtiger Schritt in Richtung finanzielle Freiheit.

2. Ungenutztes Sparpotential ermitteln:

Bei Ihnen bleibt am Monatsende kaum was zum Sparen übrig? Ein kurzer Blick in Ihre Verträge kann Abhilfe schaffen. Finanztip hat erst kürzlich in einer breit aufgelegten Wechselstudie feststellen können, dass sich langjährige Treue nicht auszahlt. Wer regelmäßig die Autoversicherung, den Handyvertrag und Stromanbieter wechselt, spart bis zu 460 Euro im Jahr.

Neben den Ausgaben haben Sie noch eine weitere Stellschraube, an der Sie drehen können: die Einnahmen. Ist die letzte Gehaltserhöhung über ein Jahr her? Dann wird es mal wieder Zeit mit Ihren Vorgesetzten übers Gehalt zu verhandeln. Untermauern Sie Ihr Anliegen mit stichhaltigen Argumenten und überzeugen Sie mit der Qualität Ihrer Arbeit – dann wird es Ihrem Chef schwer fallen, das nicht zu honorieren.

Machen Sie regelmäßig Ihre Steuererklärung, auch dann, wenn Sie gar nicht dazu verpflichtet sind. Das kann sich für Sie richtig lohnen – im Schnitt bekommen wir Deutschen nämlich bis zu 1.027 Euro erstattet.

Rotes Sparschwein
Wenn am Monatsende kaum etwas zum Sparen übrig bleibt, lohnt sich ein Blick in bestehende Verträge – denn die sind oft überteuert. Bildrechte: dpa

3. Schulden tilgen und Notgroschen aufbauen:

Egal, ob Sie einen Ratenkredit abzahlen, die Baufinanzierung sondertilgen oder das Girokonto aus dem Dispo holen: Die beste Geldanlage für Sparerinnen ist, bestehende Schulden zu tilgen. Das spart teure Zinskosten, die anderenfalls die Rendite Ihrer Geldanlage auffressen würden.

Haben Sie eigentlich einen Geldpuffer für schlechte Zeiten, etwa wenn die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto streikt? Mindestens drei Nettomonatsgehälter gehören auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto als Notfallreserve. Das finden Sie am besten mit einem Tagesgeld-Rechner wie dem von Finanztip. Dieses Geld ist schnell verfügbar und kann in der Not eingesetzt werden.

4. Alle drei Säulen der Altersvorsorge nutzen:

Setzen Sie bei der Altersvorsorge nicht nur auf die gesetzliche Rente. Sie bildet zwar das Fundament, das bröckelt allerdings schon seit einiger Zeit. Selbst die Deutsche Rentenversicherung weist regelmäßig daraufhin, dass es ohne private Vorsorge nicht geht. Sparen Sie, wenn möglich auch mithilfe der Chefin. Fragen Sie nach, wie es mit einer betrieblichen Altersvorsorge steht. Ob sich die Vorsorge über den Betrieb tatsächlich lohnt, hängt von den Konditionen ab, etwa wenn der Arbeitgeber ordentlich was dazu gibt oder die Kosten für den Vertrag sehr gering sind.

Die wohl größte Stellschraube, die Sie haben, ist die private Altersvorsorge. Auch der Staat unterstützt Sie beim Sparen – beispielsweise mit der bezuschussten Riester-Rente. Erwachsene erhalten bis zu 175 Euro im Jahr als staatliche Zulage, für Kinder gibt es bis zu 300 Euro. Allerdings nur, wenn ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens eingezahlt wird. Dazu kommt oft eine Steuererstattung. Riestern lohnt sich daher vor allem für zwei Gruppen: für kinderreiche Familien mit geringerem Einkommen oder für sehr gut verdienende Singles.

In Zeiten niedriger Zinsen lässt sich mit Tagesgeld oder Festgeld so gut wie keine Rendite mehr einfahren. Wer wirklich für das Alter vorsorgen will, kommt um renditestärkere Anlageklassen wie Aktien nicht herum. Dank ETFs, börsennotierten Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Indizes abbilden, geht das nicht nur kostengünstig, sondern auch in kleinen Raten. Bereits mit 25 Euro im Monat können Sie anfangen, sich ein kleines Vermögen anzusparen. Und wenn Sie sich dann noch an einige Punkte halten – etwa in einen weltweit ausgerichteten Aktienindexfonds investieren und diesen mindestens 15 Jahre besparen –, minimieren Sie automatisch das Verlustrisiko und sitzen Kursschwankungen einfach aus.  

5. Nicht zögern, sondern loslegen!

Themen wie Geldanlage und Finanzen können wie ein riesiger Berg wirken, den es mühsam zu erklimmen gilt. Keine Angst, Sie schaffen das. Es fehlt Ihnen nur ein wenig am nötigen Selbstvertrauen. Sie werden sehen, wenn Sie starten, sich mit Ihren Finanzen auseinanderzusetzen, kommt das von ganz allein. Und falls Sie doch einen kleinen Schubs in die richtige Richtung brauchen: Studien zeigen immer wieder, dass wir Frauen die besseren Anlegerinnen sind und mehr Rendite einfahren als das andere Geschlecht. Vorausgesetzt natürlich, dass wir uns auch an den Aktienmarkt wagen. Bei der Geldanlage dürfen wir Frauen uns also ruhig so einiges zutrauen!

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 06. Juli 2021 | 17:00 Uhr

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