Steuererklärung 2020 Acht Steuer-Tipps, die bares Geld sparen

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

In diesem Jahr müssen sich Millionen mehr Menschen an eine Steuererklärung setzen. Heißt auch: Millionen Menschen können Steuern sparen. Dabei geht es vor allem um zwei Gruppen: Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter sowie Rentnerinnen und Rentner. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen hat für sie, aber auch für alle anderen wertvolle Tipps parat.

Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung machen

Eigentlich ist der Anlass erfreulich: 2020 gab es eine ordentliche Rentenerhöhung. Das liegt daran, dass die Rentenerhöhungen jeweils ein Spiegel der Einkommensentwicklung bei den Beschäftigten vom Vorjahr sind. Und 2019 sind die Einkommen der abhängig Beschäftigten kräftig geklettert. Deshalb gab es immer Sommer darauf bei den Westrenten 3,5 Prozent mehr und bei den Ostrenten sogar 4,1 Prozent mehr Geld.

Das bedeutet allerdings auch, dass immer mehr von ihnen wegen der Höhe der Rente tatsächlich eine Steuererklärung abgeben müssen. Traditionell müssen eigentlich vor allem Pensionäre, also ehemalige Beamte und Witwen und Witwer Steuern zahlen. Die einen, weil die Pensionen höher sind als die gesetzlichen Renten, die anderen, weil dort eine Person ja oft zwei Renten erhält.

Kurzarbeitergeld und Steuer

Neben Seniorinnen und Senioren müssen sich dieses Jahr besonders viele Menschen um eine Steuererklärung kümmern, die Kurzarbeitergeld bezogen haben. Wer im Laufe des Jahres 2020 statt des Lohns oder zusätzlich zu einem gekürzten Lohn mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld erhalten hat, muss eine Steuererklärung abgeben. Das Kurzarbeitergeld wird zur restlichen Lohnsumme hinzugerechnet und erhöht für den gezahlten Lohn den Steuersatz. Das Kurzarbeitergeld selbst bleibt steuerfrei.

In vielen Fällen bedeutet das, Steuern müssen nachgezahlt werden. In manchen Fällen aber auch gar nicht. Wer neben dem Lohn in vielen Monaten ein teilweises Kurzarbeitergeld bekommen hat, muss wahrscheinlich nachzahlen. Wer in einzelnen Monaten gar keinen Lohn, sondern nur Kurzarbeitergeld erhalten hat, wahrscheinlich nicht.

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Für viele Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter sollte die Pflicht zur Steuererklärung 2020 der Anlass sein, die Erklärungen für 2016 bis 2019 noch nachzuholen. Denn wer damals keine Erklärung abgeben musste, aber halbwegs ordentlich verdient hat, bekommt für seine Erklärung oft Geld zurück. Im Schnitt gab es in den vergangenen Jahren nach der Steuererklärung rund 1.000 Euro zurück. Für die Rückzahlungen der Jahren 2017 bis 2019 zahlt der Staat sogar zusätzlich Zinsen auf die Rückerstattung.


Wertvolle Tipps zum Steuersparen

Egal ob Rentnerin oder Kurzarbeiter: Mit diesen acht Tipps holen Sie am meisten vom Finanzamt zurück oder müssen zumindest deutlich weniger Steuern zahlen.

1. Besorgen Sie sich ein gutes Steuerprogramm

Die meisten erledigen die Erklärung elektronisch. Das Portal "Mein Elster" stellen die Finanzbehörden dafür kostenfrei bereit. Doch das liefert keine Spartipps. Steuersoftware kann genau das, ist oft einfacher zu bedienen und darüber hinaus auch wieder steuerlich absetzbar.

Die Programme gibt es für einfache Steuerfälle und auch für kompliziertere Steuerfälle, wenn Sie etwa zusätzlich eine Eigentumswohnung vermieten oder eine Solaranlage betreiben. Für 15 bis 45 Euro gibt es für praktisch jeden Anwendungsfall gut geeignete Anbieter. Gute Programme finden Sie im Test von Finanztip.

2. Sammeln Sie Werbungskosten

Suchen Sie alle Quittungen zusammen für Kosten, die mit Ihrer Arbeit zu tun haben. Besonders wichtig: Für den Weg zur Arbeit können Sie an jedem Tag eine Kilometerpauschale geltend machen, 30 Cent pro Tag und Entfernungskilometer und auch Fahrkarten können Sie absetzen.

3. Auch als Rentner: Quittungen aufheben!

Sogenannte Werbungskosten gibt es auch für Rentnerinnen und Rentner, etwa, wenn Sie zu Beginn der Rente oder nach dem Tod des Partners einen Rentenberater aufsuchen und sich beraten lassen, einen Buchhaltungskurs machen, weil sie künftig bezahlter Kassenwart des Fußballvereins sind oder wenn Sie auch als Rentnerin weiter in der Gewerkschaft bleiben und Beiträge zahlen.

4. Zählen Sie die Homeoffice-Tage

Für die Tage im Homeoffice gibt es inzwischen eine Homeoffice-Pauschale, die sie beim Finanzamt von ihrem steuerpflichtigen Einkommen 2020 abziehen können, 5 Euro pro Tag für maximal 120 Tage.

Achtung! Nicht mogeln! Nicht gleichzeitig Kilometerpauschale und Homeoffice angeben – das kann nicht sein und doof sind die Finanzbeamten nicht.

Andererseits, wenn Sie tatsächlich die zweite Hälfte des Jahres 2020 komplett von zu Hause haben arbeiten müssen und dafür ein eigenes Zimmer zur Verfügung hatten, können Sie die Kosten dafür komplett als Kosten fürs Arbeitszimmer absetzen.

5. Arbeitsmittel gehören in die Steuererklärung

Tragen Sie auch die anderen Kosten für Ihre Arbeit in die Steuererklärung ein, etwa Kosten für Aktenordner, den neuen Schreibtisch im Arbeitszimmer, die Schreibtischlampe, Laptop, einen neuen Bildschirm, einen Drucker, die passenden Drucker- Patronen oder auch Fachbücher und Fortbildungskosten. Solche Werbungskosten haben übrigens auch Rentnerinnen und Rentner, die ihren Steuerberater bezahlen, die Steuersoftware kaufen, die ihre vermietete Eigentumswohnung oder die Solaranlage selbst verwalten oder ein Stück Land verpachten.

6. Geben Sie haushaltsnahe Dienstleistungen an

Ihr Garten ist ihr Schatz und war eine große Hilfe in der Pandemie. Im Frühjahr haben Sie das Gemüsebeet vom Nachbarjungen umgraben lassen. Und clever wie sie sind, haben sie den jungen Mann eine Rechnung schreiben lassen und ihm hinterher das Geld überwiesen. Auch diese Kosten können Sie als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Genauso übrigens wie einen Gutteil der Nebenkosten ihrer Mietwohnung, den Streudienst, die Kosten fürs Gassi gehen der Nachbartochter mit Beagle Elfriede, als sie sich im Sommer den Arm gebrochen hatten und und und.

Ein anderes Beispiel: Zweimal musste im vergangenen Jahr ein Elektriker kommen, um die Waschmaschine und die Spülmaschine zu reparieren. Reparatur und Fahrtkosten können Sie bei der Steuer angeben und so Steuern sparen.

7. Prüfen Sie, ob Ihre Gesundheitskosten zumutbar sind

Kurz vor der Pandemie haben Sie sich zwei Zähne richten lassen. Egal ob Brücke oder Implantat, wenn die Kosten hoch genug waren, können Sie einen Teil der Kosten als außergewöhnliche Belastungen beim Finanzamt geltend machen. Ausschlaggebend ist die zumutbare Belastung, die das Finanzamt definiert.

Und wenn Sie einen solchen teuren Start ins Jahr gehabt haben, lassen sich auch jede Menge andere Gesundheitskosten von den regelmäßigen Zuzahlungen in der Apotheke bis zur neuen Brille geltend machen. Mit dem Implantat haben Sie die zumutbare Belastung schon überschritten.

8. Umzugskosten angeben

Umzugskartons und ein Schlüsselbund
Auch Umzugskosten können unter Umständen abgesetzt werden. Bildrechte: imago images/Westend61

Sie haben im Pandemiejahr eine neue Wohnung ergattert, direkt neben dem Supermarkt und Hausarzt mit Aufzug? Eine Wohnung, die Sie auch im Alter noch bewirtschaften können? Oder Sie haben etwas Größeres vor der Stadt gefunden, groß genug auch fürs Homeoffice? Die Umzugskosten können sie geltend machen, wenn es eine Rechnung vom Umzugsunternehmen gibt.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 18. Mai 2021 | 17:00 Uhr

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