Zweite Miete Wann kann der Vermieter die Nebenkosten erhöhen?

Mieterbünde und Vermieter rechnen mit hohen Nebenkostennachzahlungen. Steigende Monatsraten werden ebenfalls erwartet. Kann der Vermieter den Abschlag auch schon vor der Jahresendabrechnung erhöhen?

Mieterin schaut entsetzt auf Nebenkostenabrechnung.
Die Nebenkostenabrechnung wird auch oft die "zweite Miete" genannt. Bildrechte: imago/teutopress

Die erhöhten Preise am Energiemarkt werden kurzfristig zu Nachzahlungen und zukünftig zu höheren Vorauszahlungen führen. Besonders gilt das für Strom und Gas. Doch auch Fernwärme wird teurer. Auch wenn die monatlichen Raten vorerst gleich bleiben, nehmen die Kosten weiter zu, sagt Ellen Schultz vom Mieterbund Halle: "Die Belastungen insgesamt werden mit der Abrechnung 2021 gewiss enorm steigen." Auch Helene Meißner vom Mieterverein Erfurt erwartet durch die erhöhten Heizkosten, die dann bereits angefallen sind "eher große Nachzahlungen in den kommenden Abrechnungszeiträumen".

Geringer Abschlag, hohe Nachzahlung

Durch die rapide Preisentwicklung am Energiemarkt überschreiten die tatsächlichen Kosten die kalkulierten. Verbraucher, die aktuell noch einen günstigen monatlichen Preis bezahlen, zahlen am Ende des Jahres möglicherweise extra. Wenn die  Raten nicht den tatsächlich entstandenen Kosten entsprechen, wird der Überschuss als Nachzahlung fällig.

Laut Vermietern kann das zu Problemen führen. "Unsere langjährigen Erfahrungen haben gezeigt, dass es sich für eine Vielzahl von Mieterinnen und Mietern als schwierig erweist, hohe Nachzahlungen bei den Heizkosten zeitnah zu begleichen", sagt Matthias Trenn von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft.

Erhöhte Abschlagszahlungen für Folgezeitraum zu erwarten

Je nach Höhe der möglichen Nachzahlung werden Privathaushalte auch mit einer Anhebung der künftigen monatlichen Abschläge rechnen müssen. Zusammen kann dies eine immense finanzielle Mehrbelastung bedeuten.

Wichtig hierbei ist: “Vorauszahlungen dürfen nur nach einer zugegangenen Abrechnung angepasst werden (§ 560 Abs. 4 BGB)  – zur Berechnung der Anpassung wird 1/12 der aktuellen Nachforderung zugrunde gelegt – dies ergibt dann die zulässige monatliche Erhöhung”, betont der Mieterverein Neubrandenburg.

           

Vorausschauende Abschlagserhöhung?

Da das genaue Maß der Preiserhöhung noch unklar ist, sollten sich Verbraucher überlegen, ob eine freiwillige Anhebung des monatlichen Preises für sie in Frage kommt. Zwar wachsen die laufenden Kosten, allerdings sinkt das Risiko einer erhöhten Nachzahlung. Auch wenn hier nicht direkt eingespart werden kann, hat man so die Möglichkeit, die aktuelle Nebenkostenpauschale schrittweise an das gesteigerte Preisniveau anzupassen.

Doch jeder Fall ist individuell. Nicht für jeden stellt eine freiwillige Erhöhung der Monatsrate eine sinnvolle oder mögliche Option dar. Franziska Lipka, Geschäftsführerin des Mieterverein Neubrandenburg, sagt dazu: "Wir empfehlen, die vergangene Abrechnung zu überprüfen: Gab es dort ein Guthaben oder auch schon eine deutliche Nachforderung? Hat der Mieter etwa noch einen Puffer, um die Kostenerhöhung zu kompensieren?"

Besonderheit beim Mietverhältnis Wer Hausstrom, Zentralgas, oder Fernwärme in einem Mietshaus bezieht, hat meistens keinen eigenen Versorgungsvertrag abgeschlossen, sondern wird vom Vermieter zentral beliefert. Die Verträge laufen über ihn. Die dafür anfallenden Kosten entrichtet man in den Betriebskosten. Sollten sich die Preise durch den Versorger verändern, wird das in der Regel an den Mieter weitergegeben. Doch nicht alle Erhöhungen sind legitim.

Widerspruch bei Erhöhungen

Bei mehr als zehn Prozent Kostenzuwachs der gesamten Betriebskosten muss der Vermieter begründen, weshalb die Steigerung gerechtfertigt war. Ab 50 Prozent kann verlangt werden, dass dieser nachweist, das Wirtschaftlichkeitsgebot zu befolgen. Dies verpflichtet ihn darzulegen, dass er alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um die Preissteigerung zu vermeiden. Ist der Vermieter dazu nicht im Stande, muss der Mieter die Erhöhung nicht tragen.

Was passiert, wenn der Versorger meinem Vermieter kündigt?

Der Vermieter kann durch Kündigung seitens des Versorgers gezwungen sein, einen teureren Vertrag abzuschließen. Sollte er aus diesem Grund die fortlaufende Nebenkostenzahlung erhöhen, kann der Mieter Einspruch einlegen und prüfen lassen, ob er zahlen muss. Auch hier gilt: Bei der Wahl des neuen Anbieters gilt das Wirtschaftlichkeitsgebot.

Wieso gehen gerade viele Strom- und Gasdiscounter in die Knie?

Am Energiemarkt kauft man entweder auf dem Terminmarkt oder dem Spotmarkt. Der Terminmarkt verkauft langfristig und kontinuierlich. Das garantiert meistens günstige Preise.

Auf dem Spotmarkt kauft man zum Tagespreis. Das hat Schwankungen zur Folge. Ist die Energie aber dauerhaft günstig, können am Spotmarkt echte Schnäppchen gemacht werden. Kleine Unternehmen kaufen hier Gas und Strom, um ihn dann als Billigstrom an Verbraucher weiterzugeben.

Infolge des stark angestiegenen Energiepreises war das für einige Anbieter nicht mehr rentabel und die Unternehmen gingen zum Teil insolvent. Dadurch mussten sich viele Menschen neue Anbieter suchen, häufig zu schlechteren Konditionen, um ihre Pflichtversorgung erhalten zu können.

Viele Mieter bezahlen bereits teurere Tarife

Viele kleine Anbieter für Gas, Strom und Co. sind im Zuge der Energiepreiserhöhungen 2021 unter Druck geraten und haben ihren Kunden gekündigt, einige haben dazu auch Insolvenz angemeldet. Deren Kunden wurden per Gesetz von den lokalen Grundversorgern aufgefangen. Das führte jedoch dazu, dass diese für deren Versorgung wiederum kurzfristig und teuer auf dem Markt einkaufen mussten. Inzwischen haben einige Stadtwerke darauf regiert, indem sie die teureren Preise an Neukunden in der Grundversorgung weitergeben wollen.

“Obwohl die Leipziger Stadtwerke durch langfristig angelegte Beschaffungsstrategien eine Glättung der Preisentwicklung erreichen konnten, müssen sie für die in die Ersatzversorgung gefallenen Kunden nun Energie zu aktuellen, sehr hohen Marktpreisen beschaffen", erklärt Frank Viereckl von den Leipziger Stadtwerken. Neukunden in der Grundversorgung mit Verträgen ab dem 1. Januar 2022 müssen deswegen bei den Leipziger Stadtwerken einen differenzierten und viel teureren Tarif bezahlen – als die Bestandskunden, die bereits in der Grundversorgung sind.

Quelle: MDR-Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 06. Januar 2022 | 21:45 Uhr

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