Fragen und Antworten Wie funktionieren Wohnungsgenossenschaften?

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Bei einer Wohnungsbaugesellschaft kaufen Sie Anteile, damit das Unternehmen neuen Wohnraum und Rücklagen schaffen kann. Sie haben dadurch immer Zugriff auf günstige, freie Wohnungen. Und Rendite gibt es vielleicht auch noch. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem Wohnmodell.

Ein Mann hängt einen Schlüsselbund an einen Haken am Schlüsselbrett
Bildrechte: dpa

Eine Mitgliedschaft in einer Wohnungsgenossenschaft bringt viele Vorteile mit sich. Wer hier Mitglied ist, wohnt sicher wie im Eigentum und flexibel wie zur Miete. Und: ich trage mit meinen Anteilen auch dazu bei, dass in bezahlbaren Wohnraum investiert wird. Außerdem habe ich lebenslanges Wohnrecht und bekomme Kündigungsschutz vor Eigenbedarf.

Was ist das Prinzip einer Wohnungsgenossenschaft?

Es ist ein bisschen das Prinzip "Drei Musketiere": "Alle für einen, einer für alle." Hier geht es nicht um Gewinnmaximierung, sondern darum, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen. Und das führt in der Praxis dazu, dass Mieter durchschnittlich zwei Euro pro Quadratmeter Kaltmiete weniger zahlen, als auf dem herkömmlichen Wohnungsmarkt.

Für wen eignet sich dieses Modell?

Wohnungsschlüssel, im Hintergrund moderne Wohnhäuser.
Bildrechte: Colourbox.de

Für alle, die Sicherheit schätzen und auch Lust haben, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Es gibt meist jährliche Mitgliederversammlungen, bei denen alle das gleiche Stimmrecht haben. Ich habe lebenslanges Wohnrecht und bin vor Eigenbedarfskündigung geschützt. Und natürlich vor drastisch steigenden Mieten. Und wenn ich eine neue Wohnung brauche, gibt es in der Regel weitere Angebote.

Wenn ich in einer Genossenschaft bin, muss ich sogenannte Anteile zeichnen. Was bedeutet das?

Das ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Mitgliedschaft und wird von allen Interessenten verlangt. Das können bei einer vierköpfigen Familie zum Beispiel acht Anteile sein. Die Höhe der Anteile legt jede Genossenschaft selbst fest. Häufig richten sie sich nach der Größe der Wohnung.

Wieviel kostet denn so ein Anteil?

Das ist von Genossenschaft zu Genossenschaft sehr unterschiedlich. Die Preise können zwischen 250 bis 3000 Euro variieren.

Kommen da hohe Summen auf mich zu?

Geld liegt auf einem Hausplan
Bildrechte: Colourbox.de

Nein, in der Regel kostet das so viel, wie etwa eine Kaution. Die durchschnittliche Kaltmiete in Deutschland beträgt derzeit übrigens, laut Hans-Böckler-Stiftung, 7,69 Euro pro Quadratmeter. In einer Genossenschaftswohnung sind es im Durchschnitt nur 5,27 Euro. Das sind mehr als zwei Euro weniger pro Quadratmeter Kaltmiete. Mit der Absicherung, dass ich lebenslanges Wohnrecht habe und mir kein Vermieter die Miete drastisch erhöhen kann.

Was passiert mit meinen Anteilen, wenn ich meine Wohnung kündige?

Dann bekomme ich meine Anteile wieder zurück. Die Genossenschaft muss die Anteile dann umgehend an den Mietenden zurückzahlen.

Die Genossenschaftler bekommen auch eine Rendite, werden also an den Gewinnen beteiligt. Was bedeutet das?

Es winken Dividenden – je nach Genossenschaft - zwischen zwei und vier Prozent. Das ist bei der Niedrigzinspolitik schon eine ganze Menge. Da muss man sich aber den Einzelfall angucken.

Wieso können Wohnungsbaugenossenschaften so günstige Mieten und lebenslangen Wohnraum garantieren?

Das liegt am Modell: Hier steht der Mieter und günstiger Wohnraum im Mittelpunkt – und nicht der Gewinn für Aktionäre oder die Firma. Genossenschaftswohnungen sind eben keine Spekulationsobjekte.

Es gibt in Deutschland rund 2000 Wohnungsbaugesellschaften. Wie überall gibt‘s auch hier mal schwarze Schafe, wie erkenne ich die unseriösen Anbieter?

Als erstes natürlich daran, dass sie zu viele Mitglieder hat und zu wenig Wohnraum. Da sollte man gleich stutzig werden.  Außerdem gibt es in Deutschland Prüfungsgesellschaften für Genossenschaften. Wenn da kein Verband ersichtlich ist, sollte einen das ebenfalls stutzig machen. Auch unverhältnismäßig hohe Eintrittsgelder können ein Anzeichen für schwarze Schafe sein.

Kann ich eigentlich auch Genossenschaftsmitglied bleiben, ohne eine Wohnung angemietet zu haben?

Ja, das geht. Manche wollen sich zum Beispiel absichern, falls Ihre Wohnung gekündigt wird oder die Miete in die Höhe schießt. Außerdem sind Genossenschaftswohnungen in manchen Großstädten rar. Da kann es von Vorteil sein, wenn ich da schon drin bin.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 20. Juli 2021 | 17:00 Uhr

Mehr zum Thema Finanzen

Weitere Ratgeber-Themen