Bayern, München: Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen in München am Terminal 2 auf ihre Flüge. Wegen eines Polizeieinsatzes ist die Sicherheitszone im Terminal 2 am Flughafen München vorübergehend gesperrt worden.
Bildrechte: dpa

Ratgeber Meine Rechte als Fluggast

Wird der Flug annulliert oder hat die Maschine extreme Verspätungen, hat der Passagier das Recht auf eine finanzielle Entschädigung. Bei Streik und Unwettern haben die Passagiere allerdings schlechte Karten, denn hier besteht kein Entschädigungsanspruch.

Bayern, München: Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen in München am Terminal 2 auf ihre Flüge. Wegen eines Polizeieinsatzes ist die Sicherheitszone im Terminal 2 am Flughafen München vorübergehend gesperrt worden.
Bildrechte: dpa

Welche Ansprüche haben die Kunden?

"Wird die Beförderung verweigert, wird der Flug annulliert oder ist er überbucht, besteht ein Anspruch auf eine vergleichbare alternative Beförderung an den Zielort zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder auf eine Erstattung des Flugscheins", erklärt Heinz Klewe von der Schlichtungsstelle des öffentlichen Personennahverkehrs. Zudem haben Passagiere zum einen Anspruch auf Betreuungsleistungen wie Verpflegung, ein Hotel oder einen Transfer, zum anderen haben sie bei einer Verspätung von fünf Stunden oder mehr Anspruch auf die Erstattung des Flugscheins. Verspätet sich der Flug um drei Stunden, kann der Fluggast gegenüber er Airline Ausgleichzahlungen geltend machen. Diese Regelungen gelten jedoch nur, wenn Passagiere von einem beliebigen Flughafen in der EU abfliegen oder mit einem Luftfahrtunternehmen aus der EU bzw. aus Island, Norwegen oder der Schweiz in der EU ankommen.

Was müssen die Fluggesellschaften zahlen?

Demnach stehen jedem Fluggast, der von der EU aus fliegt bzw. in die EU fliegt, Ausgleichzahlungen zu, wenn der Flieger mit Verspätung abfliegt und mehr als drei Stunden später landet oder der Flug ganz ausfällt. Verspätet sich der Flug oder fällt der Flug ganz aus, müssten die Fluggesellschaften 250 Euro (Kurzstrecke, 1.500 km oder weniger), 400 Euro (Mittelstrecke, mehr als 1.500 km, zwischen EU und nicht EU-Land 1.500 bis 3.500 km) oder 600 Euro (Langstrecke, zwischen EU und nicht EU-Land mehr als 3.500 km) an die Passagiere zahlen – selbst, wenn das Ticket nur 60 Euro gekostet hat. Bietet die Fluggesellschaft einen Ersatzflug im ähnlichen Zeitraum an, kann die Entschädigungszahlung um 50 Prozent gemindert werden. Verspätet sich der Abflug um fünf Stunden, bekommt der Kunde den gesamten Flugpreis erstattet.

Keine Zahlung bei Streik und außergewöhnlichen Umständen

Fluggesellschaften müssen nicht zahlen, wenn sie die Reisenden mindestens zwei Wochen vor dem geplanten Abflug über die Annullierung informiert hat oder sie beweisen kann, dass "außergewöhnliche Umstände" dazu geführt haben. Dazu gehören Wetterkapriolen und Streiks. Weiterhin muss die Airline nicht zahlen, wenn ein alternativer Flug für die gleiche Route in einem ähnlichen Zeitraum angeboten wird.

So können Fluggäste die Entschädigung erhalten

Ein Passagier, der Ansprüche geltend machen will, kann zunächst das EU-Beschwerdeformular für Fluggastrechte ausfüllen und bei der entsprechenden Airline einreichen. Meldet sich das Unternehmen nicht oder ist der Passagier mit der Antwort nicht zufrieden, kann er sich an die zuständige nationale Behörde wenden. In Deutschland ist das das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig.

Durchsetzung häufig schwierig

Die Durchsetzung dieser Ansprüche ist für die meisten Reisenden jedoch schwer: Wenn eine Fluggesellschaft erklärt, es haben "außergewöhnliche Umstände" geherrscht, dann muss sie nicht zahlen. Ob das stimmt und tatsächlich keine Chance auf eine Entschädigung besteht, ist für den normalen Verbraucher nur schwer zu prüfen. Doch es gibt nun zahlreiche Möglichkeiten, trotzdem an sein Geld zu kommen.

Hilfe für Reisende

Zum einen gibt es Fluggasthelfer. Das sind Inkassounternehmen wie EUclaim, Flightright und Fairplane. Sie erstreiten für den Fluggast seine Entschädigung und werden bei Erfolg an der Entschädigungssumme beteiligt. Eine weitere Möglichkeit ist die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Die Idee dahinter: Als Reisender muss man zuerst direkt bei der Fluggesellschaft seine Ansprüche geltend machen. Zahlt die Gesellschaft innerhalb von 60 Tagen nicht, kann man sich an die Schiedsstelle wenden. Diese klärt dann, welche Gelder einem zustehen. Das kostet den geschädigten Reisenden nichts. Zudem steht es dem Reisenden frei, eine eigene Klage gegen die Airline einzureichen.

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2018, 16:25 Uhr