Tipps vom Gartenprofi Nachhaltig gärtnern – so geht's

Pflanzenexperte René Wadas
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Pflanzen im Plastikbehältner, Blumenerde im Plastesack – lässt sich das vermeiden? Wie kann man nachhaltig, klimafreundlich und ohne unnötig erzeugten Müll gärtnern? Gartenprofi und Pflanzenarzt René Wadas verrät seine Tipps und Tricks.

Klimafreundlich gärtnern
Klimafreundliches Gärtnern fängt beim Werkzeug an: Eine Gießkanne aus Metall hält für die Ewigkeit. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Mit kleinen Veränderungen kann jeder bei der Arbeit im eigenen Garten etwas für das Klima tun und dabei gleichzeitig noch ein gutes Gefühl haben.

Klimafreundlich gärtnern
Auch Gartenarbeit lässt sich noch klimafreundlicher gestalten. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Hobbygärtner verbrauchen wichtige Ressourcen, wenn sie nicht darauf achten, wie gegärtnert wird. "Der Bio-Gärtner hat aber eigentlich von vornherein schon immer nachhaltig und klimafreundlich gegärtnert, weil er zum Beispiel dafür sorgt, dass ein Humusboden im Garten entsteht, der CO2 bindet", weiß René Wadas.

Grundsätzlich habe sich das Bewusstsein in den letzten Jahren dem Thema gegenüber spürbar geändert, so der Gartenprofi. "Die Menschen greifen immer mehr zu biologischen Mitteln. Das heißt auch zu torffreien Erden oder wenigstens Torf reduzierter Erde, wenn es nicht anders geht." Ein großes Problem sei aber noch immer Plastik im Garten, sagt Wadas. Denn der Großteil aller Utensilien besteht aus Kunststoff.

Plastik ist auch im Garten ein Problem

Plastikrückstände lassen sich fast überall im Garten finden. So tauchen beim Horten des Kompostes durchaus immer wieder Rückstände auf von Gießkannen, Plastetöpfen, Kunststofftüten und allem, was noch dazu gehört.

Hier sieht René Wadas Handlungsbedarf. Plastik müsse aus den Gärten verbannt werden, sagt er und nennt ein konkretes Beispiel:

Bei Gießkannen sollte man auf die Plastikvariante verzichten und sich vielleicht eine Gießkanne aus Metall holen, die dann auch vererbt werden kann.

René Wadas, Pflanzenexperte

Zimmerpflanzen für Kinder

Schon Kinder sollten Verantwortung für unser Klima und unsere Natur übernehmen. Pflanzenarzt René Wadas kümmert sich daher um Zimmerpflanzen speziell für Kinder. Das Thema ist dem Gartenprofi besonders wichtig: "Kinder lernen, wie zerbrechlich die Natur eigentlich ist. Sie lernen zu scheitern, wenn die erste Pflanze bei schlechter Pflege stirbt“, so Wadas. Zimmerpflanzen für Kinder sollten niemals giftig, dafür aber leicht zu kultivieren sein. Ein Exot wäre die falsche Wahl.

Tipp: Eine gute Einstiegspflanze ist der Kaktus. Er benötigt wenig Wasser und kommt mit wenig Pflege aus. 

Schon etwas anspruchsvoller sind Mimosen. "Das sind ganz tolle Pflanzen, die sich für Kinder eignen. Sie sehen, dass sie sich bewegen. Das ist für Kinder faszinierend, genauso wie fleischfressende Pflanzen, die sich bei Berührung verändern oder eine Fliege fangen können."

Klimasünder im Garten: mineralischer Dünger

Zu den klaren Klimasünden im Garten gehört Dünger mit mineralischen Anteilen, weil für seine Herstellung viel Energie verbraucht wird – gerade beim Bestandteil Stickstoff, der aus der Luft nur mit viel Aufwand gewonnen werden kann. René Wadas empfiehlt den Kauf von organisch hergestellten Düngern oder veganen Düngemitteln. "Es sollten Bio-Dünger gekauft werden, die nicht unbedingt aus Schlachtabfällen hergestellt werden, sondern aus der Zuckerindustrie kommen", so der Pflanzenexperte. Solche Dünger bestehen oft aus Melasse – einem Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr und Zuckerrüben.

Dünger aus Brennnesseln herstellen

Des Gärtners Gold ist der Kompost. Die kompostierte Erde ist ein idealer Dünger. Ganz leicht lässt sich ein Dünger auch aus Pflanzen herstellen. Eine Brennnessel-Jauche ist schnell gemischt. Die Pflanzen werden in eine Regentonne mit Wasser gegeben. Je nachdem wie warm es ist, verjauchen die Brennnesseln nach zwei bis sechs Wochen. "Wenn die Jauche glasklar ist, kann sie in Kanistern oder in Flaschen abgefüllt werden. Der Dünger hält sich das ganze Jahr. So kann man seine Pflanzen regelmäßig mit dieser Jauche düngen."

Sechs Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Garten

  1. torffreie Erde kaufen
  2. biologische und nicht mineralische Dünger kaufen
  3. biozertifizierte Pflanzen kaufen
  4. kein Plastik in die Grüne Tonne
  5. Gartengeräte aus Metall und nicht aus Plastik kaufen
  6. keine chemischen Pflanzenschutzmittel wie Pestizide oder Insektizide verwenden

Erde wiederverwenden: Vorteile des Kompostierens

Die Erde aus Töpfen kann deutlich besser genutzt werden und sollte nach einem Verblühen der Pflanzen nicht in den Müll kommen. René Wadas empfiehlt, einen eigenen Kompost mit allen eigenen Gartenabfällen aufzubauen.

Wir sollten mit Kompost arbeiten, den wir selbst herstellen. Das ist das Beste überhaupt.

René Wadas, Pflanzenexperte

Gartenabfälle mit dem Auto in eine Entsorgungsanlage zu bringen sei nicht unbedingt nachhaltig, genausowenig der Kauf von fertigem Kompost.

Wer fertige Erde im Gartenmarkt kaufe, könne diese mit dem eigenen Kompost anreichern und verbessern, sagt Wadas. "Immer wenn ich im Garten den Boden verbessern möchte, gehört keine Blumenerde rein, sondern nur Kompost aus dem eigenen Garten."

Torffrei ist nicht gleich klimafreundlich

Wo torffrei draufsteht, sollte immer genau geschaut werden, welche Ersatzstoffe für den Torf zum Einsatz kommen. Kokosfasern und Kokospellets, beispielsweise aus der Dominikanischen Republik, die mit Schweröl nach Deutschland und Europa transportiert werden, sind keine Alternative.  

Biozertifizierte Pflanzen

Wer schon beim Kauf von neuen Pflanzen auf mehr Nachhaltigkeit achten möchte, der sollte biozertifizierte Pflanzen kaufen. Bis Blumen und Pflanzen im Verkaufsregal landen, haben sie oft einen langen Weg hinter sich und sind auch nicht klimafreundlich hergestellt. Der Profi rät: "Demeter ist zum Beispiel eines der stärksten überwachten Bio-Label. Pflanzen mit diesem Abzeichen sind klimafreundlich hergestellt."

Alternativen zu Plastiktöpfen

Töpfe aus Plastik sind im Gartenbau nur schwer zu vertreiben. Aber auch schwere Tontöpfe und viele andere Gefäße sind in ihrer Umweltbilanz nicht nachhaltiger. Doch es gibt tolle neue Konzepte, sagt René Wadas. "Es gibt Leute, die haben Töpfe entwickelt, die aus Sonnenblumenkernen entstanden sind. Töpfe, die verrotten und auf den Kompost wandern können. Die sind im Preis ein wenig teurer, aber absolut nachhaltig."

Unser Experte

René Wadas
Bildrechte: Patrice Kunte

Pflanzenarzt René Wadas

Pflanzenarzt René Wadas

René Wadas ist Deutschlands einziger Pflanzenarzt. Seit 1997 experimentiert der Bestseller-Autor in seiner Pflanzenklinik in Niedersachsen mit biologischen Heilmitteln gegen Schädlingsbefall.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 18. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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