Servicestunde | 07.06.2021 Junge Wildtiere: Wann Sie wirklich helfen sollten

Viele Wildtiere haben jetzt Nachwuchs - Feldhasen zum Beispiel, Rehe oder Wildkatzen, genauso wie Amseln, Spatzen oder Meisen. Immer wieder kommt es vor, dass Spaziergänger einen kleinen Vogel sitzen sehen, vermeintlich verlassen vom Muttertier. Allzu schnell sollte die Tierliebe aber nicht mit einem durchgehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Feldhase
Ein junger Feldhase (Symboldbild) Bildrechte: Colourbox.de

Im Frühjahr bekommen zahlreiche Tiere Nachwuchs. Darum sind gerade jetzt viele Jungtiere vermeintlich allein unterwegs. Doch ganz so allein, wie es scheint, sind sie gar nicht.

Bei Vögeln sind die Muttertiere oft in der Nähe, bei Rehen und Feldhasen sind sie auf Nahrungssuche und kommen morgens und abends zum Säugen. Den Kleinen geht es also gut, und das heißt für Menschen: Finger weg!

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Die Pflege von Wildtieren ist verboten. Es gibt aber Ausnahmen: Verletzte Tiere dürfen zur Kurzzeitpflege mit nach Hause, bis es ihnen besser geht. Ansonsten päppeln viele Ehrenamtler solche TIere auf.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 07.06.2021 11:50Uhr 08:22 min

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Darf ich Jungtiere oder ein krankes Wildtier füttern oder mitnehmen?

Füttern und Mitnehmen - davon raten Naturschützer bei Wildtieren generell ab. Demnach kommt es gerade bei Wild- und Hauskatzen oftmals zu einer Verwechslung - mit teils verheerenden Folgen für die mitgenommenen Wildtiere.

Besonders bei Wildkätzchen besteht eine große Gefahr, dass sie mit Hauskatzen verwechselt und mitgenommen werden.

Almut Gaisbauer Wildtierexpertin des BUND

Die Pflege von Wildtieren ist also verboten. Es gibt aber Ausnahmen. Verletzte Tiere dürfen zur Kurzzeitpflege mit nach Hause, bis es ihnen besser geht. Und: Es gibt viele ehrenamtliche Anlaufstellen, die Kranke, Schwache und Jungtiere aufpäppeln. Sie haben Erfahrung im Umgang mit den Tieren und auch das richtige Futter.

Ein kleiner Vogel liegt am Boden: Was soll ich tun?

Küken, die vermeintlich "aus dem Nest gefallen" sind, sind nicht verwaist. Es sind sogenannte Ästlinge, die zwar ein vollständiges Gefieder haben, aber noch nicht richtig fliegen können.

Jungvögel sterben oft durch falsche Versorgung durch Menschen

Sie hüpfen daher auf dem Rasen oder im Geäst umher und rufen nach ihren Eltern. Von denen werden sie auf dem Boden weiterversorgt. Sie brauchen keine menschliche Hilfe. Viele Jungvögel sterben unnötig durch gut gemeinte, aber falsche Versorgung in Menschenhand.

Es sei denn, es nähert sich Nachbars Katze oder das Küken taumelt auf eine befahrene Straße. Verletzte Störche, Bussarde oder andere Wildvögel können in speziellen Auffangstationen abgegeben werden.

Kann ich zu kleine oder zu dünne Igel füttern?

Igel sind nachtaktiv. Tiere, die nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen, brauchen ebenso Hilfe wie diejenigen, die zum Beispiel an Straßen oder in Gruben gefunden werden. Bei diesen Tieren handelt es sich um kranke oder schwache Alttiere oder spät geborene Jungigel, die sich kein ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

Torkelnde, apathisch wirkende Igel müssen umgehend zu einem Tierarzt oder auf eine Igelstation gebracht werden. Zu dünne Igel (weit unter 500 Gramm) darf man im Winter ausnahmsweise zuhause versorgen, bis sie kräftig genug sind, um wieder in die Freiheit entlassen zu werden. 

Die richtige Nahrung für Igel

Igel sind Insektenfresser; sie vertragen kein Obst, Gemüse, Brot, Nudeln oder Reis. Bekömmlich sind für sie Katzenfutter mit Haferflocken sowie ungewürztes Rührei, angebratenes Rinderhackfleisch und gekochtes Geflügelfleisch. Geben Sie Igeln niemals Milch! Die kann zu Magenverstimmungen und Durchfall führen. Von Natur aus trinken alle Tiere Wasser.

Eichhörnchen-Babys: Liegen lassen oder mitnehmen?

Von März bis August bringt das Eichhörnchen seine Jungen zur Welt. Fällt eines aus dem Nest, versucht die Mutter binnen vier Stunden, es anzulocken. Kalte und verletzte Tiere holt die Mutter nicht zurück. Das Kleine sucht instinktiv nach Hilfe und geht auch auf den Menschen zu. Doch Vorsicht!

Ein Eichhörnchen zu Hause aufzupäppeln ist ein 24-Stunden-Job! Bundesweit gibt es 200 Eichhörnchen-Auffangstationen. Dort werden die Tiere aufgenommen und fachgerecht versorgt.

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MDR FERNSEHEN Di 05.05.2020 19:00Uhr 01:30 min

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Die Tiere sollten auf keinen Fall gefüttert werden oder etwas zu trinken bekommen. Sind die Eichhörnchen unterkühlt, muss erst der Kreislauf wieder in Schwung kommen, sonst ist die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme lebensgefährlich.

Bundesweiter Verein Eichhörnchen-Notruf | Telefon: 0700 - 20020012

Was ist, wenn ich ein Rehkitz allein auf dem Feld entdecke?

Rehkitze werden zwischen Ende April und Anfang Juli geboren. Die Jungtiere haben die Angewohnheit, sich bei Gefahr tief in den Boden zu drücken. Sollten sie tagelang nach der Mutter fiepen, kann man davon ausgehen, dass diese nicht wiederkommen wird und vermutlich tot ist. Kranke und verletzte Tiere brauchen Hilfe. Die erkennt man daran, dass sie torkeln, eingefallene oder zugeschwollene Augen und Maden am Fell haben.

Wärmen Sie das Kitz in einem Frotteehandtuch und benachrichtigen Sie den Tierarzt oder eine Aufzuchtstation. Bis die Retter eintreffen, sollten Sie ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch) hinstellen. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Pipette lauwarmen, mit Traubenzucker leicht gesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein. Frische Erde, Kleeblätter, Weidenblätter, Löwenzahnblätter anbieten. Kitze fressen ab dem zweiten Tag Erde!

Rehkitze sterben meist wegen Mähdreschern

Die meisten Kitze, die im hohen Gras oder dem Getreidefeld liegen, sterben bei der Ernte im Mähdrescher. Tierfreundliche Bauern und Jäger suchen deshalb vorher das Feld ab. Mithilfe von Handschuhen und viel Gras kann das Rehkitz angefasst und weggetragen werden, denn sobald die Mutter Menschengeruch am Kitz wahrnimmt, wird sie es nicht mehr annehmen - das Kitz verhungert.

Was ist, wenn sich Tiere an meiner Mülltonne bedienen?

Für viele Wildtiere sind Städte ein regelrechter Supermarkt, in dem sie in Mülltonnen und Gärten nur noch zulangen müssen. Das große Nahrungsangebot ist aber nicht der einzige Grund, warum Feldhase, Wolf, Rotfuchs und Co. den Weg in die Städte finden.

Mülltonnen besser verschließen

Es empfiehlt sich, Mülltonnen zu verschließen und nach Möglichkeit in Garagen, Schuppen oder Kellerabteilen unterzustellen, um den Zugang für Wildtiere zu erschweren. Katzenklappen sollten nachts verschlossen werden, da auch sie ein Zutrittstor sein können.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN mit Haase und Waage | 07. Juni 2021 | 11:05 Uhr

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