Faktencheck Ist das wahr? – Bekannte Aussagen über Antibiotika im Check

Der 18. November ist der europäische Antibiotikatag. Die Infektiologin Dr. Irit Nachtigall von der Helios Kliniken GmbH räumt mit hartnäckigen Mythen über die angeblichen Wundermittel auf. Mit einem Faktencheck!

mehrere Packungen Antibiotika.
Den europäischen Antibiotikatag gibt es seit 2008. Er soll zu mehr Wachsamkeit beim Einsatz der Medikamente beitragen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Antibiotika helfen gegen Grippe und Co.?

Grippe, Erkältung, Husten oder Rachenentzündung werden durch Viren verursacht. Da Antibiotika aber ausschließlich bei bakteriellen Infektionen helfen, können sie bei diesen Erkrankungen nichts bewirken. "Wenn der Arzt oder die Ärztin bei einer Erkältung oder Grippe zu Antibiotika rät, sollte man besser noch mal nachfragen. Denn je mehr und häufiger die weit verbreiteten Antibiotika für die falsche Erkrankung eingesetzt werden, desto mehr werden Resistenzen gefördert", sagt Dr. Irit Nachtigall. Auf keinen Fall sollte man auf Antibiotika bestehen, wenn der Arzt sie nicht verschreibt, denn dann hat man vermutlich keine bakterielle Infektion.

Durch Antibiotika wirkt die Anti-Baby-Pille nicht?

Das kann richtig sein. Die Wirkung der Pille kann während der Einnahme von Antibiotika gemindert sein. Da antibiotische Medikamente einen negativen Einfluss auf die Darmflora haben, kann dies die Aufnahme der Hormone beeinträchtigen. Während einer Antibiotika-Therapie sollte man also lieber auf andere Verhütungsmittel zurückgreifen.

Irit Nachtigall
Dr. Irit Nachtigall ist Krankenhaushygienikerin und Infektiologin am Helios Klinikum Bad Saarow. Bildrechte: Helios Kliniken Sachsen-Anhalt/Thomas Oberländer

Alkohol und Antibiotika vertragen sich nicht?

Die meisten Menschen fühlen sich während einer Infektion unwohl und verspüren gar keinen Appetit auf Alkohol. Ein generelles Verbot von Alkohol während der Antibiotika-Einnahme besteht aber nicht. "Ein Glas Wein oder Bier ist bei den meisten Antibiotika kein Problem. Es gibt aber einzelne Wirkstoffe, die sich mit Alkohol nicht vertragen und in der Kombination ernste Nebenwirkungen verursachen können", erklärt Dr. Irit Nachtigall. Wer sich unsicher ist, sollte in jedem Fall Rücksprache mit seinem Arzt oder Ärztin halten bzw. in der doch meist kurzen Zeit, in der man die Medikamente nimmt, auf Alkohol verzichten.

Bei Besserung dürfen Antibiotika abgesetzt werden?

Viele Antibiotika wirken schnell und senken die Zahl der krankmachenden Erreger stark ab. Allerdings sind die Bakterien noch nicht komplett beseitigt, auch wenn die Symptome bereits nachgelassen haben. Generell gilt: Antibiotika sollen solange und in der Dosis genommen werden, wie es vom Arzt verordnet wurde. "Wer sich wieder richtig gesund fühlt, sollte mit seinem Arzt Rücksprache halten, ob die Therapie eventuell verkürzt werden kann. Unverbrauchte Reste sollten auf gar keinen Fall zu Hause gelagert und ohne Verordnung bei neuen Symptomen eingenommen werden. Reste sind immer zu entsorgen", mahnt Dr. Irit Nachtigall.

Milch und Sonne beeinflussen die Wirksamkeit?

Die Aufnahme bestimmter Antibiotika kann durch Milch oder Milchprodukte beeinflusst werden. Ein entsprechender Hinweis ist immer im Beipackzettel des Präparats zu finden.

Direkte Sonneneinstrahlung sollte ebenfalls gemieden werden, weil die Haut während der Einnahme einiger Antibiotika sehr sensibel reagieren kann, dies gilt in besonderem Maße für das oft eingesetzte Doxycyclin.

Wenn ich selten Antibiotika nehme, kann ich nicht resistent werden?

Diese Aussage ist leider falsch. Menschen können auch gar nicht resistent werden, sondern nur die Erreger. Resistente Erreger können wiederum in jeden Organismus eintreten und stellen daher ein Problem für alle dar. "Prinzipiell sollte die Verordnung von Antibiotika sehr bedacht erfolgen, um falsche Behandlungen zu vermeiden. Denn der falsche Umgang mit Antibiotika unterstützt die Bildung von resistenten Erregern, die auf Antibiotikabehandlungen nicht mehr anschlagen. Es ist daher immer sinnvoll, die Notwendigkeit einer Antibiotikaverordnung beim Arzt zu hinterfragen", erklärt Dr. Irit Nachtigall. Wichtig ist auch, dem Arzt anzugeben, wenn man im Ausland war, denn in verschiedenen Ländern der Welt ist die Resistenzlage anders, als in Deutschland, so dass dies bei der Auswahl der Medikamente berücksichtigt werden muss.

Naturheilmittel statt Antibiotika 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ist Sport während der Antibiotika-Therapie gesund?

Beim Thema Sport ist Vorsicht geboten. Der Grund für eine Antibiotika-Therapie ist eine bakterielle Infektion, die den Körper schwächt. Sport würde den Körper zusätzlich belasten und kann die Genesung verzögern oder gar einen schlimmeren Krankheitsverlauf verursachen. "Zwei bis drei Tage nach der letzten Antibiotika-Einnahme kann wieder mit dem Sport begonnen werden. Aber auch hier sollte man es langsam angehen lassen, schließlich ist der Körper kurz nach einer überstandenen Infektion noch nicht sofort wieder topfit", empfiehlt Dr. Irit Nachtigall.

Antibiotika schwächen das Immunsystem?

Das ist falsch. Besonders bei chronischen Krankheiten, in höherem Alter, bei Stress oder bei einer schweren Infektion schafft es das Immunsystem nicht immer, allein gegen alle Krankheitserreger vorzugehen. Antibiotika unterstützen die körpereigenen Abwehrkräfte, indem sie Bakterien angreifen und abtöten. Sie schwächen das Immunsystem also nicht, sondern leisten eine wichtige Schützenhilfe.

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. März 2021 | 21:00 Uhr

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