Hilfe gegen Rückenschmerzen Rücken-App auf Rezept – ein Praxistest zuhause

Digitale Gesundheitsanwendungen – so heißen Apps, die vom Arzt auf Rezept verordnet und von den Krankenkassen bezahlt werden können. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt ein Verzeichnis solcher Anwendungen. "Hauptsache Gesund"-Reporterin Annett Böhm hat die aktuell einzige Rücken-App auf Rezept getestet, die beim BfArM gelistet ist.

Der Rücken ist meine Schwachstelle. Zum Rückenkurs kann ich wegen des Lockdowns derzeit nicht gehen, also probiere ich alternativ die App auf Rezept. "Vivira" heißt sie. Hat der Arzt das Rezept ausgestellt, muss es bei der Krankenkasse eingereicht werden. Dann bekommt man einen Freischaltcode. Das dauert, bei mir mehrere Wochen. Ich bin zu ungeduldig und fange mit der siebentägigen Testversion schon mal an.

Rücken-App auf einem Tablet
Zu Beginn werden Fragen zum Ist-Stand des Rückenbefindens abgefragt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Punkt 1: ein persönliches Profil anlegen

Bevor es losgeht, muss ich mein persönliches Profil anlegen: Alter, Schwachstellen und Beschwerden werden abgefragt. Dann kann es los gehen. Jeden Tag gibt es vier Übungen. Alles wird mir gut erklärt. Nach jeder Übung werde ich gefragt, ob alles in Ordnung war, ob die Übung Schmerzen ausgelöst hat. Noch finde ich es nicht so anstrengend. Und dennoch frage ich mich, ob die Übungen auch jeder wirklich richtig umsetzen kann.

Annett Böhm
Annett Böhm ist eine erfahrene Sportlerin, 2003 holte sie Bronze bei den Judo-Weltmeisterschaften. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Übungen wechseln, Schwierigkeitsgrad steigt

Mit der Rücken-APP trainiere ich jetzt regelmäßig jeden Tag. Die Übungen passen sich mit der Zeit an, werden intensiver und variieren. Am Tag sieben lasse ich Reha-Trainier Jürgen Reif drüber schauen, ob ich alles richtig mache. Sein erster Kommentar: "Die App leitet dich gut an. Aber es ist schon gut, wenn da noch einmal einer drüber schaut und dich an ein paar Sachen erinnert."

Physiotherapeut Jürgen Reif
Reha-Trainier Jürgen Reif empfiehlt den Einsatz der App zur Prophylaxe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Experte: Gut zur Prävention – aber kein Ersatz für eine Therapie

Was sagt der Experte generell zur App? "Die App ist eher im präventiven Bereich angelegt. Da ist sie auch sogar sehr gut, weil sie zum regelmäßigen Üben motiviert. Das finde ich sehr gut", so der Sportexperte. Aber er hat auch Kritik: "Sobald man eine Erkrankung an der Wirbelsäule oder an den Gelenken hat, dann sollte man eher eine Therapie machen. Das ersetzt eben keine Physiotherapie oder Reha-Sport." Mir selbst hat das Training mit der App viel Spaß gemacht. Doch selbst ich als erfahrene Sportlerin fühle mich wohler, wenn ein Fachmann dabei ist.

Übersicht über alle Apps auf Rezept

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 04. März 2021 | 21:00 Uhr

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