Mit Praxistest Leichter Abnehmen mit Aromaölen?

Viele kennen es: Der Weg zum Kühlschrank im Homeoffice ist kürzer. Das Riechen an Düften soll Heißhungerattacken bekämpfen helfen. Wie das funktionieren soll, erklären wir hier. Und wir haben getestet, ob es wirkt!

Aromaöle
Aromaöle werden oft zur Entspannung eingesetzt. Doch auch beim Abnehmen sollen sie helfen. Doch Studien dazu gibt es noch nicht. Bildrechte: IMAGO

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: An der Zitrone oder am Lavendel geschnuppert und schon zeigt die Waage drei Kilogramm weniger an? Doch ist es wirklich so einfach?

Eines vorweg: Es gibt keine Studien zu dem Phänomen der Düfte beim Abnehmen. Was es aber gibt, sind ein paar Annahmen, warum es funktionieren könnte und eine Vielzahl an Menschen, denen Aromaöle beim Abnehmen geholfen haben.

Düfte werden im Gehirn mit Erfahrungen verknüpft

Unser Geruchssinn wird über zwei Eintrittspforten unseres Körpers aktiviert – die Nase und den Mund. Riechen und Schmecken sind also die beiden Urinstinkte, die uns immer wieder verführen und oft zu viel, zu fettig, zu süß oder zu salzig essen lassen. Aber genau diese Instinkte helfen uns auch beim Abnehmen.

Die Riechschleimhaut ist circa fünf Quadratzentimeter groß und sie erneuert sich immer wieder im Abstand von circa 30 Tagen. Über die Riechnerven und die Rezeptoren der Riechschleimhaut werden die Duftmoleküle zum Gehirn, ins sogenannte limbische System, weitergeleitet. Dort werden die Düfte verarbeitet und oft auch mit Emotionen und Erfahrungen verknüpft. Hier setzen die ätherischen Öle an. Sie triggern mit einem ganz bestimmten Duft bestimmte Informationen.

Pfefferminze gegen Heißhunger

Pfefferminze gilt bei Heißhungerattacken als hilfreicher Notfalltropfen. Achten Sie bitte darauf, dass das ätherische Öl als Lebensmittel zugelassen ist. Das ist in diesem Falle besonders wichtig, denn im Gegensatz zum puren Duft soll die Pfefferminze hier direkt auf der Zunge zergehen. Ein Tropfen Pfefferminzöl auf die Hand geben und anschließend mit der breiten Zunge (nicht nur mit der Zungenspitze) aufnehmen.

Sie werden merken, wie Ihr Kopf förmlich durchgepustet wird. Denn das Menthol der Pfefferminze aktiviert die Durchblutung. So können Nährstoffe und Sauerstoff schneller zum Gehirn gelangen. Setzen Sie das Pfefferminzöl immer dann ein, wenn Sie Heißhunger verspüren! Dieser unmittelbare und starke Reiz verschafft Ihnen Zeit, um in Ruhe zu überlegen: Habe ich wirklich Hunger? Wenn ja, dann bereiten Sie sich jetzt in Ruhe eine gesunde Mahlzeit zu. Wenn nicht, lautet die Frage: Was brauche ich wirklich? Eine Pause? Eine Tasse Tee? Einen Spaziergang?

Pfefferminze
Das Öl der Pfefferminze ist als Lebensmittel zugelassen. Bildrechte: Colourbox.de

Praktischer Helfer: der Roll-On

Wer keine Pfefferminze mag, kann einen Roll-On benutzen, der dann auch verschiedene Mischungen enthalten kann. Reiben Sie diesen auf Handgelenk und Wangenknochen. Tuula Misfeld, Aromatherapeutin aus Leipzig, hat einen Tipp, um den ersten Impuls, nämlich den Gang zum Kühlschrank zu stoppen: den sogenannten "Kühlschrankbewältiger". Das Rezept verrät sie hier.

Rezept "Kühlschrankbewältiger"

  • 10 ml Mandelöl
  • 4 Tropfen Orange
  • 2 Tropfen Benzoe Siam
  • 1 Tropfen Zeder
  • 1 Tropfen Patchouli

Der Praxistest: Abnehmen durch Duftöle? Zwei Erfahrungsberichte.

Fünf Wochen lang haben Sabine und Bernhard Tauscher aus Jena das Prinzip "Abnehmen mit Aromaölen" ausprobiert. Beide haben tatsächlich abgenommen: Bernhard Tauscher vier Kilogramm, Sabine Tauscher ein Kilogramm. Zwischenzeitlich hatte sie sogar drei Kilo mehr verloren, ließ sich aber wieder zu Naschattacken hinreißen. Wir haben beide zu dem Experiment befragt.

Fünf Wochen lang haben Sie versucht abzunehmen, indem Sie Aromaöle im Alltag benutzt haben. Was haben Sie konkret getan?
Bernhard Tauscher:
Ich esse ja für mein Leben gern Süßes. Und immer wenn ich wieder das Verlangen hatte, habe ich einen Pfefferminzöltropfen auf der Zunge zergehen lassen. Das ist hoch konzentriertes Aromaöl. Ein Tropfen genügt und man hat das Gefühl, als ob man sich nur noch darauf konzentrieren kann. Der Appetit nach Süßem geht davon total weg.
Sabine Tauscher: Ich mag keine Pfefferminze. Deshalb habe ich einen Roll-On benutzt, den sogenannten Kühlschrankbewältiger. Der soll mein Verlangen nach all den deftigen Salaten aus dem Kühlschrank stoppen. Eigentlich sollte ich ihn auf die Handgelenke auftragen.I ch habe ihn aber dann einfach unter die Nase gerieben. Ich hatte das Gefühl, das funktioniert besser für mich. Da habe ich den Duft gleich dort, wo er hin soll, in der Nase!

Waren Sie überrascht, dass es so gut funktioniert hat?
Bernhard Tauscher
: Anfangs war ich sehr skeptisch und habe mir vorgestellt, dass es eigentlich gar keinen Effekt bringen kann, einfach nur so etwas zu riechen. Ich musste aber feststellen, dass das Duftgemisch einen sehr guten Effekt hatte.

Was ist jetzt in Ihrem Alltag anders?
Sabine Tauscher:
Ich merke es bei der Beweglichkeit. Wenn wir jetzt wandern gehen, sind wir doch länger unterwegs. Man ist doch wieder ein bisschen aktiver. Wir wollen auch unsere Fahrräder wieder aktivieren. Dann wird das vielleicht noch besser.
Bernhard Tauscher: Ich merke es auch an kleinen Dingen. Beim Schuhe binden muss man nicht mehr den Fuß hochheben, sondern man ist in der Lage, sich wieder richtig zu bücken. Das gibt mir ein gutes Gefühl, weil man ja viele bewegliche Leute rundherum sieht, auch in unserem Alter.
Sabine Tauscher: Und unser Essverhalten hat sich verändert. Die Portionen sind wesentlich kleiner geworden, ohne dass wir Mangelgefühle haben. Also, mir fehlt nichts. Das ist seltsam.
Bernhard Tauscher: Ich kann jetzt auch abends viel besser einschlafen, weil wir dann nicht mehr so viel essen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 22. April 2021 | 21:00 Uhr

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