Ortho-K-Linsen Über Nacht besser sehen können

Den ganzen Tag scharf sehen und dafür nur nachts Kontaktlinsen tragen - das geht, mit sogenannten Ortho-K-Linsen. Denn sie formen die Hornhaut des Auges im Schlaf um. Für Kurzsichtige können sie eine echte Alternative sein. Von Dauer ist der Effekt aber nicht.

Frau bei der Untersuchung beim Optiker, Symbolfoto
Wer Ortho-K-Linsen tragen will, muss zunächst die Augen genau untersuchen lassen. Bildrechte: imago/Westend61

Was sind Ortho-K-Linsen?

Die orthokeratologische Kontaktlinse - kurz Ortho-K-Linse - wird über Nacht eingesetzt und wirkt im Schlaf. Idealerweise über sechs bis acht Stunden formt sie mit leichtem, aber gezieltem Druck die Hornhaut um. Der Effekt: Die Formveränderung ermöglicht schärferes Sehen ohne Brille und Co. Das klappt bei leichter bis mittelschwerer Kurzsichtigkeit und seit einigen Jahren auch bei leichter Weitsichtigkeit.

Eine junge blonde Frau schläft
Die Ortho-K-Linsen sind Nachtlinsen - sie wirken, während wir schlafen. Bildrechte: IMAGO

Je nachdem, wie stark die ausfällt, kann die korrigierende Wirkung bis zu 16 Stunden anhalten, in einigen Fällen sogar länger. Da der Effekt nur vorübergehend ist, müssen die Linsen jede Nacht getragen werden. Ansonsten nimmt die Hornhaut wieder ihren ursprünglichen Zustand an und die alte Fehlsichtigkeit kehrt zurück.

Wer kann sie tragen?

Ortho-K-Linsen können Fehlsichtigkeiten von +2 bis etwa -8,5 Dioptrien und Hornhautverkrümmungen bis zu etwa 2,5 Dioptrien korrigieren. Das hängt aber auch immer von den individuellen Eigenschaften einer jeden Hornhaut ab. Außerdem müssen die Augen gesund sein und genügend Tränenflüssigkeit produzieren. Das ist also nichts für trockene Augen. Auch für Diabetiker und Rheumatiker sind die Nachtlinsen ungeeignet.

Optiker setzt Mädchen Kontaktlinse ein.
Auch Kinder können Ortho-K-Linsen tragen. Bildrechte: imago/Westend61

Sind die Voraussetzungen erfüllt, können Erwachsene und Kinder die Nachtlinsen anwenden. Über den Einzelfall muss aber ein Kontaktlinsenexperte entscheiden. Bei Kindern können die Linsen bewirken, dass die Kurzsichtigkeit langsamer voranschreitet oder sogar auf dem gleichen Stand bleibt.

Wie sind die Linsen zu pflegen?

Die Linsen müssen vor dem Einsetzen und nach dem Herausnehmen mit Kochsalzlösung abgespült werden. Aufbewahrt werden sie in Desinfektionslösung. Grobe Verschmutzungen können mit einer schäumenden Waschlösung entfernt werden. Einmal pro Woche müssen die Linsen in einem speziellem Enzymbad gereinigt werden. Das beseitigt Proteinablagerungen, die sich durch den Tränenfilm ansammeln.

Welche Nachteile gibt es?

Bis sich die Augen an die Nutzung der Ortho-K-Linsen gewöhnt haben, kann es bis zu einer Woche dauern. Selbst dann ist der Effekt immer noch vorrübergehend. Die elastische Hornhaut lässt sich zwar verformen, bildet sich aber nach einigen Stunden bis maximal zwei Tagen komplett in ihre Ursprungsform zurück.

Das bedeutet zum einen, dass die Linsen konsequent getragen werden müssen und zum anderen, dass die Kurzsichtigkeit nach den 16 Stunden langsam wieder zunimmt. Wer also nach dieser Zeit noch Auto fährt, riskiert, nicht mehr die volle Sehfähigkeit zu haben.

Tipp: Angepasste Sehhilfe nötig Zur Sicherheit sollte man immer Sehhilfen mit geeigneter Stärke dabeihaben. Die "alte" Brille kann da unter Umständen aber zu stark sein.

Verkehr auf der Autobahn bei Sonnenuntergang und einem Nebelfeld.
Manche Nachtlinsen-Träger haben gerade nachts Probleme mit der Wahrnehmung von Lichtquellen. Bildrechte: IMAGO

Wird die Hornhautoberfläche verformt, verändert das die Brechung. Dabei kann es vorkommen, dass Anwender Lichtkreise um Lichtquellen herum wahrnehmen. Dadurch kann es zu Beeinträchtigungen im Straßenverkehr kommen. Patienten sollten solche Probleme deshalb immer zeitnah mit ihrem Arzt oder Kontaktlinsenanpasser besprechen. Üblicherweise treten diese aber nur in der Eingewöhnungsphase, also der ersten Woche auf.

Wichtig: Regelmäßige Kontrolle Träger sollten alle drei Monate zur Kontrolle bei ihrem Augenarzt oder Kontaktlinsenanpasser. Dabei wird überprüft, ob die Linsen richtig sitzen und wie die Hornhaut verformt wird.

Wie teuer sind Ortho-K-Linsen?

Die Linsen kosten im Schnitt zwischen 600 und 900 Euro. Hinzu kommen etwa 150 Euro jährlich für spezielle Pflegemittel. Für die ersten Tage stellt der Optiker oder Augenarzt außerdem Tageslinsen in absteigender Stärke bereit. Nach etwa einem Jahr müssen die Linsen ausgetauscht werden. Die neuen Nachtlinsen können dann etwas günstiger ausfallen.

Tipp: Zusatzversicherung für Teilerstattung Die Kosten von Nachtlinsen werden nicht durch die gesetzliche Krankenkasse gedeckt. Mit einer Zusatzversicherung ist aber eine Teilerstattung möglich.

Mann bei Untersuchung der Augen beim Optiker
Die Augen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Bildrechte: MDR

Gerade online finden sich immer mal wieder auch günstigere Angebote. Nachtlinsen sollten aber bei einem Kontaktlinsenspezialisten mit Orthokeratologie-Zertifikat gekauft werden. Schließlich müssen die Augen zunächst genau untersucht werden, ob sie überhaupt für die Linsen geeignet sind. Und auch die Anpassung dauert mehrere Tage und muss streng unter der Kontrolle des Optikers oder Augenarztes erfolgen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. Februar 2021 | 21:00 Uhr

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