Arztbesuche Herzbeschwerden ernst nehmen - Behandlung während Corona-Zeiten nicht schleifen lassen

Manche Patienten verschieben in der Corona-Zeit ihre Arzttermine oder meiden selbst bei Herz-Notfällen die Notaufnahme. Mit fatalen Folgen!

"Ein krankes Herz kann niemals warten", warnen deshalb die Deutsche Herzstiftung, die Europäische und Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Denn trotz Corona-Zeit sollten Herz-Patienten die Warnsignale ihres Herzens nicht ignorieren. Doch mit der dritten Corona-Welle befürchten Herzspezialisten, dass in den kommenden Wochen der Pandemie Herzkranke mit akuten Herzbeschwerden wieder Kliniken und Praxen meiden könnten. Schon im ersten Lockdown hatte sich das gezeigt: Menschen scheuten bei Verdacht auf Herzinfarkt und anderen Herzbeschwerden den lebensrettenden Notruf 112 oder den Weg in die Notfallambulanz, aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 oder wegen befürchteter pandemiebedingter Kapazitätsengpässe in den Kliniken.

So sank im März und April 2020 die Zahl der Aktivitäten in den Katheter-Laboren deutlich und auch die Todesfälle wegen Herzkrankheiten nahmen zu. Die Deutsche Herzstiftung hat Daten ausgewertet, die zeigen, was mit Patienten durch sogenannte elektive Eingriffe passierte (geplante, aber dann verschobene OPs - wie Aortenklappenersatz durch Katheter). Sie stellten fest: 35 Prozent dieser Patienten hatten innerhalb von drei Monaten ein "kardiales Ereignis“ erlitten und knapp fünf Prozent verstarben sogar innerhalb von drei Monaten, weil ihr Eingriff wegen überlasteter Krankenhäuser verschoben wurde oder es die Sorge gab, die Krankenhäuser mit diesen Patienten zu überlasten.

Rettungssanitäter bringen 2009 einen Mann, der einen Notfallpatient darstellen soll, in die Zentrale Notaufnahme Altona.
Manche Krankenhausaufenthalte sollten lieber nicht verschoben werden Bildrechte: dpa

Schnelle Hilfe

"Mit jeder Minute, die man mit Symptomen eines Herzinfarkts abwartet ohne den Notarzt unter der 112 zu alarmieren und den Herzinfarkt sofort medizinisch versorgen zu lassen, verlässt man das optimale Zeitfenster für eine Behandlung des Herzinfarkts in der Klinik“, sagen die Experten.

Wann man in jedem Fall Hilfe holen sollte (Rettungsdienst 112):

  • Bei Vorboten des Herzinfarktes (wie Brustschmerz bei zum Beispiel minimaler Belastung oder bei Ruhe - Anzeichen von Brustenge (Angina pectoris))
  • Bei starken Schmerzen und Druckgefühl im Brustkorb, der länger als fünf Minuten dauert, teilweise auch hinter dem Brustkorb (Schmerzen, die in Rücken oder Oberbauch ausstrahlen oder Hals und Arme, Hals, Kiefer, Schulterblätter)
  • Bei massivem Engegefühl im Brustkorb (Gefühl, als würde ein Elefant auf der Brust stehen)
  • Bei heftigem Brennen im Brustkorb
  • Bei Angstschweiß mit kalter, fahler Haut
  • Bei Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch (besonders für Frauen wichtig, die diese Beschwerden sonst nicht kennen - bei Frauen können Herzinfarkt-Anzeichen recht unspezifisch sein)


Laut Herzstiftung treten bei etwa der Hälfte der Herzinfakt-Patientn Symptome einen bis zwei Tage vor dem eigentlichen Herzinfarkt auf. Die Betroffenen berichten über kurze Phase von Brustkorb-Enge und Brennen hinter dem Brustbein bei Ruhe oder leichter Belastung, oder in der Nacht, verbunden mit Aufwachen.

Wann man zum Hausarzt/Internisten/Kardiologen sollte:

  • Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina pectoris) und/oder Luftnot
  • Nächtliches Erwachen mit Druck im Brustkorb
  • Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
  • Hartnäckiges Herzstolpern
  • Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen) 
  • Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten


Bei diesen Warnzeichen können Experten abklären, ob etwa eine Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit (Grunderkrankung des Herzinfarkts), oder anderer Herzerkrankungen wie Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Atemnot und Leistungsschwäche sind typische Symptome für eine Herzschwäche oder eine Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder Vorhofflimmern. Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein. 

Ein Mann mit einem Defibrillator in Händen
Ein Mann mit einem Defibrillator in Händen Bildrechte: Colourbox.de

Herzen leiden unter Corona

Herzpatienten können auf verschiedene Weise unter Corona leiden. Zum einen - in dem sie nicht zur Vorsorge oder in die Klinik gehen (siehe oben) oder auch, wenn sie direkt an Covid19 erkranken. Wie riskant eine COVID-19-Ansteckung bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Es gibt noch keine zuverlässigen Daten, welche Auswirkungen Art und Schweregrad der Vorschädigung haben. Herz-Experten schätzen aber, dass bei fünf bis zehn Prozent der Corona-Patienten das Virus direkt auch das Herz befällt - wenn etwa das Virus die Herzkranzgefäße angreift. Eher selten ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) möglich.

Herzinfarkt
Animation zeigt einen Herzinfarkt Bildrechte: imago/Science Photo Library

Viel häufiger allerdings löst Covid19 eine massive Entzündung im Körper aus, die dann auch das Herz schädigen kann. Autopsien zeigten, dass in vielen Fällen nicht ein klassischer Herzinfarkt mit einem Verschluss eines großen Herzkranzgefäßes tödlich war, sondern kleine Mikroinfarkte auftraten - die Folge von kleinen Mikrothrombosen der kleinen Herzkranzgefäße. Wer unter Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz leidet, hat nach aktuellen Erkenntnissen ein doppelt so hohes Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf und ein höheres Risiko die Corona-Infektion nicht zu überleben.

Krankenschwester Susanne Kugel bereitet eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca vor.
Corona-Impfung wird für Herzpatienten empfohlen. Bildrechte: dpa

Impfung gegen Corona für Herzpatienten

Die Herzstiftung rät ihren Patienten deshalb dringend zur Corona-Impfung. Die Experten gehen davon aus, dass eine Impfung der einzig effektive Schutz vor einem schweren Verlauf ist, der das Herz (weiter) schädigt. In einer Pressekonferenz erklärte die Herzstiftung, sie sei "sehr enttäuscht über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in Deutschland, dass Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen derzeit immer noch in der Priorisierungsgruppe 3 eingeteilt sind.“ Sie kündigte an, "dafür zu kämpfen, dass sich das ändert“, denn "die Herzpatienten können ihr Herz nicht warten lassen“.

Zurzeit sind viele Fragen etwa zur Dauer des Impf-Schutzes noch offen, oder zur Übertragung von Corona trotz Impfung. Die Deutsche Herzstiftung steht nach eigenen Angaben hier im engen Austausch mit Experten, um wichtigste Fragen rund um die Corona-Impfung speziell für Herz-Kreislauf-Patienten beantworten zu können.

Infos zum Experten Die Deutsche Herzstiftung e. V. ist heute die größte, gemeinnützige, unabhängige Anlaufstelle für Patienten und Interessierte im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 14. April 2021 | 11:10 Uhr

Mehr Gesundheit

Weitere Ratgeber-Themen