Covid19 Corona-Impfung für Kinder – Fragen und Antworten

Während die Impfquote in Deutschland immer weiter steigt und über Rechte für Geimpfte diskutiert wird, bleibt eine Gruppe davon bisher völlig unberührt: Kinder. Denn bisher gibt es keine zugelassenen Impfstoffe für alle, die jünger als 16 Jahre sind. Doch ab wann kann man mit ersten Impfstoffen für Kinder rechnen? Wo liegen die Besonderheiten? Und was ist mit dem Sommerurlaub – wenn die Eltern beispielsweise geimpft sind, aber die Kinder nicht?

Ein Kind bekommt eine Spritze
Wenn es eine Freigabe für Corona-Impfstoffe für Kinder gibt, sollten Kinder dann auch beim Kinderarzt geimpft werden, so Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus. Bildrechte: Colourbox.de

Das MDR Magazin "Hauptsache Gesund" hat mit zwei Experten über Fragen rund um Corona-Impfungen für Kinder gesprochen: Mit der Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. und mit Dr. Burkhard Rodeck von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Wie ist derzeit die Impf-Situation bei Kindern?

Dr. Ahaus: Bisher können Kinder bzw. Jugendliche ab 16 Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft werden. Dies wird tatsächlich auch schon gemacht, für chronisch kranke Jugendliche bzw. deren Geschwisterkinder. Eine Zulassung für Kinder ab zwölf Jahren wird ggf. schon ab Juni erwartet. 

Wovon hängt eine Zulassung ab?

Dr. Rodeck: Bei allen Zulassungen von Arzneimitteln im Kindes- und Jugendalter müssen Daten zur Sicherheit, Wirksamkeit und Dosisfindung bei Kindern und Jugendlichen vorgelegt werden. Originaldaten werden der Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zu Verfügung gestellt und dort überprüft. Aktuell wissen wir aus Pressemeldungen von Biontech/Pfizer, dass erste Ergebnisse einer Zulassungsstudie bei 2.300 Kindern (12-15 Jahre) vorliegen. Die Detail-Bewertung dieser Studie durch die EMA und in der Folge durch das Paul Ehrlich Institut muss nun abgewartet werden. Sollten Zulassungen erfolgen, wird die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts ggf. eine Änderung der Impfempfehlung vornehmen.

Gibt es besondere Herausforderungen beim Thema Covid-Impfung bei Kindern?

Dr. Ahaus: Wir Kinderärzte begrüßen grundsätzlich jede Impfung sehr, da wir natürlich froh sind, wenn wir unsere Patienten vor gefährlichen Krankheiten schützen können. Nun wissen wir inzwischen, dass v.a. jüngere Kinder kaum von Covid-19 betroffen sind, so dass sich natürlich die Frage stellt, ob man aus ethischen Gründen eine Impfung bei jüngeren Kindern jetzt schon vertreten kann oder ob man noch abwarten sollte, bis all die Bevölkerungsgruppen geimpft sind, die auch wirklich von der Krankheit betroffen sind.

Was für eine Bedeutung hat die Impfung konkret für Kinder?

Dr. Ahaus: Uns Kinderärzten ist allerdings sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen so schnell wie möglich ihre Grundrechte wiedererlangen, sprich Kindergärten, Schulen, Sportstätten und sonstige soziale Einrichtungen wieder komplett geöffnet sind und ein normaler Alltag (ohne Distanz und sonstige Einschränkungen) stattfinden kann. Da bei der Frage nach Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich immer nach "Haushaltsangehörigen über oder unter 14 Jahren" unterschieden wird, wäre es z.B. sinnvoll, möglichst schnell alle Kinder ab 14 Jahren zu impfen. 

Wie würde das Impfen von Kindern durchgeführt – gibt es auch da eventuell Pläne zu Impfzentren oder wird diese Aufgabe den Kinderärztinnen und -ärzten zukommen?

Dr. Rodeck: Es ist realistisch, dass (nach der Zulassung im Sommer, Anm. d. Red.) im Herbst 2021 Impfungen bei Kindern ab zwölf Jahren zur Verfügung stehen. Bei zunehmender Durchimpfung der Bevölkerung gehen wir davon aus, dass die Impfungen dann von niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten durchgeführt werden.

Dr. Ahaus: Sinnvollerweise werden die Impfungen beim Kinderarzt durchgeführt, denn das ist ja unser täglich Brot. Wir sind bestens räumlich und logistisch ausgestattet und wir kennen unsere Patienten und deren Vorgeschichte bzw. die Familien. Außerdem können wir auf die besonderen Bedürfnisse kleiner und ängstlicher Kinder eingehen. 

Rechtsexperte: kein Anspruch auf Urlaub mit ungeimpften Kindern!

Für Kinder wird also wohl erst nach dem Sommer ein zugelassener Impfstoff zur Verfügung stehen. Einige Länder haben in Aussicht gestellt, eine Covid-19-Impfung für die Einreise oder die Beherbergung verpflichtend zu machen.

Was passiert nun, wenn geimpfte Eltern mit ungeimpften Kindern in solchen Ländern Urlaub machen wollen? Gilbert Häfner, Rechtsexperte und ehemaliger Präsident des Oberlandesgerichts in Dresden, meint dazu: "Die Länder haben das Recht, solche Regeln aufzustellen. Wenn einige in der Familie bereits geimpft sind, andere aber nicht (so auch Kinder), dann ist das eine der vielen Einschränkungen, die sie gemeinsam tragen müssen. Rechtlich gibt es für geimpfte Eltern keinen Anspruch, mit ungeimpften Kindern irgendwo Urlaub machen zu dürfen."

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 06. Mai 2021 | 21:00 Uhr

Mehr Gesundheit

Weitere Ratgeber-Themen