Antivirale Wirkung Mit Kaugummi gegen Corona-Viren?

Bereits der zweite Hersteller bringt nun einen Kaugummi auf den Markt, der die Virenlast im Nasen-Rachenraum verringert. Die Wirkung des registrierten Medizinprodukts halte etwa 120 Minuten an. Doch sollte klar sein: Ein ausreichender Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus ist es natürlich nicht.

Kaugummi
"Die Kaubewegungen in Verbindung mit der Bildung von Speichel, setzen die ätherische Öle frei und zwar bis in die Nase hinein", erklärt Prof. Pfab die Wirkweise des Kaugummis. Bildrechte: Colourbox.de

"Covidgum" werde laut Hersteller in Kürze "in einigen ausgewählten Apotheken und online" zu haben sein. Das Kaugummi enthält unter anderem Pfefferminzöl, Ingweröl, Zimtöl und – in hochkonzentrierter Form – Zitronenöl. Ein weiterer Bestandteil ist Spermidin. Dieses Eiweiß kommt in allen lebenden Zellen vor und ist auch in Weizenkeimextrakt vorhanden. Versuche an der Charité Berlin hatten gezeigt, dass Spermidin neben anderen gesundheitsfördernden Effekten auch eine antivirale Wirkung hat.

Kaugummi besser als Gurgeln?

Warum Kaugummi kauen praktikabler sei als Gurgeln, erklärt der Sportmediziner Prof. Pfab so: "Eine Mundspüllösung gurgelt man für 30 Sekunden bis maximal einer Minute. Grundsätzlich desinfiziert man damit den Mund-und Rachenraum. Aber man kann nicht atmen, während man gurgelt."

Darum würden viele Menschen das Kaugummi kauen angenehmer finden, als das Gurgeln. Es habe auch einen zusätzlichen Effekt: "Einen Kaugummi habe ich wesentlich länger im Mund, als die Gurgellösung. Die Kaubewegungen in Verbindung mit der Bildung von Speichel, setzen die ätherische Öle frei und zwar bis in die Nase hinein", beschreibt der Dermatologe und Sportmediziner die Wirkweise.

Eine Pilotstudie mit dem neuartigen Kaugummi zeigt "eine Tendenz, die Virusmenge in der Ausatemluft von an Covid-19 erkrankten Patienten zu reduzieren, so dass eine solche Anwendung […] sinnvoll erscheinen kann", heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Die Wirkung hält etwa 120 Minuten an: "Ungefähr so lange, wie ein Fußballspiel" meint der Mannschaftsarzt lächelnd.

Der Weg der Erreger Symptome wie Halsschmerzen, Schnupfen und Husten treten in der Regel nacheinander auf. Der Grund: Erreger von Atemwegserkrankungen gelangen aus der Luft zuerst auf die Mund- und Nasenschleimhaut und setzen sich dort fest. Erst in der zweiten Phase der Infektion gelangt ein Teil der Erreger über die Luftröhre in die Bronchien. Husten ist der Versuch des Organismus, sie dort wieder los zu werden. Nur ist es dann oft zu spät, weil sich die Erreger von der Lunge aus über den gesamten Organismus ausbreiten können. Ein simpler Ablauf, der für alle Atemwegserkrankungen gilt, auch für Erreger von SARS-CoV-2.

Hürden bis zur Herstellung

Der Erfinder des "Covidgum" ist Prof. Florian Pfab, unter anderem Leiter der medizinischen Abteilung des Fußballclubs "Eintracht Frankfurt". Er war im Juni 2020 an Corona erkrankt. Die Zeit in Quarantäne nutzte der Dermatologe und Sportmediziner zur Intenetrecherche. Er fand zahlreiche Studien über die antiseptische Wirkung natürlicher Substanzen und stellte sich die Frage: Wie kann man einer breiten Masse diese Stoffe auf eine bequeme Art zugänglich machen? So entstand die Idee, ein Kaugummi zu entwickeln.

Doch es sollte sich als etwas schwierig herausstellen, die Idee in die Tat umzusetzen. Alle Welt hoffte auf "Rettung" durch Big Pharma und seine neuesten biologischen Waffen. Ein Nischenprodukt aus ätherischen Ölen konnte da eher ein Lächeln hervorrufen. Immerhin hatte der Erfinder eine effektive Wirkformel entwickelt und bereits ein Patent darauf angemeldet. Er fand Unternehmer, die mit ihm das Startup Clevergum gründeten und die Finanzierung sicherstellten. Neben Kaugummi-Multi Wrigley's lehnten weltweit auch zahlreiche andere Hersteller eine Zusammenarbeit ab, da sie bezweifelten, den "Covidgum" realisieren zu können. Nur ein Pharmaproduzent in Bulgarien war bereit und in der Lage, das neue Produkt herzustellen.

Zweiter Kaugummi seit April schon auf dem Markt

Bereits seit April dieses Jahres ist der antivirale Kaugummi: "GoBeDo" erhältlich. Er wird als "Immun Booster" beworben und wurde vom Biochemiker Dr. Joachim Bender, im nordfriesischen Ort Haselund entwickelt. Er setzt auf den Wirkstoff Chitosan, der durch chemische Veränderung von Chitin entsteht. Dieser Mehrfachzucker kommt in Zellwänden von Pilzen und Schalentieren vor.

Chitosan blockiere die Fähigkeit von Viren, sich in der Mund-, Rachen - und Nasenhöhle zu vermehren, erklärt der Hersteller. Dieser Effekt halte etwa eine Stunde an. Beides hatte der Immunologe Dr. Karl Skriner, an der Charité Berlin, im Labor an menschlichen Zellen ermittelt. Dieses vor allem im englischen Sprachraum aufwändig beworbene Produkt enthält – genau wie sein "jüngerer Bruder Covidgum" Zink als Zusatzstoff.

Wissenschaft prüft Hausmittel Gurgeln

"Wehret den Anfängen", hieß ein weiser Spruch unser Großeltern. In Bezug auf Krankheitserreger, die sich durch Tröpfcheninfektion verbreiten, bedeutete das: Gurgeln. Mehrmals täglich. Dazu wurden Salzlösungen, Kräuteraufgüsse, zum Beispiel von Thymian oder desinfizierende Chemikalien, wie Kaliumpermanganat verwendet. Das Ziel war, die Anzahl der Erreger im Mund und im Rachen zu reduzieren. Denn: Gelangt nur ein geringer Anteil der Erreger in die tieferen Atemwege, ist die Chance für das körpereigene Immunsystem größer, sie erfolgreich zu bekämpfen. Der oft so quälende Husten muss dann gar nicht erst auftreten.

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien die nachgewiesen haben, dass solche bewährten Hausmittel tatsächlich signifikante Wirkung zeigen. Das "Journal of Medical Virology" veröffentlichte schon im September 2020 eine Untersuchung mit überraschendem Ergebnis: "Mehrere frei verkäufliche Gurgelprodukte [...] zeigten signifikante viruzide Eigenschaften in Bezug auf das humane Coronavirus. Sie waren bei der Inaktivierung infektiöser Viren mit mehr als 99,9 %, selbst bei einer Kontaktzeit von 30 Sekunden hochwirksam", schreiben die Autoren der Studie Craig Meyers, Richard Robinson (und weitere). Der Titel: "Lowering the transmission and spread of human coronavirus". Andere Studien wiesen die antivirale Wirkung von Povidone -Jod (auch als "Betaisodona" bekannt) und verschiedenen ätherischen Ölen nach.

Fragen und Antworten zu Corona

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. November 2021 | 21:00 Uhr

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