Videobeweis Online-Selbsttests als Alternative zu Testzentren?

Ein Abend im Kino, der Gang ins Fußballstadion oder der spontane Restaurantbesuch: Vielerorts braucht man dafür einen negativen Corona-Test, wenn man nicht geimpft oder genesen ist. Statt in eins der Testzentren zu gehen, bieten Unternehmen seit kurzem sogenannte Online-Selbsttests an. Doch überall anerkannt werden solche video-überwachten Tests nicht: Man kann damit aus manchen Ländern nach Deutschland einreisen, hierzulande ins Kino kommt man damit aber nicht.

Mann hält Smartphone, das Selfie auf den Bildschirm zeigt.
Per Kamera am Smartphone oder Laptop muss der Online-Test festgehalten werden. Bildrechte: Colourbox.de

Das Prinzip der Online-Tests ist simpel: Man besorgt sich einen zugelassenen Selbsttest und benutzt den dann vor einer Handy- oder PC-Kamera. Geschulte Menschen, versprechen die Unternehmen, schauen sich das an, kontrollieren, ob alles in Ordnung und der Test negativ war – und senden dann das Testzertifikat zu.

Zweierlei Maß bei Anerkennung im Reiseverkehr

Angeboten werden die Tests beispielsweise von Coteon, Freetogo oder Testifly. Mehrere deutsche Firmen nutzen nach ihren Angaben den neuen Service bereits, unter anderem die Lufthansa. Spannend ist, wofür – denn eine Unternehmenssprecherin bestätigt dem MDR Gesundheitsmagazin "Hauptsache Gesund" auf Anfrage: "Zertifikate werden für die Einreise nach Deutschland, Österreich und die USA anerkannt."

Zertifikate werden für die Einreise nach Deutschland, Österreich und die USA anerkannt.

Unternehmenssprecherin der Lufthansa

Anders sieht es innerhalb von Deutschland aus, wie eine weitere Anfrage beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) ergibt. "Die Erstellung eines Testnachweises im Sinne der COVID-19 Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung scheidet bei einer videoüberwachten Selbsttestung aus", erklärt Pressesprecherin Anja Stenger.

Knackpunkt: Recht des Abreiselandes gilt

Wenn man sich im Ausland online testet und dann einreist, dann wird der Nachweis anerkannt? Wenn man sich jedoch in Deutschland selbst videoüberwacht testet, dann kommt man weder ins Kino noch ins Restaurant? Genau das, denn das BMG räumt ein: "Im Ausland ausgestellte Testnachweise werden bei der Einreise nach Deutschland als Testnachweis anerkannt, wenn die zugrundeliegende Testung von einer nach dem Recht des jeweiligen Staates befugten Stelle vorgenommen oder überwacht wurde." Im Klartext heißt das: Weil es nach dem Recht des Staates geht, aus dem man abreist, wird ein vergleichsweise hohes Corona-Risiko (Einreise aus dem Ausland) toleriert, ein vergleichsweise kleines Corona-Risiko (Kino) dagegen nicht.

Experten: Zweifel an richtiger Selbsttest-Durchführung

Doch was sagen Mediziner zu den neuen Online-Selbsttests? "Es bestehen bei der Durchführung der Schnelltests eine Reihe von Fehlermöglichkeiten", sagt Prof. Uwe Gerd Liebert, ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig. Er glaube kaum, dass in allen Fällen genau gesehen werden könne, wie tief beispielsweise das Stäbchen eingeführt würde und ob genug Material von der Schleimhaut auf das Stäbchen gelange, begründet Liebert. Das sei aber entscheidend für das richtige Testergebnis.

Bei richtiger Anwendung: "Wichtiger Schritt in richtige Richtung"

Prof. Prof. Dr. med. Mathias Pletz, Infektiologe und Institutsleiter vom Universitätsklinikum Jena, stimmt dem absolut zu und ergänzt: "Wenn eine sichere Kontrolle gegeben ist, dann sind solche Tests ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung." Diese dezentrale, digitale Form der Selbsttestung könne seiner Meinung nach dazu beitragen, bei korrekter Anwendung die Infektionsgefahr zu reduzieren, etwa, indem man sich nicht der Gefahr der Ansteckung in einem Testzentrum oder im Wartezimmer aussetzt oder eben dort andere ansteckt. 

Keine Vergütung für Online-Tests

Selbsttests werden derzeit in Deutschland nur unter Kontrolle vor Ort akzeptiert. Die überwachende Person könne laut Bundesgesundheitsministerium beispielsweise "die Gründlichkeit der Abstrichentnahme genau verfolgen, bei Bedarf unmittelbar korrigierend einschreiten und so eine ordnungsgemäße Durchführung der Testung gewährleisten." Eine videoüberwachte Testung schränke das jedoch ein. Dementsprechend werden videoüberwachte Selbsttestungen für diejenigen, die einen Anspruch auf einen kostenlosen Test hätten, weil es für sie keine Impfempfehlung gibt, auch nicht vergütet.

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. Oktober 2021 | 21:00 Uhr

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