Neuinfektionen Was bei Corona-Verdacht zu tun ist

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Mitteldeutschland ist hoch wie nie zuvor. Immer häufiger fallen Selbsttests positiv aus, rote Meldungen in der Warn-App sind alltäglich geworden. Eine häufige Reaktion ist Verunsicherung: An wen kann ich mich wenden, um das Ergebnis zu bestätigen? Welche Einrichtungen darf ich noch betreten? Und wann muss ich mich isolieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Eine Mitarbeiterin im Corona-Testzentrum der SG Dynamo Dresden wertet einen Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus aus.
Eine Mitarbeiterin wertet einen Schnelltest im Testzentrum des SG Dynamo Dresden aus: In ganz Mitteldeutschland steigen die Corona-Fallzahlen rasant. Bildrechte: dpa

Zu den häufigsten Symptomen bei einer Corona-Infektion gehören Verlust des Geschmackssinns, trockener Reizhusten und Kurzatmigkeit sowie klassische Erkältungssymptome wie Fieber, Schnupfen und Gliederschmerzen.

Wer eines oder mehrere dieser Symptome verspürt, sollte nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zunächst vor allem eines tun: zu Hause bleiben. Das gilt auch bei leichten Erkältungssymptomen. Anschließend sollte der eigene Hausarzt kontaktiert werden. Wer keinen Hausarzt hat oder außerhalb der Sprechzeiten Symptome verspürt, kann die Nummer des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes wählen: 116 117. Bei entsprechenden Symptomen wird der Arzt einen kostenlosen PCR-Test anordnen.

In der alltäglichen Praxis nehmen viele Menschen mit Symptomen nicht direkt Kontakt zu Arzt und Behörden auf, sondern führen zuerst einen Selbsttest mit einem Testkit aus dem Einzelhandel durch. Wichtig: Die kostenlosen Bürgertests in kommunalen oder privaten Testzentren dürfen nur von Personen ohne Symptome genutzt werden – die Testzentren würden sonst zu Infektionsherden werden.

Aus statistischen Gründen ist in Zeiten hoher Infektionszahlen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schnelltest falsch-positiv ausfällt, grundsätzlich geringer. Dennoch gilt weiterhin: Erst ein positiver PCR-Test bestätigt die Diagnose Corona offiziell. Der PCR-Test weist nicht Corona-Antigene, sondern das Erbmaterial des Virus nach.

Für Patienten mit positivem Schnelltest – egal ob symptomatisch oder nicht – ist der PCR-Test kostenlos. Im Alltag stehen Patienten aber teils vor dem Problem, dass der eigene Hausarzt keine PCR-Tests durchführt. Auch die kommunalen Testzentren dürfen nur symptomfrei betreten werden. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) teilte MDR AKTUELL mehrere Möglichkeiten für den Fall mit, dass beim Hausarzt kein PCR-Test möglich ist:

  • Viele Ärzte, die selbst nicht testen, besitzen Listen mit anderen Arztpraxen in der Umgebung, die PCR-Tests durchführen.
  • Oft führen zudem Gemeinde, Landkreis oder Stadt entsprechende Listen – ein Anruf beim Bürgertelefon hilft weiter.
  • Unter der Servicenummer 116 117 werden per Bandansage allgemeinmedizinische Bereitschaftsdienste in der Umgebung genannt. Eine persönliche Beratung ist ebenfalls möglich, stichprobenartige Anrufe von MDR AKTUELL zeigten jedoch: Die Hotline ist oft überlastet.

Auch viele Apotheken bieten PCR-Tests an. Wie andere Testzentren dürfen auch sie keine symptomatischen Patienten testen. Hier gilt es, im Vorfeld mit der Apotheke zu telefonieren oder die Hinweise auf der Website sorgfältig zu lesen. Das Ergebnis des PCR-Tests liegt meist nach spätestens 48 Stunden vor.

"Erhöhtes Risiko": Dieser Hinweis erscheint bei immer mehr Menschen in der Corona-Warn-App. Über 437.000 rote Warnungen wurden in der Woche ab 15. November versendet – in der Woche zuvor waren es nur etwa 310.000 gewesen. Benachrichtigt wird, wer sich über neun Minuten in der Nähe einer einzelnen infizierten Person oder kurzzeitig in der Nähe mehrerer infizierter Personen aufgehalten hat.

Aus einem Hinweis in der Warn-App ergibt sich jedoch keine Verpflichtung zur Kontaktreduktion oder gar Quarantäne. In der App heißt es: "Begeben Sie sich, wenn möglich, nach Hause bzw. bleiben Sie zu Hause". Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) empfiehlt im Gespräch mit MDR AKTUELL ein Telefonat mit dem Hausarzt oder dem Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, um das individuelle Risiko zu ermitteln.

Weithin unbekannt: Aus einer roten Meldung ergibt sich ein grundsätzlicher Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test – auch ohne Symptome. Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums heißt es dazu allerdings einschränkend: "Ein strikter Anspruch auf eine PCR-Testung besteht jedoch nicht, da auch eine Diagnostik durch Antigen-Tests möglich ist."

Das Robert Koch-Institut definiert drei Situationen, die als "enger Kontakt" gelten:

  • Ein Aufenthalt von über zehn Minuten im selben Raum wie die infizierte Person mit wahrscheinlich hoher Konzentration an Aerosolen, unabhängig von Abstand und Maskentragen.
  • Ein Aufenthalt im Freien von über zehn Minuten im Nahfeld (weniger als 1,5 Meter Abstand zur infizierten Person) ohne OP- oder FFP2-Maske.
  • Ein Gespräch im Nahfeld ohne OP- oder FFP2-Maske (oder noch engerer Kontakt wie Küssen), unabhängig von der Dauer.

Als enge Kontaktperson muss nicht in Quarantäne, wer geimpft oder genesen ist. Für alle anderen gilt die Pflicht zur häuslichen Quarantäne für zehn Tage: Die kann per PCR-Test nach fünf oder Antigen-Test nach sieben Tagen abgekürzt werden. Zur engen Kontaktperson wird man durch die "klassische" Nachverfolgung durch das Gesundheitsamt - eine Warnung aus der Corona-Warn-App bedeutet nicht, dass man als enge Kontaktperson gilt.

Grundsätzlich: nein. Das Labor, das den PCR-Test durchführt, ist verpflichtet, das Gesundheitsamt über jedes positive Testergebnis zu informieren. Das Amt nimmt dann Kontakt mit der infizierten Person auf, erstellt eine Liste der Kontaktpersonen und fordert diese auf, sich in häusliche Quarantäne zu begeben.

Allerdings sind die meisten Gesundheitsämter aufgrund der hohen Inzidenzen seit Wochen überfordert. Praktisch heißt das: Einen Anruf erhalten je nach Region oft nur noch die Infizierten selbst – verbunden mit der Bitte, die engen Kontaktpersonen selbständig zu kontaktieren. Je nach Infektionsgeschehen entwickeln die Gesundheitsämter eigene Strategien: Im Landkreis Leipzig etwa konzentriert sich das dortige Amt auf Kontaktpersonen in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. November 2021 | 07:00 Uhr

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