Lungenfibrose Hier kommt der Husten von der Lunge

Wer hustet, bekommt fragende Blicke zugeworfen. Denn es gilt als Symptom für eine Covid-19-Erkrankung. Aber auch wer an Lungenfibrose oder an Mukoviszidose leidet, wird von Hustenattacken begleitet. Wir erklären, warum.

Noch vor einem Jahr war ein leichter Husten für die wenigsten ein Grund zur Sorge. Gerade zur Erkältungszeit im Winter gehörten die laufende Nase, der kratzende Hals oder etwas Husten zum Alltag. Inzwischen hat sich das verändert. Denn wenn ein leichter Husten aufzieht, fragen sich inzwischen die meisten: Ist das schon Corona?

Dabei ist Husten nicht nur das Symptom dieser Viruserkrankung, sondern vieler anderer, teils  nicht ansteckender Krankheiten. Asthma, COPD, Lungenfibrose oder Mukoviszidose. All diese Krankheiten haben als Symptom: Husten. Corona ist für diese Erkrankten dennoch ein Thema, sie müssen aufpassen, dass sie sich nicht zusätzlich damit infizieren. Denn eine vorgeschädigte Lunge scheint auch anfälliger für das Virus zu sein.

Husten und Luftnot als Symptom: Die Lungenfibrose

Bei der Lungenfibrose handelt es sich um eine chronische Entzündung des Lungengewebes, wodurch sich dieses verändert. Einmal entzündet, wird das Lungengewebe schließlich vom Körper in Bindegewebe umgewandelt. Dieses vermehrt sich zwischen den Lungenbläschen und den feinen Blutgefäßen, die den Sauerstoff aus den Lungenbläschen in die Blutbahn leiten. Dieses Bindegewebe verhärtet und vernarbt (fibrosiert) mit der Zeit. Die Folge: eine verminderte Lungenkapazität.

Der Auslöser? Häufig unbekannt!

Für die Lungenfibrose gibt es viele mögliche Ursachen: Allergien, Schadstoffe, Entzündungen im Körper. Allerdings ist nur bei der Hälfte der Patienten klar, was die Vernarbungen auslöst. In einer Computertomographie (CT) allerdings lassen sich die Narben genau identifizieren, sagt Prof. Jens Schreiber, Direktor der Universitätslungenklinik Magdeburg: "Man sieht auf einem Bild der Lunge dann oft Striche; das sind die Narbenstränge, die die Bindegewebsvermehrung darstellen und die das Lungengewebe im Wesentlichen geschädigt und zerstört haben.

Der sogenannte Gasaustausch, das heißt der Transport von Sauerstoff durch die Lungenbläschen wird dadurch eingeschränkt." Hustenreiz und Luftnot sind die Folge. Der Hustenreiz lässt sich mit Medikamenten lindern. Das vernarbte Lungengewebe aber kann nicht regenerieren. Nur der weitere Abbau kann gestoppt werden. Deswegen muss die Lungenfunktion im Krankenhaus regelmäßig überprüft werden.

Mukoviszidose: In Corona-Zeiten vom Busfahrer stehen gelassen

Auch Mukoviszidose gehört zu den Lungenkrankheiten, bei denen Erkrankte viel husten müssen, weil sich ständig zähflüssiger Schleim in der Lunge bildet. Die Krankheit geht auf einen Gendefekt zurück und ist nicht ansteckend. Doch das ständige Husten wird – in Zeiten von Corona – für die Betroffenen zum Problem. Hauptsache Gesund hat sich dazu mit dem Vorsitzenden des Mukoviszidose e.V. , Stephan Kruip, unterhalten. Stephan Kruip ist selber an Mukoviszidose erkrankt.

Interview mit Stephan Kruip, Vorsitzender des Mukoviszidose e.V

In Corona-Zeiten haben viele Angst, sich anzustecken. Werden Sie gemieden, wenn Sie husten müssen?

Stephan Kruip: Wenn Mukoviszidose-Kranke einen Husten-Anfall kriegen, dann klingt das sehr besorgniserregend. Wenn mir in der S-Bahn jemand gegenübersaß, ist es schon vorgekommen, dass derjenige sich dann lieber weggesetzt hat. Das Husten können wir nicht unterdrücken. Seit der Pandemie haben wir durch das Husten schon mehr Probleme, das kann man so sagen. Ein Patient hat mir berichtet, dass er an der Bushaltestelle stand und vor dem Einsteigen nochmal Husten musste. Da machte der Busfahrer die Tür vor seiner Nase zu und meinte, dass er kein Corona im Bus haben möchte. Wir haben jetzt schon T-Shirts gedruckt auf denen steht: "Keine Angst, ich huste, weil ich Mukoviszidose habe" und hoffen, dass die Message ankommt.

Dabei sind Mukoviszidose Patienten ja eigentlich selber Risikopatienten, was eine Corona-Infektion angeht…

Stephan Kruip: Das stimmt, viele sind deswegen seit Beginn der Pandemie auch sehr isoliert und meiden die Öffentlichkeit, wann immer es geht, aus Selbstschutz. Statistisch scheinen wir gar nicht so sehr betroffen. Das liegt allerdings am Alter, weil fast kein Mukoviszidose-Patienten älter als 60 Jahre wird. Wenn man sich z.B. die 30-Jährigen anschaut, dann hat ein 30-Jähriger mit Mukoviszidose ein deutlich höheres Risiko, schwer an Corona zu erkranken, als ein 30-Jähriger ohne Vorerkrankung.

Ist diese Pandemie ein "Worst-Case-Szenario" für Mukoviszidose Erkrankte?

Stephan Kruip: Natürlich müssen wir uns besonders gut vor diesem Virus schützen. Allerdings mussten wir schon immer besonders auf Infektionsschutz achten, auch vor Grippe oder anderen Viren, die für uns einfach sehr gefährlich sind. Deswegen profitieren wir davon, dass jetzt die Bevölkerung allgemein sehr auf Hygiene achtet. Wenn ich früher auf Tagungen keine Hände geschüttelt habe, ist das oft auf Unverständnis gestoßen. Das hat sich jetzt auf jeden Fall geändert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. Januar 2021 | 21:00 Uhr

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