Schnell, aber dennoch sicher testen Leipziger Forscher entwickeln mobiles Labor für PCR-Test 

Corona-Schnelltests für Jedermann basieren auf einem Antigen-Nachweis. PCR-Tests gelten als viel sicherer, sind aber aufwendiger. Leipziger Forscher bieten nun viel Zeitersparnis mit dem mobilen Labor für Gurgel-PCR-Tests.

Drei Plastebehältnisse mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten
Das Ergebnis ist nach dem Test anhand der Farbe ablesbar. Mit der Anzahl der Viren sinkt auch der Rotanteil. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Corona-Tests für "Laien" zugelassen und die ersten Discounter haben schon geordert. Unter Medizinern sind diese Antigen-Schnelltests jedoch umstritten, weil sie weniger sensibel reagieren als die PCR-Testung. Doch diese ist bisher an eine Analyse im Labor gebunden und damit aufwendig. Dank der Kooperation des Leipziger Max-Planck-Institutes und dem Klinikum St Georg ist es nun gelungen, die Vorteile der PCR- mit den Vorteilen der Soforttestung zu verbinden. Der PCR-Test ist sicherer und aussagekräftiger als eine Schnelltestung über Antigentest. Bisher konnte die Auswertung der PCR-Testung nur in einem Labor erfolgen und dauerte dadurch länger. Mit der neuen Methode jedoch kommt das Labor zur Testperson und die Auswertung erfolgt vor Ort. Die mobile Variante der Leipziger ist deshalb sicher wie ein herkömmlicher PCR-Test und gleichzeitig auch noch angenehmer, da er über Gurgeln funktioniert.

Warum die Laientests eine trügerische Sicherheit vermitteln und was hinter dem Ansatz der Leipziger Forscher steckt, darüber hat "Hauptsache Gesund" mit Dr. Stephan Borte, Chefarzt für Labormedizin am Klinikum St. Georg in Leipzig, gesprochen.   

Interview mit Labormediziner Dr. Stephan Borte über die Vorteile des mobilen PCR-Labores

Dr. Borte, wie kam es dazu, dass Sie zusammen mit Prof. Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut ein neues Testverfahren entwickeln wollten?

Dr. Borte: Die Idee kam daher, dass wir gesagt haben, es muss eine einfach zu verfahrene Probenentnahme geben. Eine, die jeder durchführen kann, unabhängig vom Alter und vom Grad der medizinischen Vorbildung.

Wo liegt der Vorteil zu Schnelltests, wie beispielsweise zum Spucktest?

Dr. Borte: Was wir am neuen Gurgel-Test etabliert haben, deckt erst einmal viele Bereiche im Mund ab. Das heißt, dort, wo sich das Coronavirus auch gerne vermehrt, wie am Rachenring, vielleicht auch an der Rachenhinterwand, können wir Material mit dem Rachenspülwasser entnehmen. Und das ist beim Spucktest vielleicht auch nicht immer so gegeben. Da wird der eigene Speichel auch in der vorderen Mundkammer gebildet und freigegeben. Man darf das aber auch nicht verteufeln. Ich denke, beides hat seine Berechtigung. Und sicherlich werden diese Antigen-Schnelltests zum Spucken auch irgendwann bei einem Entwicklungsgrad ankommen, dass wir sie gut einsetzen können.

Labormediziner, ( Dr. Stephan Borte, Chefarzt für Labormedizin am Klinikum St Georg in Leipzig)
Dr. Stephan Borte ist Chefarzt für Labormedizin am Klinikum St. Georg in Leipzig. Bildrechte: MDR/Hauptsache Gesund

Wo sehen Sie den Gurgeltest in der Praxis als durchführbar?

Dr. Borte: Ich sehe den Anwendungsbereich eher in solchen Einrichtungen, wo mehrere Testungen vielleicht auch zur gleichen Zeit durchgeführt werden sollen. Für den Einzelnen, für Einzelanwendungen zu Hause, gibt es wahrscheinlich bessere Alternativen.

Was bedeuten die unterschiedlichen Farben beim Testergebnis?

Dr. Borte: Wir starten immer bei einer roten Farbe, einem vorgefüllten Reaktionsmittel. Da ist erstmal noch nichts nachgewiesen. Wenn am Ende nach ungefähr 30 bis 45 Minuten das Ergebnis vorliegt, kann die Farbe zu gelb umgeschlagen sein. Das bedeutet, dass das Corona Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden ist, und wir sind uns ziemlich sicher, dass diese Person vermutlich auch infektiös ist.

Ein Ergebnis war nicht rot oder gelb, sondern orange. Was bedeutet das?

Dr. Borte: Wir sehen auch frühe Phasen der Infektion, wenn noch nicht so viele Viren vorliegen. Und da kann die Farbe durchaus noch orange sein oder ein beginnendes Gelb annehmen. Dass kann man auch mit der Unterstützung von einer Handy-App besser auswerten.

Haben der Gurgeltest und der PCR-Test dasselbe Testprinzip?

Dr. Borte: So ist es. Wir benutzen PCR-Methoden und damit erreichen wir auch eine vergleichbar gute Erkennungswahrscheinlichkeit, die sogenannte Sensitivität.

Gibt es Vorteile zum PCR-Test?

Dr. Borte: Der neue mobile Gurgeltest ist natürlich eine ergänzende Testung. Und während die PCR-Tests, die wir natürlich auch als ganz wesentlichen Bestandteil in der Infektionsvermeidung und in der Infektionswellen-Unterdrückung nutzen, in großen Laboren durchgeführt werden, soll unser Test auch durchführbar sein direkt vor Ort, nämlich in Kitas, in Schulen, in Alten-, Kranken- und Pflegeeinrichtungen.

Ist bei dem Gurgeltest das Verdünnen ein Problem?

Dr. Borte: Wenn man natürlich ständig unterschiedliche Verdünnungen anlegen würde, wäre das ein Problem. Das tun wir aber nicht. Wir benutzen immer das gleiche Verfahren, immer die gleiche Menge an Flüssigkeit, die wir zum Rachen spülen und unsere Methoden sind darauf geeicht.

Sie haben den Gurgeltest in einem Probelauf in einem Leipziger Pflegeheim angewendet. Wie war das Ergebnis?

Dr. Borte: Für uns ging es vor allen Dingen darum, praktische Erfahrungen zu sammeln und die echte Durchführbarkeit vor Ort auch zu beweisen. Das heißt, wir haben vier Wochen lang jeden einzelnen Tag, jeden Besucher, jede Mitarbeiterin, jeden Mitarbeiter und in regelmäßigen Abständen noch alle Bewohner dieser Altenpflegeeinrichtungen getestet. Das hat ein sehr, sehr gutes Echo gegeben. Es wurde grandios angenommen und als große Unterstützung empfunden. Wir haben keine technischen Probleme in dieser Zeit feststellen können und konnten auch glücklicherweise nur in begrenztem Umfang auch positive Testergebnisse nachweisen und frühzeitig in dieser Einrichtung intervenieren.

Wie kann man sich so einen Gurgeltest in beispielsweise einer Schule vorstellen?

Dr. Borte: Ich stelle mir das im Grunde so vor, dass vor Beginn der Schulstunden diese kleinen Töpfe mit der Flüssigkeit ausgegeben werden. Dann wird morgens gegurgelt, und dieses Material wird miteinander vermischt. Wir nennen das Poolen einer Probe. Wir haben nachgewiesen, dass wir das bei uns bis zu 25 Proben tun können und immer noch sicher die Eine nachweisen können, bei der das Corona Virus Sars-CoV-2 vorliegt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. Februar 2021 | 21:00 Uhr

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