Psyche im Lockdown Was hilft, um seelisch gesund durch die Corona-Krise zu kommen?

Schon beim ersten Lockdown im letzten Frühjahr machte das Wort vom "Corona-Blues" die Runde. Doch für viele Menschen hat die Pandemie ernstere seelische Folgen als nur eine vorübergehende Niedergeschlagenheit. Wie halten wir das aus?

Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz sieht aus einem Fenster
Viele kämpfen im Lockdown mit Motivationslosigkeit und Einsamkeit. Bildrechte: Colourbox.de

Seit Monaten werden wir von schlechten Nachrichten bombardiert. Hoffnungen, dass es besser wird, werden immer wieder enttäuscht – Urlaubspläne zerplatzen, Treffen mit Freunden fallen aus, Ängste um die berufliche Existenz flackern auf. Die ständige Anspannung nagt an unseren Nerven. Die dringend nötigen Maßnahmen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen, haben einen Preis: Sie setzen viele Menschen unter hohen seelischen Stress.

Die Folgen zeigen sich nur langsam. Vor kurzem veröffentlichte die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung die Ergebnisse einer Umfrage. Seit Beginn der Pandemie sind Patientenanfragen für eine Psychotherapie um 40 Prozent gestiegen!

Mehr Schlafstörungen, mehr Alkohol in der Corona-Zeit

Prof. Katarina Stengler, Direktorin des Zentrums für Seelische Gesundheit am Leipziger Helios Park-Klinikum, beobachtet die Entwicklung mit Sorge. "Die Erfahrungen des Corona-Jahres führen Menschen in Erschöpfungen, Schlafstörungen und Motivationsdefizite", schildert sie. Gewohnte Tagesrhythmen gehen verloren: "Dann werden Schlafstörungen auch schneller mal mit einem Glas Alkohol beantwortet, als wenn man wüsste, dass morgen früh um sechs wieder der Wecker klingelt."

Ein strukturierter Tagesplan gibt Halt

Doch wie schützt man sich? Eine einfache Antwort ist schwer, denn die Herausforderungen sind für jeden Betroffenen anders. Klar ist: Für manche Menschen wirkt sich die Krise so schwer aus, dass sie mit eigenen Kräften nicht weiterkommen und therapeutische Hilfe benötigen werden.

Für Prof. Stengler einer der wichtigsten Punkte: Strukturen und regelmäßige Rhythmen behalten, auch im Home-Office! "Selbst wenn ich nur an den Computer im Nebenzimmer gehe, gehe ich zur Arbeit. Und da gehe ich auch nicht im Schlafanzug hin". Ein fester Tagesplan kann helfen, Strukturen einzubauen.

Nachrichten zu festen Zeitpunkten konsumieren

Ein wichtiger Punkt ist auch, den Blick auf die eigenen Stärken und Ressourcen zu lenken. Was bewältige ich in der Krise, was ich sonst nie geschafft hätte? Schlechte Nachrichten machen immer schlechte Laune. Gehen Sie den stetig anströmenden schlimmen Botschaften aus dem Weg und setzen Sie sich selbst feste Termine, um Nachrichten zu lesen oder zu schauen.

Sich Gutes tun!

Experten raten außerdem, sich selbst möglichst viel Gutes zu tun: Frühstück mit Musik, tägliche Spaziergänge, sich Dinge vornehmen, auf die man sich freuen kann. Auch wenn persönliche Kontakte jetzt oft nicht möglich sind – reden Sie viel mit Freunden und Bekannten, wenigstens per Telefon. Vielleicht lassen sich auch alte Freundschaften gerade jetzt wiederbeleben.

Hier bekommen Sie Hilfe in der seelischen Not

  • Die Telefonseelsorge erreichen Sie kostenlos unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222.
  • Bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt es ein Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533. Zu erreichen ist die Nummer Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr/ Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr. Die Stiftung bietet auch das Online-Programm iFightDepression.
  • Kinder- und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer": kostenlose Beratung von Mo bis Sa, 14 bis 20 Uhr, Tel. 116 111. Elterntelefon: Mo bis Fr, 9 bis 11 Uhr sowie Di und Do, 17 bis 19 Uhr unter (0800) 111 05 50
  • Auch der Ärztliche Bereitschaftsdienst der Krankenkassen ist für Sie da, Telefon: 116 117.
  • In Notfällen können Sie sich auch an eine psychiatrische Klinik in Ihrer Region richten.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. Februar 2021 | 21:00 Uhr

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