Zum 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp Durchblutung fördern: Kneipp-Kuren für zuhause

Kneippsche Anwendungen regen Kreislauf und Stoffwechsel an. Zu Kneipps 200. Geburtstag am 17. Mai erklären wir die Wirkungsweise der Hydrotherapie, von feuchtwarmen Leberwickeln und der Spültherapie mit Birkenwasser.

Badewanne, Beine, Wellness
Kuren wie Kneipp kann man auch in der Badewanne. Bildrechte: imago/PhotoAlto

Wasser ist wahrscheinlich das älteste Heilmittel, das wir kennen. Schon die alten Römer setzten auf heiße Thermen und kalte Wassergüsse zur Stärkung von Gesundheit und Wohlbefinden. Mit dem Pfarrer Sebastian Kneipp hat sich dieses Wissen im 19. Jahrhundert auch bei uns etabliert. Er entwickelte praktische Methoden, die sich leicht in den Alltag einbauen lassen und sanft Kreislauf und Stoffwechsel wieder ankurbeln und helfen, wieder fit und munter zu werden.

Heute sind die Kneipp‘schen Anwendungen aus dem Bewusstsein vieler leider verschwunden - doch das völlig zu Unrecht. Feuchte Wickel, kalte Güsse und wechselwarme Bäder regen die Durchblutung an, unterstützen das Immunsystem, aktivieren Abwehrkräfte und vieles mehr. Als moderne Hydrotherapie haben sie einen festen Platz in der Naturheilkunde. Ihre positiven Effekte bei Herzschwäche und Bluthochdruck sind inzwischen in mehreren Studien belegt.

Hydrotherapie - kalt und warm im Wechsel

Wasser ist die bedeutendste Säule in der Kneipp-Therapie. Mit einfachen Mitteln lässt sie sich auch Zuhause anwenden. Besonders der Wechsel zwischen Wärme- und Kältereizen wirkt anregend und fördert vielfach die Gesundheit. Wärme weitet die Blutgefäße, bei Kälte verengen sie sich. Dieser Wechsel regt die Durchblutung im ganzen Körper an.

Frau duscht sich in einer Badewanne die Beine ab.
Der Kneippsche Effekt stellt sich auch nach einer Beindusche ein. Bildrechte: imago/Petra Schneider

Bei regelmäßigen Wasseranwendungen stärkt das die Abwehrkräfte und stimuliert Kreislauf und Nervensystem. Für eine erfrischende, belebende Wirkung muss es nicht gleich die eiskalte Ganzkörper-Dusche sein: Auch kalte Kniegüsse trainieren die Gefäße. Zu Beginn sollten der Körper und vor allem die Füße aufgewärmt sein. Dazu entweder ein warmes Bad oder eine Dusche nehmen oder sich ausreichend bewegen, bis der Kreislauf in Schwung kommt und sich der Körper erwärmt. Dann folgt ein Kältereiz: Dazu mit dem Schlauch der Dusche (ohne Duschkopf) sanft ohne zu starken Druck kaltes Wasser aufsteigend an der Außenseite der Beine entlang fließen lassen, von unten beginnen und den Schlauch nach oben führen. An der Innenseite des Beines mit dem Schlauch wieder nach unten gehen. Das Bein wechseln. An beiden Beinen im Wechsel zwei bis dreimal wiederholen. Wenn möglich, nicht abtrocknen

Patienten mit Durchblutungsstörungen sollten sich vorher mit ihrem Arzt absprechen. Übrigens sind die kalt-warmen Wechselbäder besonders für Patienten mit Bluthochdruck empfehlenswert. 

Feuchtwarme Leberwickel

Auch Wickel sind eine tolle Ergänzung der Kneipp‘schen Kur. Sebastian Kneipp nutzte sie zur Stimulation und Ausleitung. Als zentrales Entgiftungsorgan ist die Leber neben Nieren, Darm und Lunge besonders stark gefordert. Ein Leberwickel fördert die Durchblutung und unterstützt die Leber in ihrer Funktion.

Man braucht heißes Wasser (oder Schafgarbentee), eine Wärmflasche, Baumwolltücher und eine Wolldecke. Die Wärmflasche mit heißem Wasser füllen. Ein Baumwolltuch mit heißem Wasser oder einem Schafgarbenaufguss tränken. Das Tuch ausdrücken und sich im Liegen warm auf den nackten Oberbauch legen. Die Wärmflasche darauf legen und mit einem zweiten Tuch den Oberkörper fest umwickeln. Mit der Wolldecke warm zudecken und etwa 30 Minuten ruhen. Wer es mag, kann dazu frisch gebrühten Schafgarbentee trinken, das unterstützt die Wirkung zusätzlich. Der Tee hilft übrigens auch bei Bauchschmerzen, Durchfall und Gallenblasenentzündungen.

Kräutertee mit Schafgarbe
Schafgarbentee hilft auch bei Bauchschmerzen. Bildrechte: Colourbox.de

Birke: Spültherapie für Blase und Nieren

Die Birke hat über das Wasser hinaus eine Menge zu bieten. In ihrer hellen, seidigen Rinde und den zarten Blättern stecken eine Menge wertvoller Inhaltsstoffe - zum Beispiel ätherische Öle, Vitamin C, aber auch reinigende Saponine, also Schleimstoffe und Flavonoide. Deren Wirkung wird in der Heilkunde als  harntreibend, blutreinigend und antientzündlich beschrieben. Ab Mai kann man auch die zarten Blätter ernten.

Daraus wird Birkenblätter-Tee zubereitet. Das Getränk spült und kommt in der Heilkunde vor allem gegen Harnwegsinfekte und Nierensteine zum Einsatz. Es kann aber auch rheumatische Beschwerden und Gicht lindern. Und auch der Stamm hat es in sich: Salben aus Birkenrinde sind gut zum Verschließen kleinerer Wunden, bei Brandverletzungen oder Ekzemen. Das daraus gewonnene Wasser schmeckt durch den natürlichen Birkenzucker leicht süß. Den Bäumen schadet das einmalige Zapfen übrigens nicht, wenn man die "Wunde" wieder sorgfältig verschließt, erholen sie sich schnell wieder. 

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 06. August 2020 | 21:00 Uhr

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