Übergewicht Erfolgreich abnehmen: Alles eine Frage der Gene?

Ob man zunimmt oder schlank bleibt, hängt vor allem davon ab, wie viel und was man isst und wie häufig man sich bewegt. Aber auch die Gene können schuld an Pfunden sein, die einfach nicht purzeln wollen. Experte Dr. Dietz klärt auf.

Übergewichtiger Vater schiebt einen Babyjogger
Bildrechte: imago/Pius Koller

Sind Gene die wahren Dickmacher?

Abnehmen ist für viele Menschen eine Herausforderung. Noch schwieriger ist es aber, das mühsam erreichte Wunschgewicht auch dauerhaft zu halten. Ob man immer dicker wird, fettleibig (adipös) oder schlank bleibt, hängt davon ab, wieviel man isst und sich bewegt. Aber wie schwer es jedem einzelnen fällt, das Gewicht zu halten, bestimmen auch die Gene.

Gene liefern Baupläne für alle Stoffe in unserem Körper und sind an der Produktion von Hormonen und Proteinen beteiligt, die das Essverhalten und den Stoffwechsel bestimmen.

Fettverteilung ist abhängig von unseren Genen

Zwei übergewichtige Frauen laufen in einer Fußgängerzone entlang.
Bildrechte: Colourbox.de

Es gibt sie, die genetische Veranlagung zu Übergewicht. Denn Wissenschaftler haben bereits mehr als 40 Genabschnitte identifiziert, die über die Fettverteilung im Körper entscheiden.  Insgesamt kennen die Forscher bereits 2,1 Millionen Genvarianten in rund 100 Abschnitten des Erbgutes, die einen Einfluss auf das Gewicht haben.

Zusammen können die Genvariationen bis zu fünf Punkte beim Body-Mass-Index (BMI) ausmachen. Das bedeutet oft schon den Unterschied zwischen Normalgewichtigen, übergewichtigen und fettleibigen Menschen. Jedoch auf der Waage machen selbst die stärksten Gene nur bis zu zwei Kilogramm aus.

Was ist der Body-Mass-Index?

Kurz BMI, ist ein oft verwendetes Maß zur Beurteilung des Körpergewichts eines Menschen. Ob Normalgewicht, Übergewicht oder Untergewicht – der Body-Mass-Index hilft, das jeweilige Körpergewicht richtig einzuschätzen. Die Formel, die den BMI berechnet, setzt das Körpergewicht in Kilogramm mit der Körpergröße in Metern zum Quadrat ins Verhältnis. BMI = Körpergewicht (in kg) geteilt durch Körpergröße (in m) zum Quadrat. Rechner finden Sie im Internet.

Beispiel für eine Berechnung des BMI:

Größe:
167 cm
Gewicht: 67 kg
Berechnung: 24 = Body Mass Index (BMI)

Welcher BMI wird medizinisch empfohlen?

Empfehlenswert ist es, wenn sich der BMI bei Erwachsenen über 20 Jahre in einer Spanne von 18,5–24,9 bewegt. Dies ist eine allgemeine Standardeinschätzung, in der weder das genaue Alter noch das Geschlecht oder der individuelle Körperbau einer Person berücksichtigt werden. In diesem Bereich spricht man von Normalgewicht.

Was sind die Nachteile von Crash-Diäten?

Viele versuchen für eine gute Figur eine "Crash-Diät". Crash bedeutet immer schnell und heftig: sehr schnell sehr viel Gewicht verlieren. Doch leider ändert sich durch eine solche Diät nicht das Ernährungsverhalten, und somit kommt es meistens zu dem bekannten Jo-Jo-Effekt.

  • Der Körper verliert nicht nur Wasser, sondern auch wertvolle Muskelmasse. Wichtiges Eiweiß, das in den Muskeln enthalten ist, geht verloren, man fühlt sich nach und nach schlapp und elend.
  • Man hat immer Hunger, denn durch die extrem einseitige Ernährung fehlen dem Körper entscheidende Bausteine, die er unbedingt benötigt.
  • Bei einseitiger Ernährung kommt es zu Mundgeruch.
  • Heißhunger auf Salziges und auf Süßes, stellt sich oft nach drei Tagen ein.
  • Die Kilos, die abgehungert wurden, sind ganz schnell wieder auf den Hüften – es kommt zum Jo-Jo Effekt.

Tipps gegen den Heißhunger

  • Kauen Sie Pfefferminzkaugummis – Pfefferminze ist scharf, der Appetit auf Süß verschwindet.
  • Genießen Sie Ihr Essen – essen Sie, bis Sie satt sind und nicht mehr. Wer satt ist, hat kaum Heißhunger.
  • Planen Sie drei Mahlzeiten am Tag ein.
  • Essen Sie Vollkornprodukte: Vollkornbrot, Naturreis oder Vollkorn-Nudeln enthalten viele Ballaststoffe, die für ein langes Sättigungsgefühl sorgen.
  • Vermeiden Sie ständige Snacks zwischendurch.
  • Essen Sie einen Nachtisch wirklich nur NACH einer Mahlzeit, so bleibt der Heißhunger aus.

Wie schafft man es, langfristig abzunehmen?

  • Viel trinken: Wasser und ungesüßten Tee, das regt den Stoffwechsel an und Nährstoffe können besser verarbeitet werden.
  • Vermeiden Sie Zucker und Nahrungsmittel mit hohem Fettgehalt.
  • Trennen Sie sich von falschen Gewohnheiten: Essen Sie weniger Süßes, greifen Sie zu Vollkornprodukten anstatt zu weißem Mehl, lassen Sie Fertigprodukte weg.
  • Essen Sie mehr Fisch, Geflügel, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst und Gemüse der Saison, Tofu.
  • Beim Kochen und Backen können Sie Fette einsparen. Ersetzen Sie Butter durch Halbfettbutter, auch Schmand und Sahne gibt es als fettärmere Varianten wie saure Sahne oder Joghurt.
  • Lassen Sie sich Tipps von einem Ernährungsberater geben.
  • Verzichten Sie möglichst auf Alkohol.
  • Essen Sie weniger Salz, würzen Sie mit Kräutern.
  • Und: Bewegen Sie sich – denn ohne Bewegung, die auch Spaß machen soll, schaffen Sie es nicht, konstant das Wunschgewicht zu halten.
  • 1 Kilo Gewichtsverlust pro Woche ist ein guter Erfolg, um erfolgreich Pfunde zu verlieren. Natürlich gehören zum Abnehmen Durchhaltevermögen und Disziplin und vor allem Geduld!

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 20. August 2020 | 17:00 Uhr

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