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NetzausbauFaktencheck: Strahlungsrisiko durch Mobilfunkmasten?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Stand: 22. November 2019, 05:00 Uhr

Mit 5.000 neuen Mobilfunkmasten will die Bundesregierung die Funklöcher in Deutschland stopfen. Vor allem im ländlichen Raum besteht Nachholbedarf. Bedeuten mehr Funkmasten auch mehr Strahlung?

Der Digitalverband Bitkom sieht durch den Ausbau des Mobilfunknetzes in Deutschland kein höheres Strahlungsrisiko für die Bürger. Geschäftsführer Achim Berg zufolge zeigen Tausende Studien, dass es bei Einhaltung der Grenzwerte keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen gibt. Niemand solle sich "kirre machen lassen". Stimmt das?

Experten: Strahlung vom Handy potenziell gefährlicher

Es gibt viele Studien zur Handystrahlung. Etwa 3.800 listet die Technische Hochschule Aachen (RWTH) auf ihrem Forschungsportal auf. Nicht ganz so eindeutig ist die Sache mit den Handy-Funkmasten. Das Bundesumweltministerium bezieht sich auf mehrere hundert Studien. Und auch die kommen zu dem Ergebnis: Keine Gesundheitsgefahr.

Ministeriumssprecherin Judith Horrichs kann die Zweifel an den Funkmasten gar nicht verstehen, die größere Strahlungsgefahr lauere in der Hosentasche.

Die Mehrheit der Bevölkerung denkt, dass die Mobilfunkbasisstation, also die Masten die wesentliche Belastung darstellen.

Judith Horrichs vom Bundesumweltministerium

Aber tatsächlich sei das Endgerät, das Handy oder Tablet, wegen der Nähe zum Körper die potentiell größere Gefahr, sagt Horrichs. Denn die elektromagnetische Strahlung nehme mit der Entfernung ab. Und die Funkmasten seien in der Regel 20 bis 30 Meter hoch.

Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko

Doch es gibt auch Studien, die einen Zusammenhang sehen zwischen Funkmasten und erhöhten Krebszahlen. In Oberfranken hat ein Ärzteteam zehn Jahre lang etwa 1.000 Personendaten ausgewertet. Ergebnis: Die Gruppe, die im Umfeld eines Funkmasts lebte, hatte eine doppelt so hohe Krebswahrscheinlichkeit, im Vergleich zu einer Gruppe, die weiter entfernt wohnte.

Solche Studien guckt sich Achim Neuhäuser vom Bundesamt für Strahlenschutz durchaus an. Aber nur eins lasse sich sicher sagen: Handystrahlen erwärmen das menschliche Gewebe. Mehr nicht.

Und alle anderen Hinweise, die sich in einzelnen Studien bisher ergeben haben - auch da gibt es viele -, diese konnten nie wiederholt werden. Das sind wichtige wissenschaftliche Anforderungen, dass ein Effekt, der sich einmal gezeigt hat, unter vergleichbaren Bedingungen von anderen wiederholt werden kann. Und außer bei der Wärmewirkung ist das niemals gelungen.

Achim Neuhäuser vom Bundesamt für Strahlenschutz

Fazit:

Ja, es gibt Studien, die Funkmasten als Krebspotential darstellen. Allerdings sind es nur vergleichsweise wenige. Die große Mehrheit der Forscher kommt zu dem Ergebnis: Die Funkmasten in Deutschland erzeugen keine elektromagnetische Gefahr.

Und wenn jetzt weitere Masten gebaut werden? Dann sinkt nach Aussage von Mobilfunkexperten die Strahlenbelastung sogar. Denn: Je mehr Handymasten stehen, desto schwächer müssen sie ihre Signale senden. Und das bedeutet: sie erzeugen weniger Strahlung.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2019 | 05:00 Uhr