Expertenrat Was bei Fieber richtig und was falsch ist

Eine Körpertemperatur von 39 Grad und mehr – was nun? Aushalten, bekämpfen oder zum Arzt gehen? Dr. Thomas Dietz erklärt, was zu tun ist und was es mit der Behauptung auf sich hat, dass die Hitze im Körper heilsam sein soll. Zudem weiß er, was es bei Kindern zu beachten gilt und wann Fieber gefährlich wird.

Was ist Fieber?

Fieber ist keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom. Es kann bei einer ganzen Reihe unterschiedlicher Krankheiten auftreten. Die häufigste Ursache sind akute Infektionskrankheiten, zu denen auch Erkältungskrankheiten und Grippe gehören.

Fieber entsteht meistens dann, wenn das Immunsystem körperfremde Stoffe, etwa Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen, abwehrt oder im Körper entzündliche Prozesse vorgehen.

Der Körper versucht nun, durch eine Temperaturerhöhung körperfremde Erreger abzuwehren. Schon leichtes Fieber, nur ein Anstieg z.B. von 37 auf 38 Grad Celcius, kann die Vermehrung schädlicher Erreger hemmen. Fieber ist also ein wichtiger Mechanismus des Körpers zur Gesunderhaltung.

Von 36°C bis über 41°C Die Normaltemperatur des Menschen beträgt etwa 36 bis 37 Grad Celsius. 

Ein Wert zwischen 37,5 und 38 Grad Celsius bezeichnet man als erhöhte Temperatur.

Wenn die Temperatur höher als 38 Grad Celsius ist, dann spricht man bei Erwachsenen von Fieber. Steigt die Temperatur noch höher, auf über 39 bis 41 Grad Celsius, hat der Patient hohes Fieber.

Extrem hohes Fieber liegt vor, wenn der oder die Betroffene eine Körpertemperatur von über 41 Grad Celsius hat (Angaben gelten für die rektale Messung).

Erst bei höheren Temperaturen oder aber bei allgemeinem Unwohlsein durch das Fieber ist es ratsam, dieses zu senken. Dafür stehen zahlreiche nicht verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung. Bitte fragen Sie den Arzt oder Ihren Apotheker.

Fieber bei Kindern

Von Fieber spricht man bei Kindern von zwei bis zwölf Jahren bei einer Körpertemperatur von 38,5 Grad Celsius und mehr.

Babys sind anfälliger – bei ihnen gelten bereits 38 Grad Celsius als Temperaturgrenze zum Fieber. Im Zustand des Fiebers verlieren Kinder viel Flüssigkeit, weswegen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten ist. Insbesondere Babys und sehr kleine Kinder könnten ansonsten schnell dehydrieren.

Mutter misst Fieber bei einem Kleinkind
Kleinkinder müssen bei Fieber nicht sofort zum Arzt, bei Babys ist ein Arztbesuch dringender. Bildrechte: imago images / photothek / Ute Grabowsky

Ein Arztbesuch ist immer dann nötig, wenn das Fieber ohne erkennbaren Grund auftritt, spätestens jedoch, wenn es bei Babys nach 24 Stunden und bei Kindern nach zwei Tagen nicht abklingen will. Die Ursache muss gefunden werden.

Bei Kindern und Säuglingen ist es nicht ungewöhnlich, dass Fieber auf über 40 Grad Celsius ansteigt. Doch es drohen zum einen die Gefahr eines Fieberkrampfes durch den zu schnellen Temperaturanstieg, und zum anderen werden Kinder mit derlei hohen Temperaturen oft apathisch, wirken abwesend, weinen, sind krank.

Fieber in diesem Ausmaß sollte gesenkt werden, auch gilt es, die genaue Ursache herauszufinden. Fieber über 40 Grad Celsius gehört daher immer in kinderärztliche Behandlung.

Lebensbedrohlich sind Körpertemperaturen über 42 Grad Celsius, weil hierbei Nervenzellen und Eiweißbausteine im Körper zerstört werden. Derart hohes Fieber tritt jedoch nur in sehr seltenen Fällen auf.

Erwachsene mit Fieber – wann zum Arzt?

Bei einer "normalen" Erkältung normalisiert sich die Körpertemperatur meistens wieder nach einigen Tagen.

Doch anhaltendes Fieber, Temperaturen über 39,5 Grad Celsius oder aber auch ein erneuter Fieberanstieg können Warnzeichen für Komplikationen oder schwere Infektionskrankheiten sein.

Bitte einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Fieber länger als 48 Stunden anhält und Symptome wie Kopfschmerzen, Durchfall oder z.B. eitriger Auswurf auftreten
  • bei Bewusstseins- oder Sinnestrübungen
  • wenn ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl vorliegt

Fieber senken durch Hausmittel

Ausreichend trinken und sich Ruhe gönnen: Der Fieberpatient sollte ausreichend Flüssigkeit aufnehmen. Durch vermehrtes Schwitzen und die erhöhte Körpertemperatur muss der Flüssigkeitsverlust im Körper wieder ausgeglichen werden. Circa ein halber bis ein Liter Flüssigkeit pro zusätzlichem Fiebergrad werden empfohlen. Körperliche Anstrengungen sind zu vermeiden.

Bettruhe einhalten: Insbesondere bei länger anhaltendem Fieber.

Wadenwickel werden ab 39 Grad Celsius Fieber empfohlen: Das Anlegen von Wadenwickeln unterstützt die Ableitung überschüssiger Wärme.

Und so funktioniert es:

1. Tücher mit lauwarmem Wasser befeuchten und fest um die Waden der ausgestreckten Beine wickeln. Mit trockenen Tüchern abdecken.

2. Die Füße (z.B. durch Socken) und den restlichen Körper warmhalten.

3. Die Wadenwickel wechseln, wenn sie sich körperwarm anfühlen – ca. nach fünf bis zehn Minuten.

4. Das Ganze dann wiederholen.

Eine Frau kontrolliert ihre Temperatur mit einem Fieberthermometer
Fieber senken – dabei helfen Wadenwickel auf natürlichem Weg. Bildrechte: IMAGO

Insgesamt können die Wadenwickel drei bis vier Mal anlegt werden. Das Fieber sollte, mit Rücksicht auf den Kreislauf, langsam gesenkt werden. Eine Fiebersenkung um 0,5 Grad Celsius ist schon ein sehr gutes Ergebnis.

Wadenwickel sind ein bewährtes und schonendes Mittel, das auf dem Prinzip der Verdunstungskälte beruht. Die Wadenwickel sollen die Wärmeabgabe des Körpers verbessern und dadurch das Fieber senken.

Achtung:  Wadenwickel sollten nicht angewandt werden, wenn die Füße oder Beine des Patienten kalt sind, der Betroffene friert oder Schüttelfrost hat.

Auch bei Harnwegsinfektionen wie einer Blasenentzündung oder bei Durchblutungsstörungen sind Wadenwickel nicht zu empfehlen.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 16. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

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