Blutvergiftung bis Hanta-Virus Gefährliche Wunden durch Gartenunfälle

Auch völlig unscheinbare Verletzungen können schwerwiegende Folgen haben. Wir verraten, wo hier Gefahren bei der Gartenarbeit lauern, die zu Blutvergiftungen, Wundinfektionen oder gar Amputationen führen können.

Blumentopf, Gießkanne und verschiedene Gartengeräte in einem Schubkarren
Auch herumliegende Geräte können zur Gefahrenquelle werden. Bildrechte: Colourbox.de

Gartenarbeit macht Spaß, ist erholsam und bringt den Körper in Bewegung. Doch gerade im Frühjahr steigt für Hobbygärtner das Risiko für Verletzungen. Fünf Gefahrenquellen für Hobbygärtner beim Mähen, Schneiden und Pflanzen verraten wir hier.

Blutvergiftung durch Dornen und Splitter

Ein Dornenstich beim Verschneiden einer Rose oder ein Splitter im Finger – solche vermeintlich kleinen Bagatellverletzungen können schwerwiegende Folgen haben. Denn Splitter dringen häufig tiefer ein, als man denkt und können so Keime tief ins Gewebe einbringen. "Erst letzte Woche mussten wir einer Patientin einen Teil des Fingers amputieren, weil sich die Infektion schon auf den Knochen ausgeweitet hatte", berichtet Professor Frank Siemers, Handchirurg am BG Klinikum Bergmannstrost in Halle.

Auch am Uniklinikum in Dresden sieht Professor Adrian Dragu solche folgenschweren Verletzungen durch Dornen häufiger. "Die Patienten kommen oft zu spät zu uns. Sie denken, das wird schon wieder. Aber wenn ein Rest des Splitters in der Haut verbleibt, kann das bis zur Blutvergiftung gehen." Immer dann, wenn der Finger anfängt zu pochen, sich rötet oder anschwillt, sollte man umgehend zum Arzt gehen.

Tipp Bereits kleine oberflächliche Hautverletzung genügen, um sich mit Tetanus (Wundstarrkrampf) zu infizieren. Prüfen Sie daher regelmäßig Ihren Tetanusschutz. Alle zehn Jahre muss die Impfung aufgefrischt werden.

Verletzungen durch Unfälle mit Gartengeräten

Mehr als 200.000 Unfälle ereignen sich laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin jedes Jahr in deutschen Gärten. Besonders schwerwiegend sind sie bei Stürzen von einer Leiter oder nach unsachgemäßem Umgang mit motorbetriebenen Geräten wie Kettensägen oder Heckenscheren. Hier sollte man daran denken, dass solche Geräte eine gewisse Nachlaufzeit haben und man nicht in den Messerbereich fassen darf. Bei Leitern gilt: lieber einmal mehr absteigen und die Leiter sicher neu aufstellen als das Gleichgewicht zu verlieren.

Gefährlich werden können auch achtlos herumliegende Gartengeräte. Die Zacken eines Rechens oder einer Harke haben sich schon in so manchen Fuß gebohrt. Solche Verletzungen können durchaus unscheinbar aussehen, sind aber oft ein Fall für den Arzt: "Schnittverletzungen, die von außen klein aussehen, aber in der Tiefe womöglich Strukturen wie Sehnen oder Nerven zerstört haben, sind immer sehr gefährlich", mahnt Wundspezialist Professor Dragu.

Tipp Schützen Sie sich mit der richtigen Kleidung vor Verletzungen: festes Schuhwerk, lange Hosen und Gartenhandschuhe sollten bei der Gartenarbeit Pflicht sein.

Verbrennungen am Grill

Jährlich verletzen sich rund 4.000 Menschen beim leichtsinnigen Umgang mit dem Grill. Gefährliche Stichflammen oder Verpuffungen entstehen zum Beispiel, wenn ungeduldige Grillmeister Spiritus auf die glühenden Kohlen schütten. Merke: Niemals Spiritus auf den angezündeten Grill!

Besonders gefährdet sind Kinder. Denn aufgrund ihrer Körpergröße befindet sich das Feuer oft in Kopfhöhe. Das gilt insbesondere auch dann, wenn Bier zum Ablöschen auf das Grillgut geschüttet wird. Das Bier wirbelt unkontrolliert Asche und Glut auf, was am häufigsten daneben stehende Kinder trifft.

Bei großflächigen Verbrennungen sollte man sofort den Rettungsdienst 112 rufen. Doch auch kleinere Verbrennungen können zu Infektionen führen, wenn sie erst verzögert behandelt werden. "Prinzipiell muss man sagen, alles was mit Verbrennungen und Verbrühungen zu tun hat, sollte ein Arzt drauf schauen", empfiehlt Professor Dragu.

Tipp Mit einem Anzündkamin lässt sich der Grill viel sicherer und auch schneller anzünden.

Schmerzen durch Überlastung

Noch schnell den ganzen Holzstapel zu Ende hacken? Oder das Beet heute noch komplett umgraben? Die Hecke schneiden, auch wenn die Finger schon schmerzen? Wer länger draußen nicht mehr aktiv war, muss sich erst langsam wieder an die körperliche Belastung gewöhnen. Ohne ausreichende Pausen steigt nicht nur die Unfallgefahr, sondern auch die Gefahr für eine Überlastung des ganzen Bewegungsapparates.

Und das sind nicht nur die üblichen Rückenschmerzen: "Was wir derzeit häufig bei uns sehen, sind vor allem Überlastungsschäden an den Händen wie Sehnenscheidenentzündungen oder Schnappfinger", berichtet Professor Frank Siemers, der im Klinikum Bergmannstrost Halle die Abteilung für Handchirurgie leitet.

Tipp Teilen Sie sich Ihre Kräfte ein. Suchen Sie sich ein schattiges Plätzchen, machen Sie regelmäßig eine Pause und trinken Sie etwas!

Infektionsquelle Schuppen

Bei einer größeren Aufräumaktion im Schuppen sollte man auf dem Schirm haben, dass man sich unter Umständen mit dem Hanta-Virus infizieren könnte. Das Virus gehört mittlerweile zu den fünf häufigsten meldepflichtigen Viruskrankheiten. Es wird über trockenen Mäusekot und den aufgewirbelten Staub übertragen.

Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend. 3 min
Bildrechte: imago/blickwinke
3 min

Rötelmäuse sehen erstmal ganz niedlich aus. Aber viele von ihnen können zur Gefahr werden: sie übertragen das Hantavirus. Und in diesem Jahr gibt es sehr viele Mäuse.

MDR AKTUELL Mo 17.06.2019 12:21Uhr 02:56 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/roetelmaus-hantavirus100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Laut Robert-Koch-Institut konzentriert sich die Häufigkeit auf bestimmte Regionen in Deutschland, dazu zählt zum Beispiel der westliche Teil Thüringens. Das Hanta-Virus verursacht ähnlich einem grippalen Infekt hohes Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen und kann im Extremfall bis zum Nierenversagen führen.

Tipp Beim Frühjahrsputz im Schuppen am besten einen Mundschutz und Handschuhe tragen. 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 27. Mai 2021 | 21:00 Uhr

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