Osteoporose Gefährlicher Knochenschwund – Was Sie dagegen tun können

Unsere Knochen sind eine Dauerbaustelle. Ständig wird Gewebe abgebaut, neues entsteht. Bei Osteoporose gerät dieses Wechselspiel aus der Balance. Die Gefahr: Knochen verlieren die Stabilität, können schon aus geringstem Anlass brechen. Wichtig ist, früh gegenzusteuern – zum Beispiel mit Bewegung.

Unser Skelett ist mehr als nur ein starres Gerüst. Auch bei Erwachsenen gibt es ständige Veränderungen im Knochengewebe. Form und Festigkeit unserer Knochen passen sich den Belastungen an, denen sie unterworfen sind. Um im Bild der Baustelle zu bleiben: Im Knochen wird ständig um- und ausgebaut.

Baustelle Knochen

Dabei sind zwei verschiedene Gruppen von "Bauarbeitern" am Werk. Für Reparaturen und Neubau-Projekte gibt es die Osteoblasten – Zellen, die Knochengewebe aufbauen. Der Rohstoff, den sie dabei nutzen, ist Calcium. Vitamin D hilft beim Einbau des Calciums. Würde man den Osteoblasten aber die Baustelle allein überlassen, würden unsere Knochen ständig weiterwachsen. Deshalb gibt es Gegenspieler für den Aufbau-Trupp: die Osteoklasten. Das sind Fresszellen, die Knochengewebe auflösen und abbauen.

In einem gesunden Knochen sind beide Prozesse ungefähr im Gleichgewicht. Mit einem gewissen Alter bekommt der Knochenabbau aber leicht die Überhand: Wir verlieren Substanz. Das ist völlig normal. Bei der Osteoporose allerdings beschleunigt sich dieser Abbau. Die Fresszellen arbeiten schneller als die Aufbau-Trupps, die kaum noch hinterherkommen. Knochen schwindet. Die stützenden Bälkchen im Gewebe werden dünner. Schreiten diese Prozesse fort, verlieren die Knochen Festigkeit. Das Risiko von Brüchen, schon aus geringstem Anlass, steigt. Besonders gefährdet: Wirbelkörper, Oberschenkel, Unterarm.

spezielle Aufnahme eines osteoporotischen Knochens
Osteoporose lässt die Knochen leichter brüchig werden. Bildrechte: IMAGO

Warum schwinden die Knochen?

Die meisten Betroffenen erkranken an primärer Osteoporose. Diese Form des Knochenschwundes hat keinen konkreten Auslöser. Sie trifft vor allem Frauen nach den Wechseljahren, wenn das knochenschützende Hormon Östrogen ausfällt. Bei Männern ist das Osteoporose-Risiko nur halb so hoch. Außerdem tritt bei ihnen die Erkrankung durchschnittlich zehn Jahre später auf als bei Frauen. Bei beiden Geschlechtern kann eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. Ob es zum Knochenschwund kommt, hängt aber auch vom Lebensstil ab. Bewegungsmangel oder Rauchen befördern Osteoporose.

Eine sekundäre Osteoporose kann die Folge anderer Erkrankungen sein, zum Beispiel bestimmter Nierenleiden oder Hormonstörungen. Sie kann aber auch als Nebenwirkung mancher Medikamente auftreten – etwa bei einer Cortison-Therapie.

Ein Aschenbecher vor einem Laptop an dem jemand sitzt und raucht
Auch Rauchen gehört zu den Risikofaktoren bei Osteoporose. Bildrechte: Colourbox.de

Wie helfen Medikamente?

Noch einmal zurück auf die Knochen-Baustelle. Ist der Betrieb hier gestört, können Medikamente an ganz unterschiedlichen Stellen ansetzen. Sie können den Nachschub mit Baumaterial verbessern, aber auch die verschiedenen Bauarbeiter-Trupps bremsen oder ermutigen. Ziel ist immer, den Knochen zu festigen und weitere Brüche zu verhindern.

In jedem Fall werden Ärztin oder Arzt versuchen, die Versorgung mit ausreichend Calcium und Vitamin sicherzustellen. Zu den wichtigsten Medikamenten gegen den Knochenschwund gehören die sogenannten Bisphosphonate. Je nach Präparat werden sie entweder als Tablette eingenommen oder in größeren Zeitabständen per Spritze oder Infusion verabreicht. Bisphosphonate wirken dem Knochenabbau entgegen, sie "bremsen" also die Fresszellen im Knochen. Das ermöglicht den knochenaufbauenden Zellen, wieder aufzuholen. Die Prozesse im Knochen kommen einem natürlichen Gleichgewicht wieder näher. Gegen die Überaktivität der Fresszellen wirken auch bestimmte monoklonale Antikörper.

Andere Medikamente wirken "osteoanabol". Das bedeutet, sie fördern gezielt die Arbeit der Aufbau-Zellen, der Osteoblasten. So wirkt zum Beispiel das Parathormon (PTH). Neu bei den Medikamenten: sogenannte Sclerostin-Antikörper. Sie wirken auf bestimmte Signalsubstanzen beim Knochenstoffwechsel. Vereinfacht gesagt – diese Medikamente lösen eine Bremse bei den Knochenaufbau-Zellen und begünstigen so deren Aktivität. Noch wird aber diskutiert, welchen Nutzen eine solche Behandlung tatsächlich bringt.

Knochen leben von Bewegung!

Wenn wir unsere Muskeln anstrengen, ziehen wir damit an den Knochen. Das ist ein Signal an die Bauleute im Gewebe. Sie stärken die Strukturen im Knochen, um die Belastungen besser abzufangen. Voraussetzung – dieser Belastungsreiz ist groß genug und wiederholt sich ausreichend häufig. Deshalb ist Krafttraining für die Knochen wirksamer als reines Ausdauertraining.

Auf diese Weise können wir späterem Knochenschwund schon in den ersten Lebensjahrzehnten vorbeugen – einfach dadurch, dass wir genug Substanz aufbauen. Doch auch dann, wenn die Knochen schon schwächer sind, kann Training viel ausrichten. Und selbst bei fortgeschrittener Osteoporose empfehlen Experten angemessene körperliche Belastung. Dr. Leonore Unger vom Osteoporose-Zentrum am Städtischen Klinikum Dresden: "Mobilität ist immer besser, als sich zu schonen. Aber ein Spaziergang reicht da nicht."

Ein Rentner sitzt in einem Fitnessstudio an einem Ergometer
Krafttraining ist für die Knochenstabilisierung wirksamer als reines Ausdauertraining. Bildrechte: colourbox

Wann sogar Kraftsport als Prophylaxe sinnvoll ist

Wenn die Verringerung der Knochendichte gerade erst begonnen hat, dann ist "richtig Kraftsport" sinnvoll, rät die Expertin. "Wir brauchen einen gewissen Zug auf den Knochen." In fortgeschrittenen Stadien der Osteoporose sollte aber vorsichtig in das Training eingestiegen werden. Dort müssen zunächst muskuläre Ungleichgewichte angegangen werden, ehe im zweiten Schritt vor allem Koordination geübt werden sollte, um zum Beispiel das Sturzrisiko aufzufangen.

Auch Pilates-Trainerin Kristina Dietrich setzt auf Kraft, um einen "adäquaten Trainingsreiz" zu erzeugen. Der Effekt der Übungen ist für sie aber nicht auf den Knochen beschränkt: "Wir tun damit zugleich etwas für mehr Stabilität, trainieren das Gleichgewicht und stärken unsere Alltagssicherheit." Wichtig, um auch das Risiko von Stürzen zu verringern.

Übungen für die Knochengesundheit

Bei Osteoporose sind vor allem drei Teile des Skeletts durch Knochenbrüche bedroht: Wirbelsäule, Hüfte und Oberschenkelknochen, Unterarm und Handgelenke. Kristina Dietrich konzentriert sich auf Übungen für den Rücken und für die Hüfte.

Erste Übung – wie komme ich sicher auf den Boden und wieder hoch?

Rücken gerade halten. Mit einem Bein einen großen Ausfallschritt nach hinten machen. Sich auf das Knie des nach hinten gestreckten Beines hinunterlassen. Auch das andere Knie auf dem Boden absetzen. Gesäß absetzen. Beine nach vorn holen. So gelangen Sie auf den Boden, ohne den Rücken rund zu machen. Ähnlich beim Aufstehen – aus dem Sitzen die Beine nach hinten holen, in den Vierfüßlerstand gehen und daraus aufstehen. Die einzelnen Phasen lassen sich auch in Wiederholungen trainieren – einleiten mit wechselnden Ausfallschritten, dann Knie absetzen, wieder hoch, schließlich auf den Boden und wieder aufstehen.

Zweite Übung – stehend Paddeln

In Knie- und Hüftbeuge gehen. Vor dem Körper kräftig mit den Armen paddeln oder Schwimmbewegungen machen. Das streckt und stärkt Rücken und Bauchmuskeln, indem man die tiefen Rumpfmuskeln zum Arbeiten zwingt.

Dritte Übung – Hüfte stärken

Beine seitlich weit auseinanderstellen und tiefe Kniebeugen machen. Zusätzlich kann man auch die Hüfte beugen und die Arme jeweils weit nach vorn schwingen.

Vierte Übung – Ausfallschritte mit Kniebeugen

Diese Übung am besten mit kleinen Hanteln machen. Anfänger beginnen aber besser ohne Extra-Gewicht und bauen das erst später ein:

Seitlichen Ausfallschritt machen, dann das andere Bein hinter das Standbein ziehen und die Knie beugen. Ausfallschritt in die entgegengesetzte Richtung, Bein nachziehen, wieder Knie beugen. Unterstützt wird die Bewegung mit dem Schwingen der Arme nach oben.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. Februar 2021 | 21:00 Uhr

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