Welttag der sexuellen Gesundheit Geschlechtskrankheiten erkennen und sich davor schützen

Es brennt, es juckt. Symptome von Sexualkrankheiten sind nicht immer eindeutig. Expertin Dr. Carla Pohlink erklärt, wie sich Geschlechtskrankheiten erkennen lassen und wie man sich richtig davor schützt

Ein Mann und eine Frau im Bett
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Sexualkrankheiten auf dem Vormarsch

Sex ist bekannt als die schönste Nebensache der Welt. Doch was ist, wenn nach einer wundervollen Nacht, das böse Erwachen kommt und man sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hat. In den letzten Jahren ist auch in den Industrie-Nationen wieder ein Anstieg der Erkrankungsraten zu verzeichnen – trotz aller Safer-Sex-Kampagnen.

Über Geschlechtskrankheiten zu sprechen ist ein No-Go. Die Betroffenen schämen sich und alle anderen ekelt es vielleicht an. Dennoch ist es wichtig, zu wissen, wie man sich schützen kann.

Übertragung auch ohne Sex möglich

Eine Infektion muss nicht zwangsläufig durch vaginalen Sex erfolgen. Natürlich sind auch Anal- und Oral-Sex eine häufige Ursache. Unter anderem aufgrund des größeren Risikos einer Infektion beim Analverkehr, sind homosexuelle Männer von einigen Geschlechtskrankheiten tendenziell häufiger betroffen.

Doch auch wenn man in erster Linie von sexuell übertragbaren Krankheiten spricht, kann man sich auch ohne Sex anstecken, wie zum Beispiel durch Hautkontakt, Tröpfcheninfektion oder – je nach Krankheitserreger – auch durch die gemeinsame Nutzung von Toiletten oder Hygieneartikeln. Wer sich und seine Sexualpartner bestmöglich schützen möchte, sollte daher beim Sex immer mit Kondom verhüten.

Mit Impfung vor krebsauslösenden HP-Viren schützen

Beim Geschlechtsverkehr können auch Humane Papillomviren (HPV) übertragen werden. Die Viren sind als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs bekannt. Deshalb wird die Impfung gegen den HP-Virus empfohlen. Jährlich erkranken in Deutschland 4.600 Frauen daran, ein Drittel der Betroffenen stirbt. Aber auch Jungen sind gefährdet. Zum einen übertragen sie das Virus, zum anderen können sich bei ihnen dadurch Krebsarten entwickeln. Deswegen sollen auch Jungen sich gegen HP-Viren impfen lassen. Kondome schützen nicht zuverlässig vor einer HPV-Infektion. In seltenen Fällen können die Viren auch durch eine Schmierinfektion übertragen werden

PrEP seit September 2019 Kassenleistung

Für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen seit 1. September die Kosten für die HIV-Prophylaxe PrEP. Die neue, vorbeugende Arzneimittel-Therapie kann nach Angaben der DAK-Gesundheit eine HIV-Infektion mit 96-prozentiger Sicherheit verhindern. Experten hoffen darauf, dass "PrEP" (Prä-Expositions-Prophylaxe) die Zahl der Neuansteckungen deutlich senkt. Allein im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland etwa 2.900 Menschen mit dem HI-Virus infiziert.


Checkliste Geschlechtskrankheiten

Die folgende Checkliste kann helfen, beobachtete Symptome einzuordnen.

Aber: Bei dem kleinsten Verdacht sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Denn es besteht in manchen Fällen die Gefahr, erheblicher Spätfolgen. Das bedeutet, dass Beschwerden auch erst Jahre nach der eigentlichen Ansteckung auftreten.

AIDS

Kategorie A

  • Fieber
  • Kopf- und Halsschmerzen
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Ausschlag

Kategorie B

  • Dauerhaft erhöhte Körpertemperatur
  • Nervenleiden (Neuropathien)
  • Mundsoor (Pilzinfektion im Mund- und Rachenbereich)
  • Herpesinfektionen
  • durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Zungenbeläge

Kategorie C

  • Lungenentzündungen
  • anhaltende Durchfälle
  • Ungewollter Verlust an Gewicht
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Chlamydien

  • Jucken der Scheide
  • Übelkeit und Erbrechen
  • beim Wasserlassen tritt vermehrt ein Brennen auf
  • Brennen auch beim aktiven Sex
  • leichte bis schwere Schmerzen im Unterleib
  • vermehrt kommt es zu einem gelb klebrigen Ausfluss
  • bei aktivem Sex kommt es zu Blutungen
  • auch Zwischenblutungen können erfolgen
  • unübliche Monatsblutungen
  • zusätzliche Ausscheidungen und Ausfluss von Flüssigkeit

 Feigwarzen

  • einzelne Warzen oder sogar Gruppenbildung möglich
  • selten tritt ein Jucken oder ein Brennen auf
  • um die Warzen treten Risse auf, die auch bluten können
  • Warzen beim Mann vornehmlich am Penisschaft
  • Warzen bei Frauen an den Schamlippen
  • bei Oralsex können Mundschleimhäute betroffen sein

 Herpes Genitalis

  • leichten Beschwerden bis hohes Fieber mit Muskelschmerzen und Kopfschmerzen können auftreten
  • im Intimbereich tritt ein brennender Schmerz auf
  • Schmerzen beim Wasserlassen

 Scheidenpilz

  • Brennen im Vaginalbereich
  • massiver Juckreiz
  • Rötungen und Schwellungen
  • Wasserlassen verbunden mit Schmerzen

Tripper

Bei Männern

  • Brennender und stechender Schmerz in der Harnröhre
  • Ausfluss (gelbe schleimige Flüssigkeit), der zunächst gering ist, dann aber schnell an Menge zunimmt
  • eitriger Stuhlgang begleitet von Schmerzen

Bei Frauen

  • teilweise übel riechender Ausfluss aus der Scheide
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Kontaktblutungen oder eitriger Ausfluss ist möglich
  • entzündet sich die Gebärmutter, kommt es zu Fieber und Schmerzen im Unterbauch

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 15. November 2018 | 17:00 Uhr

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