Ernährung Wie viel Trockenobst ist noch gesund?

Apfelchips, Backpflaumen, Softaprikosen: Getrocknetes Obst ist im Trend. Es lässt sich unkompliziert naschen und ist auch oft Bestandteil von Müslimischungen und Energieriegeln. Doch Ernährungswissenschaftler raten zu bewusstem Konsum. Wir erklären, warum.

Verschiedene Trockenfrüchte
Die Auswahl an Dörrobst ist groß, sehr zur Freude vieler Müsli-Liebhaber. Bildrechte: Colourbox.de

Trockenfrüchte enthalten sehr viel Zucker. Wer abnehmen will, sollte sich daher hier zurückhalten, rät Ernährungstherapeutin Prof. Dorothea Portius. Aber auch Menschen, die weder übergewichtig noch zuckerkrank sind, sollten bedenken: "Der in getrocknetem Obst enthaltene Fruchtzucker lässt den Blutzuckerspiegel schneller ansteigen, als würden wir frisches Obst essen. Denn durch den Trocknungsprozess ist der Zucker konzentriert.“

Zu viel kann abführend wirken

Internationale Leitlinien empfehlen 40 Gramm Trockenobst täglich. Das sind zum Beispiel, je nach Größe, etwa vier Stück getrocknete Aprikosen, zwei bis vier Datteln oder ungefähr zwei gehäufte Esslöffel (etwa 120) Sultaninen. Bei gesteigertem Verzehr wirkt Dörrobst aufgrund des hohen Zuckergehaltes jedoch abführend. Der Stuhlgang wird weich, es kann zu Durchfall kommen. Diese Eigenschaft nutzten frühere Generationen: "Backpflaumen" waren als natürliches Abführmittel bekannt.

Backpflaumen in einer Schale
Backpflaumen werden auch gerne als Kochzutat verwendet. Bildrechte: imago/Westend61

Auch Verstopfung möglich

Der Genuss von zu viel Trockenobst könne, wenn man zu wenig trinkt, aber auch das Gegenteil bewirken, mahnt Ernährungsberaterin Dorothea Portius: "Trockenfrüchte sind sehr reich an Ballaststoffen. Diese an sich günstige Eigenschaft kann sich ungünstig auswirken, wenn zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird. Dann können die Ballaststoffe sich zu einem festen Klumpen zusammenballen. Wenn dieser in einer Darmkurve hängenbleibt, haben wir eine Verstopfung.“ Es gäbe also Für und Wider.

Eine Alternative für Zuckerersatz

Peter Dreverhoff, Leiter der Ernährungsschule "RohAkademie" in Buxtehude (Niedersachsen), nutzt Trockenobst auch als Ersatz für handelsüblichen Zucker: "Industriezucker enthält zwar Energie, die wir zum Leben benötigen, die Nährstoffe aber sind ihm entzogen. Trockenobst bietet zusätzlich zum enthaltenen Zucker sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralstoffe, Vitamine und zwar alles in konzentrierter Form."

Er empfiehlt daher, sie anstelle von Zucker auch zum Süßen von Speisen, von gemixten Getränken oder von Saucen zu verwenden: "Wenn ich ein Salatdressing herstelle, kann ich neben Olivenöl, Knoblauch, Zwiebeln, Ingwer, Tomaten und was man sonst so alles hineintut, auch ein wenig Dörrobst mit in den Mixer geben. Das verfeinert das Aroma."

Industriell verarbeitetes Dörrobst: mögliche Nebenwirkungen

"Was an Obst und Gemüse auf der Welt wächst, kann man heute im Lebensmittelmarkt kaufen", sagt Dr. Carsten Lekutat, Allgemeinmediziner und "Hauptsache Gesund"-Moderator. "Die meisten Produkte sind industriell verarbeitet, enthalten Schwefel als Konservierungsstoff, damit die Früchte schön aussehen. Solche Zusatzstoffe können bestimmte Hauterkrankungen befördern, wie Akne und Neurodermitis."

Die Forschung mache bestimmte Zusatzstoffe für eine stetig wachsende Zahl an Patienten mit verantwortlich, die auf Lebensmittel hypersensibel reagierten, das heißt Allergien entwickeln. Der Arzt kritisiert auch, dass Trockenfrüchte zusätzlich gezuckert angeboten werden. Mitunter merke der Konsument das nicht einmal: "Ein Beispiel: Cranberris sind gerade 'in'. Das sind Früchte, die von Natur aus säuerlich schmecken. Das kann ein Grund sein, dass Menschen sie nicht essen, weil viele auf einen süßen Geschmack fixiert sind. Also zuckern manche Hersteller diese Beeren. So verkaufen sie sich besser."

Teils werde sogar Öl bei der industriellen Herstellung verwendet, etwa für Gemüsechips, weiß Dr. Lekutat: "Ich bin sehr dafür, Gemüse zu essen. Bei den empfohlenen täglichen fünf Portionen Obst und Gemüse sollte das Gemüse immer einen deutlichen 'Sieg' davontragen. Aber Gemüsechips muss man nicht in Fett frittieren", meint der Arzt. Zuhause stelle erauch selber Chips her, aber in einem speziellen Trockengerät für Lebensmittel.

Selber trocknen: So geht's

Ernährungs-Coach Peter Dreverhoff empfiehlt, stets ungespritzte frische Ware einzukaufen: "Nicht nur wertvolle Inhaltsstoffe konzentrieren sich beim Trocknungsprozess, auch unerwünschte Zusatzstoffe tun das. Am besten, Sie verwenden frisches Obst und Gemüse aus dem regionalen Biohandel oder beziehen direkt beim Landwirt Ihres Vertrauens, bei dem Sie sicher sein können, dass der keine Pestizide verwendet."

Die einfachste Art zu trocknen sei an der Luft: "So haben es schon unsere Vorfahren gemacht. Trocknen ist eine der ältesten Methoden, Lebensmittel haltbar zu machen. Nicht zufällig wurde Dörrobst in einer Region erfunden, in der die Sonne besonders lange und intensiv scheint: im Nahen Osten."

Dünne Scheiben aufs Trockengitter

"Obst muss vor dem Trocknen entkernt bzw. entsteint werden. Für Äpfel verwenden Sie einen Apfelausstecher. Scheiben sollten möglichst dünn sein, auf keinen Fall dicker, als fünf Millimeter", sagt der Ernährungs-Coach. Zum Trocknen an der Luft empfiehlt er Trockengitter, die man im einschlägigen Handel und auch übers Internet beziehen kann.

Allerdings sollten die Gitter nicht zu engmaschig sein, weil sonst von unten nicht ausreichend Luft an das Trockengut komme. Im Sommer könne man den Trockenrost im Freien aufgebockt in die Sonne stellen, in der kalten Jahreszeit auf eine Heizung legen. Nachteil dieser Methode sei aber, dass Luftschadstoffe und Staub sich auf dem Lebensmittel festsetzten.

Auch möglich: Trocknung im Backofen

Das Trocknen im Backofen empfiehlt der Experte eher "zum Ausprobieren": "Man muss im Prinzip die ganze Trocknungszeit über die Ofentür einen Spalt geöffnet halten, in dem man zum Beispiel einen hölzernen Kochlöffel in die Backofentür klemmt. Tut man das nicht, kann die Feuchtigkeit nicht abziehen, das Trockengut bleibt matschig."

Der Ofen sollte auf die niedrigste Temperaturstufe, maximal auf 40°C, und Umluft eingestellt werden, weil sich die Wärme dadurch in der gesamten Backröhre gleichmäßig verteilt. Besonders energieeffizient sei die Verwendung des Backofens natürlich nicht. Die Geräte sind zum Trocknen nicht konstruiert.

Ideal ist ein Dörrautomat

Wer häufiger trocknen und größere Mengen herstellen möchte, dem empfiehlt Dreverhoff die Anschaffung eines professionellen Dörrautomaten. Günstige Geräte für "Anfänger" sind bereits für unter 100 Euro im Handel erhältlich.

Als Genussmensch hat er aber einen persönlichen Favoriten: "Ich liebe Dörrautomaten, die mit Infrarotstrahlen funktionieren. Die sind teurer, aber die Wärme dringt gleichmäßiger in die Zellen des Trockenguts ein. Darum ist der Geschmack besser, als bei Geräten, die nur mit warmen Luftströmen arbeiten."

Blattgrün im Dörrgerät 1 min
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MDR FERNSEHEN So 30.08.2020 08:30Uhr 01:06 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/geniessen/kraeuter-trocknen-solar-doerrgeraet-100.html

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Quelle: MDR Hauptsache Gesund

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 30. September 2021 | 21:00 Uhr

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