Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio

Leben

GesundheitRezepteGartenFamilienlebenLifestyleRechtFinanzenDigitalesMobilität
Milchbezeichnungen werden immer kreativer, doch werden auch die Unterschiede bei Haltung der Kühe und beim Geschmack größer? Bildrechte: imago images/U. J. Alexander

ErnährungBio-, Heu- und Weidemilch: Wo ist der Unterschied?

von Jana Olsen, Hauptsache Gesund

Stand: 17. August 2022, 05:00 Uhr

Auf Milchpackungen finden sich immer speziellere Bezeichnungen. Wir erklären, was drin ist, wenn Bio-Milch, Heumilch, Weidemilch, Landmilch oder Alpenmilch draufsteht. Und wir bringen Licht ins Dschungel der Bio-Siegel.

Milch-Bezeichnungen und was wirklich dahinter steckt

Bio-Milch

Die Anforderungen für Biomilch sind in der EU-Bio-Verordnung klar geregelt. Die Tiere müssen Zugang zur Weide haben und im Winter genug Bewegungsfreiheit im Stall. Gentechnisch verändertes Futter und vorbeugende Medikamente sind verboten. Die ökologische Bewirtschaftung wird einmal im Jahr von unabhängigen Stellen kontrolliert. Der Begriff "Biomilch" auf einer Verpackung garantiert einen hohen Standard an Haltung und Fütterung der Kühe.

Heumilch

Der Begriff Heumilch fokussiert auf die Ernährung. Hier bekommen die Kühe tatsächlich nur frisches Gras, Heu und Getreide gefüttert. Die Bezeichnung Heumilch ist EU-weit gesetzlich geschützt, festgelegte Produktionsstandards müssen erfüllt werden. Der Begriff sagt allerdings nichts über die Haltungsform der Kühe aus, also wie viel Platz sie beispielsweise im Stall haben müssen. In der Regel ist aber davon auszugehen, dass eine hohe Anforderung an die Ernährung mit einem hohen Niveau der Haltung einhergeht.

Weidemilch

Weidemilch ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Wie lange die Tiere tatsächlich auf der Weide stehen, ist nur bedingt definiert. So gibt es seit 2017 das Label "Pro Weideland“. Milch, die demnach als Weidemilch bezeichnet wird, muss von Kühen stammen, die an 120 Tagen pro Jahr je sechs Stunden Weideauslauf haben müssen.

Landmilch

Der Begriff Landmilch suggeriert glückliche Kühe vor idyllischer Kulisse, ist aber eher ein Marketingbegriff. Er sagt nichts über Haltung oder Fütterung der Tiere aus. Landmilch kann im Prinzip auf jede Verpackung gedruckt werden, die nicht in der Großstadt produziert wird.

Alpenmilch

Auch Alpenmilch ist als Begriff nicht gesetzlich geschützt und sagt nichts über die Haltung und das Futter der Milchkühe aus.

FazitBiomilch aus der Region sollte die beste Wahl sein. Sie garantiert die kürzesten Transportwege und die höchsten Standards an Fütterung und Haltung der Tiere. Auch Heumilch muss nachweislich hohe Standards erfüllen.

Welche Bio-Siegel gibt es?

Es ist eigentlich kaum zu glauben, aber in Deutschland gibt es mehr als 100 verschiedene Biosiegel und Ökolabels. Wie soll man da als Verbraucher durchblicken? Wir geben einen Überblick über die bekanntesten.

EU-Biosiegel

2010 hat die Europäische Union das EU-Biosiegel eingeführt. Es muss auf allen Bio-Lebensmitteln, die in der EU produziert werden, aufgebracht sein. Es dürfte daher in deutschen Supermärkten am häufigsten zu finden sein. Grundanforderungen des Siegels sind eine artgerechte Tierhaltung, Futter aus Bio-Anbau und das Weglassen von chemischen Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln. Die Hersteller, die dieses Siegel tragen dürfen, werden mindestens einmal im Jahr von einer Kontrollstelle überprüft. Über einen Code auf der Verpackung lässt sich die Kontrolle zurückverfolgen.

Deutsches Bio-Siegel

Neben dem EU-Siegel findet sich auf vielen Produkten nach wie vor noch das sechseckige Deutsche Bio-Siegel. Im Prinzip steht es für die gleichen Anforderungen wie das EU-Siegel. Es wurde 2001 eingeführt, gilt bei Verbrauchern daher traditionell als vertrauenswürdig und wird daher freiwillig noch auf Produkte gedruckt.

Demeter

Demeter ist der älteste Anbauverband in Deutschland. Seit fast 100 Jahren haben sich seine Mitglieder der ökologischen Landwirtschaft verschrieben. Die Demeter-Gemeinschaft sieht den Hof als eigenen Kreislauf. Demeter geht mit seinen Richtlinien über die gesetzlichen Anforderungen der EU-Öko-Verordnung hinaus, insbesondere was die Tierhaltung anbelangt. So wird Wert auf mehr Auslauffläche gelegt und die Tiere werden nur mit Futter aus eigenem Anbau gefüttert.

Bioland

Auch der Anbauverband Bioland sieht den Hof als geschlossenen Betriebskreislauf. Es wird unter anderem auf die langfristige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit geachtet. Futtermittel stammen weitgehend aus dem eigenen Betrieb, erkrankte Tiere werden naturheilkundlich behandelt. Bioland bietet schon seit 1976 seine Produkte an. Es gibt die Marke inzwischen auch in Supermärkten und Discountern wie etwa bei Lidl.

Gäa e.V.

Der Verband Gäa e.V. wurde 1988 in Dresden gegründet, anfangs als unbequeme Protestgruppe, um gegen die Umweltzerstörung in der DDR zu kämpfen. Nach der Wiedervereinigung war das Ziel, vor allem den ökologischen Anbau in den neuen Bundesländern zu fördern. Heute hat der Verband Mitglieder in ganz Deutschland und ist unter anderem spezialisiert auf Kräuter- und Beerenanbau, Bienenhaltung und Teichwirtschaft. Die Gäa-Richtlinien gehen in vielen Punkten über die EU-Ökoverordnung hinaus.

Tipps

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 18. August 2022 | 21:00 Uhr