Ernährung Gesunde Delikatessen aus dem Wald selbst sammeln

Bärlauch, Brennnessel und Fichtennadeln lassen sich leicht gesund zubereiten. Wir haben Rezepte dafür und sagen, was beim Sammeln beachtet werden muss. Außerdem: Tipps zur Herstellung von entzündungshemmendem Harzbalsam.

Eine Brennnesselpflanze
Die Brennnessel ist die Heilpflanze des Jahres 2022. Hier finden Sie ein Rezept für Brennnessel-Chips. Bildrechte: dpa

Ein Spaziergang im Wald dient nicht nur der Erholung. Wer weiß, wonach er sucht, findet hier auch gesunde Nahrung – und zwar nicht nur in Form von Pilzen. Und die Auswahl ist riesig, erklärt Angelika Künzel, Kräuterpädagogin und Gründerin der Kräuterschule Oederan: "Waldsauerklee, die Samen der Springkräuter und der Brennessel, die Blüten von der Teufelskralle, Blüten und grüne Samen vom Wilden Silberblatt, Wildfrüchte wie Blaubeeren, Him- und Brombeeren, Bucheckern in Maßen, junge Blätter von Birke, Buche oder Linde, Blüten vom Spitzahorn, die Samen in den grünen Hüllen vom Ahorn oder Maitriebe von Fichte, Tanne oder Lärche".

Bei entsprechender Verarbeitung ließe sich diese Liste noch um einiges erweitern: "Man denke z.B. an Schlehen, Vogel- und Holunderbeeren oder die Hagebutten." Aus denen lässt sich von Marmelade oder Gelee über Likör bis hin zu Saft oder Sirup vieles für die Vorratskammer zaubern.

Sehr nährstoffreich: Brennnessel, Löwenzahn, Bärlauch

Auch wilde Kräuter wie Brennessel, Löwenzahn und Bärlauch findet man in der Natur, und die stehen Salaten aus dem Supermarkt in nichts nach. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass sich in wilden Pflanzen mehr Nährstoffe befinden als in konventionell angebauten, sagt Angelika Künzel: "Wildpflanzen müssen sich selbst schützen, beispielsweise vor zu intensiver Sonneneinstrahlung, zu viel Feuchtigkeit – hier droht Fäulnis – oder vor Fraßfeinden und Mikroorganismen. Dafür produzieren sie besondere Inhaltsstoffe wie Bitterstoffe, ätherische Öle oder Flavonoide, um nur einige wenige zu nennen. Auch mit Vitaminen oder Mineralstoffen sind sie bestens ausgestattet. Denken Sie nur an die ungeliebte Brennessel: reich an Eisen, Kieselsäure, Kalzium und Kalium, ebenso wie an Vitaminen A, B2, B5, C, E und K." Wer die wilden Kräuter nicht gleich verarbeitet, beispielsweise in Salaten, Tees oder grünen Smoothies, sollte sie in gut schließenden Dosen im Kühlschrank aufbewahren. Alternativ kann man sie in Bündeln zum Trocknen aufhängen.

Sammeln: Für den Eigenbedarf erlaubt

Achtung: Wer sich in der Natur bedient, muss sich an Regeln halten. In kleinen Mengen ist das Sammeln unproblematisch: "Als Privatperson darf ich Pflanzen bzw. Pflanzenteile für den Eigenbedarf sammeln", erklärt die Kräuterexpertin. Als Grundregel gelte: einen Handstrauß voll. Tabu sei die Mitnahme von geschützten Pflanzen. Hier kann es je nach Bundesland regionale Unterschiede geben. Künzel rät deshalb dazu, sich im Vorfeld kundig zu machen. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Wildpflanzen nicht erlaubt.

Carsten Lekutat 44 min
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Harze sammeln: Niemals einen Baum verletzen!

Wer Harze sammeln will, beispielsweise zur Herstellung eines Harzbalsams, kann dies an Fichten, Kiefern, Tannen und Lärchen tun. Niemals jedoch, mahnt Künzel, dürfe ein Baum dafür z.B. durch Anritzen der Rinde verletzt werden.

Nadelbäume, die bereits Verletzungen aufweisen – etwa durch umgestürzte benachbarte Bäume oder abgebrochene Äste – verschließen ihre Wunden mit Harz. Daran kann man für sich den eigenen Bedarf bedienen, indem man das Harz mit einem kleinen Stock oder Zweig in einem mitgebrachten Behältnis auffängt. Angelika Künzel empfiehlt dabei das Tragen von Einmalhandschuhen. Was dennoch an den Händen gelandet ist, löst sich am besten mit einem pflanzlichen Öl.

Birke, Fichte, Weide und Co: So gesund sind sie

  • Birke: Ihre Blätter wirken durchspülend, harntreibend und entzündungshemmend.
  • Esche: Sowohl Blätter als auch Rinde wirken entzündungshemmend, harntreibend und schmerzlindernd.
  • Eiche: Hier ist die Rinde heilsam. Sie wirkt zusammenziehend, blutstillend, juckreizlindernd, und entzündungshemmend.
  • Fichte, Kiefer, Lärche oder Tanne: Ihr Harz desinfiziert, fördert die Wundheilung und wird hautreizend als „Zugsalbe“ eingesetzt.
  • Kastanie: Ihre Früchte wirken venenstärkend und entzündungshemmend.
  • Pappel: Die Knospen der Pappel wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und lindernd bei Verbrennungen.
  • Wacholder: Wacholderbeeren gelten als harntreibend, verdauungsfördernd und keimhemmend.
  • Weißdorn: Sowohl Blüten als auch Blätter und Beeren stärken das Herz, fördern die Durchblutung und entspannen die Gefäße.
  • Weide: Weidenrinde wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und antirheumatisch.

Rezepte: Harzbalsam, Fichtensenf und Brennnessel-Chips

Harzbalsam wirkt u.a. desinfizierend, antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend und wird eingesetzt zur Versorgung von Wunden, bei Ekzemen oder rissiger Haut. Wegen seiner schleimlösenden Wirkung kann der Balsam auch als Brust- und Rückensalbe bei Husten eingesetzt werden.

Außerdem ist Harz in Form von Salbe oder Balsam ein Klassiker als "Zugsalbe" bei eingezogenen Splittern. Darüber hinaus wirkt der Harzbalsam durchblutungsfördernd und schmerzlindernd und kann als Einreibung bei Muskelkrämpfen, Zerrungen oder Nervenschmerzen helfen.

Harzbalsam selber herstellen

– ein Rezept von Angelika Künzel –

Zutaten:

  • ca. 50-70 g Harz von Nadelbäumen
  • Nadeln von Lärche, Fichte, Tanne oder Kiefer
  • 200 ml Olivenöl
  • ca. 20-25 g Bienenwachs

Herstellung:

  • Nadeln zerkleinern und zusammen mit Olivenöl und Harz in einen Topf geben. Unter Rühren auf 50 - max. 70 °C erwärmen und etwa 1 Stunde bei dieser Temperatur ausziehen lassen. Dabei immer wieder rühren.
  • Anschließend das Öl durch ein Sieb (oder Teefilter) filtern. Das Auszugsöl wieder in einen Topf geben, Bienenwachs hinzufügen und alles erwärmen, bis das Bienenwachs (bei ca. 65°C) geschmolzen ist.
  • In kleine Dosen abfüllen.
  • Haltbarkeit: bis zu 2 Jahre

Kurkuma
Kurkuma gibt dem Fichtensenf eine besondere Farbe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fichtensenf: lecker und schnell gemacht

– ein Rezept von Angelika Künzel –

Zutaten:

  • ca. 50 g junge Triebe von der Fichte (Maitriebe)
  • 50 ml Weißweinessig
  • 10 g gemahlene Senfsamen
  • 15 g Mehl
  • flüssiger Honig oder Agavendicksaft
  • Salz, Pfeffer, Kurkuma (gemahlen)

Zubereitung:

  • Maitriebe grob zerkleinern und anschließend mit dem Essig fein pürieren.
  • Gemahlenen Senfsamen, Mehl und Kurkuma hinzugeben und gut verrühren.
  • Mit Salz, Pfeffer und Honig abschmecken.
  • In saubere Gläser abfüllen, kühl und trocken lagern.

Quelle: MDR Hauptsache gesund

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund extra: Heilsames aus dem Wald | 29. Juli 2021 | 05:00 Uhr

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