Cannabis auf Rezept Hanf – ein Heilmittel mit Tradition

Hanf wurde schon im alten China als Heilmittel eingesetzt: gegen Malaria, Rheuma, Schmerzen und bei Entzündungen. Heute liegen Produkte mit den Wirkstoffen aus der Hanf-Familie voll im Trend. Sie sollen nach wie vor beruhigen, entzündungshemmend wirken und eine ausgleichende Wirkung erzielen. Dr. Thomas Dietz klärt auf.

Hanf zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt. Seit 1996 darf Nutzhanf in Deutschland angebaut werden – allerdings ausschließlich von Landwirten mit einer speziellen Lizenz – und seitdem, findet es sich in immer mehr Produkten.

In den Regalen von Supermärkten und Drogerien finden sich zum Beispiel Hanfmilch, Hanföl, Hanftee, Hanfsamen und Hanfmehl, und selbst Kosmetikprodukten wie Lippenbalsam oder Flüssigseife wird Hanf zugefügt. Vor allem die Samen der Pflanze und das daraus gepresste Öl gelten als äußerst gesund.

Ist ein unbeabsichtigter Rausch möglich?

Viele Verbraucher sind angesichts dieser neuen Produkte aber verunsichert und fürchten einen unbeabsichtigten Rausch. Nutzhanf ist jedoch kein Rauschmittel, da sein Tetrahydrocannabinol (THC)-Gehalt mit 0,2 Prozent nur sehr gering ist. 

Dennoch können hanfhaltige Lebensmitteln, die ganz oder teilweise aus Blättern oder Blüten der Pflanze hergestellt sind, höhere THC-Werte aufweisen. Gerade bei Vielverzehrern, Kindern oder Schwangeren seien dadurch gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich, warnt die Verbraucherzentrale. Hanfsamen enthalten natürlicherweise kein THC.

Eine Hanfpflanze steht auf einem Feld.
Nutzhanf ist kein Rauschmittel. Bildrechte: dpa

Cannabis: Wirksames Medikament in der Schmerztherapie

Der Extrakt der Hanfpflanze, Cannabis, ist in Deutschland verboten. Dabei ist Cannabis, als getrocknete Blüten (Marihuana) oder Harz (Haschisch), nicht nur ein Rauschmittel, sondern auch ein sehr wirksames Medikament, das vor allem in der Schmerztherapie eine besondere Rolle spielt.

Bis vor Kurzem waren Cannabis-Medikamente in Deutschland nur bei Spastiken und Multipler Sklerose zugelassen. Seit gut einem Jahr gibt es nun auch bei anderen schwerwiegenden Erkrankungen einen Anspruch darauf, Cannabis-Medikamente verordnet zu bekommen.

Rechtliche Lage in Deutschland

Während Hanf-Lebensmittel, Hanf-Kosmetikprodukte und CBD-Öle frei verkäuflich sind, ist der Erwerb und Besitz der THC-haltigen Blüten und blütennahen Blättern strafbar.

Seit März 2017 gelten Marihuana und Cannabis allerdings als verkehrs- und verschreibungsfähiges Arzneimittel, das theoretisch von jedem Arzt verschrieben werden kann, wenn dieser den Einsatz als sinnvoll erachtet.

Wer erhält Cannabis auf Rezept?

Cannabis ist nicht das Mittel der ersten Wahl, denn es hilft nicht jedem: Ärzte verordnen Cannabis-Produkte – wie zum Beispiel Dronabinol-Tropfen – chronisch kranken Patienten, die gängige Schmerzmittel nicht mehr vertragen oder deren Schmerzmittel nicht mehr wirken.

Am ehesten wirkt Cannabis gegen Schmerzen, die im Nervensystem entstehen. Vor allem spastische und neuropathische Schmerzen, die oft nach einer Strahlentherapie bei Krebspatienten auftreten, lassen sich damit recht effektiv lindern. Auch bei Phantomschmerzen nach Amputationen kann Cannabis hilfreich sein. Ärzte dürfen gegebenenfalls die reinen Blüten verschreiben oder Cannabis-Präparate in Form von Kapseln, Tropfen, Öl oder als Mundspray.

So wirkt Cannabis

Cannabis enthält mehr als 100 Wirkstoffe. Die beiden wichtigsten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD):

  • THC hebt die Stimmung, verändert die Wahrnehmung (benebelt) und lindert Schmerzen.
  • CBD wirkt gegen Entzündungen, lindert Krämpfe, nimmt Angst und lindert Schmerzen.

Cannabis hat Vorteile, die andere Wirkstoffe nicht haben: Der Körper produziert selbst ganz ähnliche Stoffe, die sogenannten Endo-Cannabinoide, die ihre Wirkung über verschiedene Rezeptoren entfalten, die auch für eingenommene Cannabis-Wirkstoffe empfänglich sind. Der Rezeptor CB1 kommt im zentralen Nervensystem und vielen anderen Organen vor, lindert Angst, Stress, Unruhe und Schmerzen. Der Rezeptor CB2 sitzt in den Immunzellen von Lunge und Darm und wirkt antientzündlich.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nebenwirkungen und Suchtrisiken sind immer mit dem behandelnden Arzt abzuklären. Auch wenn Cannabis eine Pflanze, also ein Naturprodukt ist, heiß das nicht, dass es ungefährlich und nebenwirkungsfrei ist.

Medizinisches Cannabis enthält unter anderem die Wirkstoffe THC und CBD (Cannabidiol). THC ist wirkt schmerzlindernd und entspannend, CBD entzündungshemmend – das sind medizinisch positive Eigenschaften.

Folgende Nebenwirkungen können auftreten: Angstzustände, Augenreizungen, trockene Augen, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Herzrasen, Blutdruckabfall, Lethargie, Psychosen, Leistungsabfall, Schwindel, Wahnvorstellungen.

Auch CBD-Öl ist nicht berauschend

Neben Hanf in Lebensmitteln und Kosmetikprodukten gibt es auch Cannabidiol, kurz CBD, als Öl in den Drogeriemärkten zu kaufen. Dieses Öl fällt unter die Nahrungsergänzungsmittel und hat keine psychoaktive Wirkung. Es soll entkrampfend, entzündungshemmend und angstlösend wirken. Es enthält kein berauschendes THC. 

Welche Erfahrungswerte gibt es?

Es gibt noch zu wenige Erfahrungswerte und Studien zu Wirksamkeit, Langzeit- und Nebenwirkungen, weil Cannabis aufgrund der früheren Gesetzeslage nicht eingesetzt und untersucht werden durfte. Zu hoch dosiert, kann zum Beispiel Cannabis-Spray das Kurzzeitgedächtnis einschränken.

Cannabis-Medikamente sind nicht geeignet für Patienten mit depressiven Störungen oder anderen psychiatrischen Erkrankungen sowie für Patienten mit Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen oder Schwangere.

Hanfsamen als Superfood: Reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Hanfsamen enthalten mehr als 30 Prozent pflanzliches Eiweiß sowie Mineralstoffe wie Zink und Eisen und Vitamine. Zudem seien Hanfsamen reich an essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

Hanfnüsse auf einem Hanffeld
Hanfsamen. Bildrechte: dpa

Hanf verträgt keine Hitze. Daher sollten Hanfsamen nicht geröstet und Hanföl, das aus den Samen gepresst wird, nur für kalte Gerichte verwendet werden. Hanföl wird zudem schnell ranzig, weshalb es immer im Kühlschrank aufbewahrt und innerhalb von drei Monaten nach Anbruch verbraucht werden sollte.

Aus Hanfsamen kann auch Mehl gewonnen werden. Da es keine Stärke enthält, eignet es sich zwar nicht zum Backen, kann aber gut zum Anreichern von Speisen genutzt werden. Es ist reich an Ballaststoffen. Hanfsamen können auch pur zum Beispiel im Müsli oder Salat verzehrt werden.

Info Der Preis für die Superfood-Produkte ist mit zehn bis 20 Euro für 500 Gramm Samen, zehn Euro für ein Fläschchen Öl oder sechs Euro für einen Liter Hanfmilch hoch.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. August 2021 | 17:00 Uhr

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