Gesundheit Richtig trinken: Kann zu viel Wasser schädlich sein?

Unser Körper braucht im Durchschnitt zwischen 1,5 und 2 Liter Flüssigkeit am Tag. Was viele nicht wissen: Wer den Großteil des täglichen Flüssigkeitsbedarfs schon am Vormittag deckt, kann damit Durst und Kopfschmerzen vorbeugen. Und Trinken hilft auch beim Abnehmen. Aber kann ein Zuviel an Wasser auch gefährlich für den Körper werden? Wie Sie richtig trinken, klärt Gesundheitsexperte Dr. Thomas Dietz.

Unser Körper besteht zu mehr als der Hälfte aus Wasser. Ohne diese lebenswichtige Flüssigkeit kann er nicht funktionieren.
Unser Stoffwechsel braucht ständig Wasser für viele Funktionen und für die Organe, auch im Schlaf.

Wasser wird aus einer Glaskanne in ein Glas gegossen
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Und, unser Körper verliert täglich etwa 2,5 Liter Flüssigkeit über den Urin, den Stuhl, die Haut und die Atmung. Dies muss wieder aufgefüllt werden. Dafür sollten mindestens diese eineinhalb bis zwei Liter Wasser getrunken werden. 
Wasser ist nicht nur Wärmeregulator, sondern auch Transport- und Lösungsmittel sowie flüssiger Baustein.

Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Jeder Erwachsene solle laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich eineinhalb bis zwei Liter Wasser zu trinken.
Nachlesen kann man die Richtwerte für alle Altersklassen auf der Seite der DGE.

Besonders wichtig ist Wasser für:

  • das Blut: 90 Prozent Wasser
  • das Gehirn: 70 Prozent Wasser,
  • die Nieren: Sie filtern etwa 180 Liter Blut täglich
  • die Muskeln: Wasser dient ihnen auch als Baustoff
  • die Leber: die Entgiftungszentrale funktioniert mit Wasser
  • die Haut: für die Schweißdrüsen
  • die Bandscheiben: Wasser sorgt für ihr Volumen

Wasser
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Körperliche Anstrengungen, Hitze oder Krankheiten wie Durchfall und Erbrechen erhöhen den Bedarf an Wasser noch zusätzlich.
Wasser sorgt also dafür, dass die Stoffwechselvorgänge optimal funktionieren. Das heißt, dass mehr Nährstoffe in die Zellen transportiert werden können. Die Folge: mehr Energie und eine verbesserte Leistungsfähigkeit

Richtig trinken

Der Körper braucht ca. zwischen eineinhalb und zwei Liter Flüssigkeit am Tag.

Doch leider ist laut Experten ein schleichendes Flüssigkeitsdefizit sehr verbreitet, weil viele Menschen zu wenig trinken: Viele Menschen hierzulande, insbesondere auch Kinder, liegen regelmäßig rund 20 Prozent unterhalb der optimalen Trinkmenge.

Sie trinken nur zu den Mahlzeiten, oft erst abends, oder erst, wenn sie schon starken Durst verspüren. Das ist falsch.

Richtig über den Tag verteilt, steigert Flüssigkeit, Wasser, die Leistungsfähigkeit und kann sogar beim Abnehmen helfen.

Schwarzweißaufnahme eines vollen Wasserglases neben einer ebenfalls mit Wasser gefüllten Glaskaraffe
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Trinken vor und während der Mahlzeiten senkt den Appetit und kann dadurch beim Abnehmen helfen. Im Gehirn liegen die Bereiche für Hunger und Durst eng beieinander. Das kann dazu führen, dass wir ein Hungergefühl verspüren, obwohl der Körper Flüssigkeit braucht. Experten raten, bei aufkommendem Hunger zunächst ein Glas Wasser zu trinken und dann zu warten, ob das Hungergefühl anhält.

Viele glauben, dass Trinken zum Essen die Magensäure verdünnt – doch dafür gibt keinen Beweis.
Ein Glas Wasser nach dem Aufstehen z.B. kann dabei helfen, dass man sich fitter fühlt.
Im Schlaf reduziert der Körper den Wasserverbrauch. Doch vor allem nach einer zu kurzen Nacht können die Reserven am Morgen trotzdem aufgebraucht sein. Dann schüttet der Körper nicht genug von einem Hormon aus, das den Wasserverbrauch während des Schlafs reduziert.
Wer am Vormittag dann schon ausreichend trinkt, kann übermäßigem Durst und Kopfschmerzen am Nachmittag vorbeugen.

Kann man auch zu viel trinken?

Eindeutige Antwort: JA!
Nimmt man mehr Flüssigkeit zu sich als der Körper ausscheidet, bleibt die Flüssigkeit im Kreislauf und verdünnt das Blut. Dadurch sinkt die Salzkonzentration im Blut. Ist ein bestimmter Wert unterschritten, drohen Muskelschwäche, Desorientierung,  epilepitsche Anfälle; in ganz seltenen Fällen kann es auch tödlich enden.
Bei Trinkwettbewerben kam es bereits zu Todesfällen. Grund dafür ist meist eine sogenannte Hyponatriämie, auch Wasservergiftung genannt.

Symptome für eine Wasservergiftung - Benommenheit
- Übelkeit
- Kopfschmerzen
- Krampfanfälle

Das Durstgefühl lässt im Alter nach

Eine grauhaarige Frau hat ein Glas Wasser mit Zitrone in der Hand
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Mit dem Durstgefühl signalisiert der Körper, dass er Flüssigkeit braucht. Ab Ende 20 wird das Gefühl für Durst jedoch immer unzuverlässiger. Durst kann sich dann zum Beispiel durch Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsschwäche oder Kopfschmerzen bemerkbar machen.
Um solchen Beschwerden vorzubeugen, sollte man mit zunehmendem Alter auch ohne Durstgefühl regelmäßig über den Tag verteilt Wasser trinken.
Senioren zum Beispiel trinken oft zu wenig und können lebensbedrohlich austrocknen. Schuld daran ist ein Hirnareal, das im Alter weniger zuverlässig funktioniert.

Aber auch Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, wie Nierenproblemen oder Diabetes, sollten sich nicht nur auf ihren Durst verlassen.
Nach dem Trinken dauert es etwa eine halbe Stunde, bis sich die Flüssigkeit im gesamten Körper verteilt hat und die Beschwerden abnehmen.

Und was ist gesünder: Sprudel oder stilles Wasser?

Beide Wassersorten sind gesund, sie wirken aber unterschiedlich auf den Körper.

Ein Eiswürfel fällt in ein Glas mit Wasser.
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Bei sprudelndem Wasser wird die Mundschleimhaut besser durchblutet und der Speichelfluss wird angekurbelt. Die Verdauung wird angeregt, da viel Luft in den Magen gelangt. Es kann allerdings auch zu Blähungen, Völlegefühl und Aufstoßen führen.
Eine Übersäuerung kann Wasser mit Kohlensäure nicht verursachen, es wirkt auf den  Säure-Basen-Haushalt nicht sauer, sondern neutral. Und der Mythos, dass Kohlensäure Kalzium aus den Knochen löse, ist falsch.
Wer einen eher gereizten Magen hat, sollte stilles Wasser trinken, denn Kohlensäure fördert die Bildung von Magensaft. Und wer stilles Wasser mag, der kann getrost Leitungswasser trinken. Das Wasser wird in den Wasserwerken nach der Trinkwasserverordnung kontrolliert.

Trinktipps

  1. Starten Sie mit einem Glas Wasser in den Tag.
  2. Wenn Sie jeden Tag nach dem Aufstehen ein Glas Wasser trinken, haben Sie sofort etwas für Ihren Wasserhaushalt getan.
  3. Stellen Sie immer eine Wasserflasche oder ein großes Glas Wasser in Reichweite.
  4. Die sichtbare  Erinnerung an das Trinken durch ein Glas ist auch etwas für den Arbeitsplatz, denn dort vergessen viele das Trinken.
  5. Trinken Sie vor, während oder nach den Mahlzeiten. Wenn Sie regelmäßig ein Glas Wasser oder ein Saftschorle zum oder nach dem Essen trinken, wird daraus eine Gewohnheit.
  6. Alkohol entzieht dem Körper Wasser. Daher ist wichtig zum Glas Wein oder Bier ein Glas Wasser zu trinken. Das füllt nicht nur den Wasserhaushalt im Körper auf, sondern beugt auch gleich dem Kater vor.
  7. Gekaufte Süßgetränke, wie Säfte, Limonade, Soft Drinks oder Eistee enthalten meistens große Mengen Zucker, aber auch Aromen und Zusatzstoffe. Sie eigenen sich nicht so,  um unseren Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Ersetzen Sie diese Getränke besser mit Wasser oder verdünnen Sie sie mit viel Wasser.
  8. Auch wenn Sie unterwegs sind, ist es wichtig, möglichst etwas zum Trinken dabei zu haben. Und: Gerade auf Reisen ist die Wasserversorgung wichtig und wird leider oft  vergessen. Hat man zu wenig getrunken, lässt die Konzentrationsfähigkeit nach.
  9. Erinnern Sie sich ans Trinken: Es gibt für iOS und Android einfache Apps, die ans Trinken erinnern.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 22. April 2021 | 17:00 Uhr

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