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Herpes-VirenGürtelrose, Pfeiffersches Drüsenfieber und Lippenherpes – erkennen und behandeln

Stand: 03. März 2022, 10:00 Uhr

Krankheiten wie Gürtelrose oder das Pfeiffersche Drüsenfieber werden durch Herpes-Viren verursacht. Sehr viele Menschen tragen die zwei Formen des Virus in sich. Aber die Krankheit bricht nicht bei jedem aus. Trotzdem erkranken beispielsweise an schmerzhafter Gürtelrose jährlich rund 350.000 Deutsche. Dr. Thomas Dietz erklärt Symptome und Behandlung der Viruserkrankungen samt dem verwandten Lippenherpes.

Pfeiffersches Drüsenfieber

Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine häufig vorkommende Viruserkrankung, die durch das sogenannte Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird. Das Epstein-Barr-Virus infiziert die Schleimhäute von Nase, Mund, Rachen sowie eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (sogenannte B-Lymphozyten).

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird im medizinischen Sprachgebrauch auch als infektiöse Mononukleose bezeichnet; umgangssprachlich finden sich auch die Begriffe "Kusskrankheit", "Kissing Disease" oder "Studentenfieber".

Die Viruserkrankung ist weit verbreitet:Mehr als 95 Prozent der Erwachsenen haben sich bis zum 30. Lebensjahr infiziert, meist ohne etwas davon zu merken.

Im Rahmen des Pfeifferschen Drüsenfiebers, auch Mononukleose genannt, werden Antikörper gegen das Virus gebildet. Dadurch gewinnt man eine lebenslange Immunität. Das heißt: Menschen mit einem intakten Immunsystem können nur einmal an Pfeifferschen Drüsenfieber erkranken.

Krankheitsverlauf

Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten erster Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt beim Pfeifferschen Drüsenfieber etwa zehn bis 50 Tage, je nach Alter:

Bei Kindern bricht die Krankheit schneller aus als bei Erwachsenen. Bildrechte: Colourbox

Kinder erkranken in der Regel früher, während es bei Erwachsenen meist mehr als 30 Tage dauert, bis die Erkrankung manifest wird.

Normalerweise dauert das Pfeiffersche Drüsenfieber zwei bis drei Wochen und heilt unkompliziert aus. Selten nimmt die Erkrankung einen ernsthaften Verlauf.

Im Erwachsenenalter kündigt sich das Pfeiffersche Drüsenfieber durch Fieber an. Diesem kann eine Phase von bis zu zwei Wochen vorausgehen, in der grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Hals- und Muskelschmerzen sowie eine Schwellung der Lymphknoten auftreten.

Typische Krankheitssymptome

  • Fieber (bei über 90 Prozent der Erkrankten in den ersten zwei Wochen)
  • Halsentzündung mit geschwollenen Mandeln, auf denen sich ein dicker weißer Belag bildet (bei etwa 80 Prozent)
  • Anschwellen der Lymphknoten an Hals und Nacken, teilweise auch schmerzhaft, seltener auch in den Achselhöhlen oder am ganzen Körper (bei etwa 95 Prozent)
  • Müdigkeit, die einige Monate anhalten kann
  • Kopfschmerzen und Muskelschmerzen
  • Übelkeit und Oberbauchbeschwerden, die ein Zeichen für eine typische Vergrößerung der Milz sein können
  • Lebervergrößerung und Gelbsucht (bei ca. fünf Prozent der Erkrankten)
  • Hautausschlag, vor allem nach Behandlung mit Ampicillin

Asymptomatische Verläufe des Pfeifferschen Drüsenfiebers, also Verläufe ohne Symptome, sind besonders bei kleinen Kindern möglich.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird häufig nicht korrekt diagnostiziert, weil Symptome wie Müdigkeit oder Schwächegefühl auch bei sehr vielen anderen Krankheiten vorkommen können.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Eine eindeutige Diagnose des Pfeifferschen Drüsenfiebers erfolgt durch den Nachweis von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus und einer begleitenden typischen Veränderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten).

Allerdings sind die Antikörper vor allem zu Beginn der Erkrankung noch nicht bei allen Patienten nachweisbar. Deshalb müssen manchmal wiederholte Tests durchgeführt werden.

Wie wird behandelt?

Gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es kein spezielles Medikament – genau wie für die meisten anderen durch Viren verursachten Erkrankungen.

Folgende Punkte sollten Betroffene mit Pfeifferschem Drüsenfieber beachten:

  • Schonen Sie sich.
  • Trinken Sie ausreichend, wenn Sie Fieber haben.
  • Bei hohem Fieber können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt Medikamente zur Fiebersenkung einnehmen.

Bei einem Teil der Patienten kommt es bei Pfeifferschem Drüsenfieber zu einer zusätzlichen Infektion der Mandeln mit Streptokokken-Bakterien. Diese muss mit Antibiotika behandelt werden.

Durch das Pfeiffersche Drüsenfieber kann auch die Milz krank werden. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Selten kommt es durch das Pfeiffersche Drüsenfieber zu einer deutlichen Vergrößerung der Milz. In Extremfällen kann diese einreißen und muss unter Umständen entfernt werden.

Auch wenn die Krankheitssymptome abgeklungen sind, kann das Epstein-Barr-Virus noch mehrere Monate im Speichel nachweisbar sein. Es ist nicht notwendig, Menschen, die an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt sind, zu isolieren.

Einen Impfstoff gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es bislang nicht. In den ersten sechs Monaten nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus sollte kein Blut gespendet werden.

Immungeschwächte Patienten, also z.B. Organtransplantierte, können im Einzelfall eine Re-Infektion durch Aktivierung der Viren im Körper erleiden. Hier sind das Erkennen der Ursache und die entsprechende Therapie im Einzelfall schwierig, daher sollten diese Patienten grundsätzlich von einem in der Organtransplantation erfahrenen Spezialisten betreut werden.

Gürtelrose

Herpes zoster, die sogenannte Gürtelrose, ist ein halbseitiger, gürtelähnlicher – daher auch der Name – schmerzender Hautausschlag. Die Ursache für Herpes zoster ist eine Infektion mit dem Windpocken-Virus, dem Varicella-Zoster-Virus. Dieses Virus gehört auch zur Familie der Herpes-Viren.

Der Hautausschlag kann sehr schmerzhaft sein. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Typisch für die Gürtelrose ist aus Rötung und Bläschen bestehender Hautauschlag, der starke Schmerzen verursachen und praktisch jeden Körperbereich betreffen kann. Es handelt sich dabei um die erneute Aktivierung im Körper verbliebener Windpocken-Viren.

Windpocken sind eine Krankheit, die die meisten Menschen vor der Einführung der Windpocken-Impfung bereits als Kinder durchgemacht haben. Wenn der Windpocken-Ausschlag verschwunden ist, ist das Virus immer noch da: Wie andere Herpes-Viren überdauert es lebenslang im menschlichen Körper und nistet sich in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks ein.

Dann beginnen sich die Varicella-zoster-Viren erneut zu vermehren. Sie wandern entlang der Nerven nach außen an die Haut. So entwickelt sich eine Gürtelrose.

Achtung Gürtelrose!Alle Körperregionen, das Gesicht, auch Organe, die Augen, die Ohren oder sogar das Gehirn können betroffen sein.

Gürtelrose tritt vor allem bei einer Abwehrschwäche und in höherem Alter auf. Genauso wie Windpocken ansteckend sind, können auch Patienten mit einer Gürtelrose das Virus über eine Schmierinfektion übertragen.

Typische Krankheitssymptome

  • meist Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, einseitige, zum Teil brennende Schmerzen in dem entsprechenden Hautgebiet
  • einseitige Schmerzen schon vor dem Auftreten der typischen Hautveränderungen
  • Juckreiz
  • Rötung im betroffenen Hautgebiet, dann Bläschen auf gerötetem Grund, die in Gruppen und manchmal auch in Form von Rosetten zusammenstehen und teilweise blutgefüllt sein können

Wie wird die Diagnose gestellt?

Beim Verdacht auf eine Gürtelrose sollte man sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, idealerweise einen Facharzt oder eine Fachärztin für Hauterkrankungen. Die Medikamente, welche die Vermehrung des Varicella-Zoster-Virus behindern, wirken gut, wenn sie frühzeitig verabreicht werden. In unklaren Fällen sind Labor-Untersuchungen nötig, um das Varicella-Zoster-Virus sicher nachzuweisen.

Was sollten Betroffene beachten?

Wer erkrankt ist, sollte sich nicht belasten, sondern schonen. Anstrengungen wie Sport sollte man meiden.

Wichtig: Strikt auf Sonnenschutz achten! Auf Alkohol verzichten! Hände waschen! Die Bläschen möglichst abdecken, damit andere Menschen damit nicht in Berührung kommen und sich nicht anstecken können.

Wer Gürtelrose hat, muss unbedingt den Kontakt zu Schwangeren und immungeschwächten Menschen vermeiden. Bildrechte: dpa

Kontakte zu Schwangeren und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind unbedingt zu vermeiden, bis die Gürtelrose abgeheilt ist.

Die ständige Impfkommission der Ärzteschaft (STIKO) empfiehlt eine Impfung für alle Personen ab 60 Jahren. Menschen mit besonderem Risiko für eine Gürtelrose aufgrund einer Immunschwäche oder anderer Grunderkrankungen sollten die Impfung schon ab 50 erhalten.

Lippenherpes

Bei einem Lippenherpes bilden sich schmerzhafte Bläschen, normalerweise nur auf einer Seite der Lippen. Verantwortlich für die juckenden, schmerzenden und nässenden Bläschen ist zumeist das sogenannte Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV Typ 1). Bis zu 90 Prozent der Erwachsenen tragen Antikörper gegen HSV Typ 1 im Blut, sind mit dem Virus also im Laufe ihres Lebens bereits in Kontakt gekommen.

Welche Ursachen hat ein Lippenherpes?

Ein Mal angesteckt, trägt man die Viren lebenslang in sich. Bildrechte: imago images/Niehoff

Ursache sind ansteckende Herpesviren. Übertragen werden sie durch die Flüssigkeit in den Bläschen oder Geschwüren, etwa beim Küssen oder auch über gemeinsam benutzte, angefasste Gegenstände.

Die Herpesviren setzen sich in den Knoten des Gesichtsnervs, des Trigeminus-Nervs, fest. Wenn die Erkrankung ausbricht, wandern sie entlang der Nervenfasern in die Lippen und lösen die typischen Beschwerden aus.

Wer sich einmal mit Herpesviren angesteckt hat, trägt sie lebenslang in sich.

Was sind die Auslöser?

Meistens brecht Lippenherpes vor allem bei einem geschwächten oder geforderten Immunsystem aus, zum Beispiel bei einer Erkältung, nach körperlicher Anstrengung, durch Stress, durch hormonelle Schwankungen oder durch Hautreizungen, etwa durch Sonnenlicht.

Warum manche Menschen immer wieder Lippenherpes bekommen und andere nicht, ist nicht vollständig geklärt.

Eine Behandlung ist meistens nicht nötig: Die Erkrankung heilt innerhalb von ein bis zwei Wochen von alleine wieder aus.

Tipps, um Herpes-Infektionen und -Bläschen zu vermeiden:

  • nicht dieselben Handtücher, Servietten, Lippenstifte, Gläser oder Besteck benutzen wie Erkrankte
  • auf Küssen und Oralsex verzichten, da die Viren auf diesem Weg übertragen werden können – auch auf die Genitalien
  • Mund-Nasen-Schutz maximal einen Tag verwenden, dann neue Maske benutzen
  • Bläschen möglichst nicht berühren
  • Zum Auftragen von Salben, Cremes oder Tinkturen ein sauberes und frisches Wattestäbchen benutzen
  • nach Berührung mit Fingern die Hände gründlich waschen oder desinfizieren
  • nicht die Augen reiben und auch Kontaktlinsen nicht mit Speichel in die Augen einsetzen
  • Achtung: Gelangen Herpes-Viren in die Augen, kann das zu einer Schädigung der Hornhaut führen. Während der Erkrankung am besten eine Brille tragen.
  • Sportarten mit direktem Körperkontakt vermeiden

Achtung:Besondere Vorsicht gilt bei akuter Erkrankung gegenüber Säuglingen, Kleinkindern und auch kranken Menschen. Unbedingt Hautkontakt vermeiden! Dazu gehört leider auch der Gute-Nacht-Kuss.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 03. März 2022 | 17:00 Uhr