Schnelltests für jedermann Gurgel- oder Spucktests für Zuhause – der Durchbruch bei der Pandemiebekämpfung?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte Gurgel-Schnelltests für die private Anwendung zuhause einführen. Ab Ende Januar sollen sie in Apotheken für jedermann erhältlich sein. Hauptsache Gesund hat den Leipziger Apotheker und Vorsitzenden der Sächsischen Landesapothekerkammer Friedemann Schmidt gefragt, was er davon hält.

Eine Frau gurgelt
"Am 1. Februar wird es also voraussichtlich noch keine Tests geben", sagt Apother Friedemann Schmidt. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Was sind die Hauptunterschiede des Gurgeltests im Vergleich zu bisher bekannten Antigen-Schnelltests mit Nasen-/Rachenabstrich?

Friedemann Schmidt: Gurgeltests oder auch vergleichbare Spucktests weisen, einfach gesagt, Virusbestandteile im Speichel nach - genauso wie die bekannten Abstrich-Tests. Das Ergebnis liegt nach etwa 15 Minuten vor. Der Vorteil ist: Natürlich ist es viel einfacher, eine Probe aus dem Speichel zu entnehmen, als einen immer etwas unangenehmen Abstrich zu machen.

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Hauptsache gesund Do 28.01.2021 21:00Uhr 03:59 min

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Bisher durfte nur ein enger Kreis an Berechtigten die Schnelltests vornehmen, etwa medizinisches Personal oder Pflegekräfte. Was halten Sie davon, dass sich jetzt auch Laien selbst testen sollen?

Friedemann Schmidt: Es kommt darauf an, dass die Tests auch für Laien sicher und fehlerfrei durchführbar sind, dann ist das schon in Ordnung. Außerdem müssen die Gebrauchsanweisungen klar aussagen, was ein negatives oder positives Ergebnis bedeutet und welche Folgen es hat. Die bisher verfügbaren Antigenschnelltests sind dafür nicht geeignet, sondern lediglich für die professionelle Anwendung nach einer Schulung vorgesehen. Wir erwarten aber, dass solche Laientests in den nächsten Tagen bzw. Wochen auf dem Markt erscheinen, in den USA z.B. gibt es sie bereits seit längerem. Im Übrigen sind die Gurgel- und Spucktests nicht ganz neu. Für die professionelle Anwendung gibt es seit einiger Zeit, sie werden z.B. zur tägliche Routinetestung bei Krankenhauspersonal angewendet.

Friedemann Schmidt
Friedemann Schmidt ist Apotheker und Vorsitzender der Sächsischen Landesapothekerkammer. Bildrechte: ABDA

Wie sicher sind die Ergebnisse dieser Tests im Vergleich zu einem Nasen- oder Rachenabstrich?

Friedemann Schmidt: Es gibt Studien zur Aussagekraft dieser Tests, sie zeigen, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Virusbestandteilen im Speichel und dem Auftreten und sogar der Schwere einer Covid-19-Erkrankung gibt. Wenn sie richtig gemacht werden, sollten die Tests sicher sein. Die Aussagekraft aller Antigenschnelltests ist begrenzt, im Grunde darf man nach einem negativen Test nur davon ausgehen, dass man für mindestens einige Stunden niemanden anstecken kann, mehr nicht. Antigenschnelltests sollten deshalb möglichst zeitnah zu dem Ereignis gemacht werden, für das sie gedacht sind, also etwa dem Gang zur Arbeit oder zum Verwandtenbesuch. Ein positives Ergebnis muss immer durch einen PCR-Test bestätigt werden.

PCR-Tests werden von Ärzten veranlasst und in speziellen Laboratorien ausgewertet. Hier wird die DNA bzw. RNA eines Virus direkt nachgewiesen, diese Tests sind sehr sicher und zuverlässig, das Ergebnis liegt allerdings erst nach einigen Stunden vor. Zusätzlich ist sicher davon auszugehen, dass bei der Anwendung von Schnelltests durch Laien sehr viel mehr Fehler gemacht werden, als bei der professionellen Verwendung, trotzdem können diese Tests eine sinnvolle Ergänzung bei der Bekämpfung der Pandemie sein, wenn man sie nicht überschätzt.

Wie funktionieren die Gurgeltests?

Friedemann Schmidt: Es wird eine Speichelprobe gesammelt, mit einer Pufferlösung gemischt und auf eine Testplatte aufgetragen, dort findet eine Antigen-Antikörperreaktion statt, die zu einer Farbänderung in einem Testfeld führt. Zusätzlich gibt es ein Kontrollfeld, dass zeigt, dass das System richtig gelaufen ist.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, dass die Schnelltests für jedermann ab Ende Januar in Apotheken erhältlich sein sollen. Haben Sie schon welche im Lager und sind sie überhaupt ausreichend verfügbar?

Friedemann Schmidt: Nein, wir haben keine und es sind gegenwärtig auch keine verfügbar, aber das wird sich sicher ändern. Dazu wird gerade sogar die Medizinprodukteabgabeverordnung geändert und soll am Montag, den 1. Februar, in Kraft treten. Allerdings müssen die Hersteller ein Anerkennungsverfahren für ihre Produkte durchlaufen, das einige Zeit dauern kann. Am Montag wird es also voraussichtlich noch keine Tests geben, in einigen Wochen schon, davon ist auszugehen.

Woher kommen die Anbieter der Tests und worauf sollte man als Kunde beim Kauf achten?

Friedemann Schmidt: Es gibt eine bunte Landschaft von Anbietern solcher Tests, das gilt ebenso wie für die Schutzausrüstung. Die Produkte werden im Wesentlichen aus Asien kommen und von diversen Importeuren nach Deutschland geholt werden. Ich gehe aber davon aus, dass auch renommierte Medizinproduktunternehmen solche Tests ins Angebot nehmen werden, solche Unternehmen würde ich beim Kauf bevorzugen.

Was wird so ein Schnelltest kosten?

Friedemann Schmidt: Antigenschnelltests für den professionellen Gebrauch kosten zwischen sieben und zwölf Euro pro Test, hinzu kommt der personelle Aufwand für die Durchführung von Abstrich und Test und die notwendige Schutzausrüstung. Ein Schnelltest für Zuhause könnte sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Bei massenhafter Nachfrage könnten die Preise zunächst auch höher liegen und anschließend sinken, wenn das Angebot breiter wird. Aber das ist gegenwärtig schwer vorauszusagen.

Stichwort: Gurgeln gegen Coronaviren? Je weniger Viren im Rachen, umso geringer das Erkrankungsrisiko. Doch lassen sich Coronaviren ähnlich wie beim Händewaschen auch von der Schleimhaut im Hals einfach abspülen oder sogar desinfizieren?

Neben den bekannten AHA-Regeln könnte das Gurgeln eine weitere vorbeugende Methode sein, um Viren im Rachen abzutöten, Ansteckungen zu verhindern und Infektionen einzudämmen. Einige Krankhäuser setzen zum Schutz ihres medizinischen Personals schon auf diese zusätzliche Prävention. Dazu empfehlen sie einfache Kochsalzlösungen, grünen Tee oder jodhaltige Spüllösungen. Ob Mundwasser mit Alkohol helfen können, wird derzeit in einer Studie von Prof. Emil Reisinger und seinem Team an der Uniklinik Rostock untersucht. "Es gibt tatsächlich einzelne Studien zur Wirksamkeit von handelsüblichen Mundspüllösungen gegen Coronaviren im Mund- und Rachenraum, und die zeigen, dass das tatsächlich funktioniert. Bei der Anwendung sind aber immer die Hinweise der Hersteller zu Anwendungsintensität und Dauer zu beachten, da diese Mundspüllösungen auf Dauer die Mundflora beeinträchtigen können", erklärt Apotheker Friedemann Schmidt. Erste Laboruntersuchungen sind vielversprechend, nun muss die Wirkung noch am Patienten nachgewiesen werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. Januar 2021 | 21:00 Uhr

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