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Achtung: Die Impfung gegen Hepatitis im Zuge der Grundimmunisierung im Säuglingsalter schützt nicht vor allen Hepatitis-Erregern. Bildrechte: dpa

LeberentzündungHepatitis bei Kindern: Was sind die Symptome?

von Jana Olsen, Hauptsache Gesund

Stand: 28. April 2022, 14:39 Uhr

In mehreren Ländern sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehäuft Kinder an Hepatitis erkrankt, deren Ursache unklar ist. 17 Kinder benötigten laut WHO eine Lebertransplantation, mindestens ein Kind sei gestorben. Kindergastroenterologe Dr. Gunter Flemming vom Uniklinikum Leipzig erklärt im Interview, auf welche Symptome Eltern achten sollten.

Dr. Gunter Flemming ist Kindergastroenterologe und leitet die gastroenterologisch-hepatologische Sprechstunde an der Kinderklinik des Uniklinikums Leipzig. Bildrechte: Stefan Straube / Universitätsklinikum Leipzig

Die WHO hat auf eine Häufung von Hepatitis bei Kindern hingewiesen. Ist das etwas, dass Ihnen Sorgen bereitet?

Dr. Gunter Flemming: Wir beobachten die Situation natürlich. Bislang machen wir uns da keine großen Sorgen, bei uns sind noch keine solche Fälle vermehrt aufgetreten. Es wird ja vermutet, dass diese Hepatitisinfektion durch Adenoviren hervorgerufen wird. Diese Viren kennen wir durchaus auch hier bei uns. Diese Viren treten immer mal wieder vermehrt auf, genau wie zum Beispiel Noroviren. Adenoviren können für eine Reihe von Erkrankungen verantwortlich sein, neben einer Leberentzündung am häufigsten Magen-Darm-Infekte, Lungenentzündungen, aber auch Augeninfektionen wie eine Bindehautentzündung.

Wie macht sich eine Hepatitis bei Kindern bemerkbar?

Dr. Gunter Flemming: Hepatitis heißt ja im Prinzip Leberentzündung. Anders als bei Erwachsenen verläuft eine Leberentzündung bei Kindern häufig unspezifisch und ohne dass wir es merken. Sie tritt oft parallel zu einem Infekt, wie zum Beispiel einem Norovirus, auf. Man stellt das oft sogar nur durch Zufall bei einer Blutuntersuchung fest. Wenn der Infekt weggeht, verschwindet auch die Entzündung in der Leber.

Man stellt das oft sogar nur durch Zufall bei einer Blutuntersuchung fest.

Dr. Gunter Flemming

Wann sollte man sich Sorgen machen und die Eltern mit dem Kind zum Arzt?

Dr. Gunter Flemming: Bei einer Gelbfärbung der Augen, wenn der Urin dunkel und der Stuhlgang grau wird, sollte man zum Arzt. Zudem kann Abgeschlagenheit und eine reduzierte Belastbarkeit ein Symptom einer möglichen Leberschädigung sein. Gehäufte blaue Flecke und unklarer Juckreiz sind ebenfalls ein Warnzeichen für eine mögliche Leberschädigung. In solchen Fällen würde ich raten, zum Kinderarzt zu gehen. Er weiß, welche Untersuchungen dann veranlasst werden sollten.

Es gibt ja eine Impfung gegen Hepatitis im Zuge der Grundimmunisierung im Säuglingsalter. Die hilft nur gegen bestimmte Hepatitiserreger?

Dr. Gunter Flemming: Ja, diese Impfung ist absolut sinnvoll, sie schützt aber nur gegen Hepatitis B. Sie schützt nicht vor Adenoviren, nicht gegen Hepatitis C oder E und auch nicht gegen verschiedene andere Viren, die eine Leberentzündung auslösen können. Gegen Hepatitis A gibt es ebenfalls eine Impfung, die aber nicht immer Kassenleistung ist. Wir halten diese aber für sinnvoll und empfehlen sie.

Sie haben eine Spezialsprechstunde für kleine Patienten mit Lebererkrankungen. Wer kommt zu Ihnen?

Dr. Gunter Flemming: Bei uns sind Kinder und Jugendliche mit chronischen Lebererkrankungen in Behandlung. Dabei handelt es sich unter anderem um angeborene Defekte der Leber, bestimmte Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunhepatitis, aber auch chronische infektiöse Hepatitis B oder C. Zudem betreuen wir Patienten vor und nach Lebertransplantation.

Das Hepatitis-ABC: Welche Erreger gibt es?

Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Die Viren, die dazu führen können, sind unterschiedlich und werden auch verschieden behandelt.

Hepatitis A 

Hepatitis A wird häufig durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen. Eine Infektion passiert oft in Ländern mit schlechten Hygieneverhältnissen. Man spricht auch von Reisehepatitis. Die Infektion heilt häufig ohne Folgen aus. Eine Schutzimpfung ist verfügbar.

Hepatitis B 

Hepatitis B ist die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit, die durch Körperflüssigkeiten übertragen wird. Also durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Kontakt mit infiziertem Blut sowie von der Mutter auf das Kind. Sie kann in eine chronische Form übergehen, die schwere Leberschäden verursachen kann. Eine komplette Heilung ist dann nicht möglich, eine Kontrolle der Viruslast schon. Eine Impfung wird von der Ständigen Impfkommission im Rahmen der Grundimmunisierung mit dem Sechsfach-Impfstoff im Säuglingsalter empfohlen.

Hepatitis C 

Hepatitis C wird durch Blut übertragen, zum Beispiel durch Drogenkonsum oder schlechte hygienische Bedingungen beim Tätowieren. Eine Impfung existiert bisher nicht. Eine Heilung ist bei rechtzeitiger Diagnose in den meisten Fällen möglich.

Hepatitis D 

Hepatitis D ist die schwerste Form der chronischen Hepatitis, da ein besonders hohes Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs besteht. Sie tritt nur im Zusammenhang mit Hepatitis B auf, sodass eine Hepatitis-B-Impfung hier ebenfalls schützt.

Hepatitis E

Hepatitis E wird meist durch infiziertes und unzureichend erhitztes Schweine- oder Wildschweinfleisch übertragen. Laut RKI betrifft eine Infektion in Deutschland zu etwa drei Vierteln Menschen über 40 Jahre und zu etwa zwei Dritteln Männer. Die Erkrankung klingt oft von allein wieder ab. Bei Schwangeren und älteren Menschen werden allerdings schwere Verläufe beschrieben. In China ist ein Impfstoff zugelassen, der aber in Europa nicht zur Verfügung steht.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 24. Februar 2022 | 17:00 Uhr