Herz aus dem Takt Gefährliche Herzrhythmusstörung?

Nicht jedes Herzstolpern ist Grund zur Sorge. Wann aber sollte man zum Arzt? Welche Risikofaktoren gibt es, um an einer Herzrhythmusstörung zu erkranken? Wann wird ein Herzschrittmacher, wann ein Defibrillator eingesetzt?

Eine Frau fast sich unter Schmerzen an ihr Herz
Werden Herzrhythmusstörungen von Schmerzen begleitet sollte schnell ein Arzt aufgesucht werden., Bildrechte: imago/Paul von Stroheim

Die Zahl der Menschen mit Herzstolpern steigt immer mehr an. Doch die gute Nachricht vorweg: Nicht hinter jedem Herzschlag, den man mal etwas kräftiger spürt, steckt eine ernstzunehmende Herzrhythmusstörung. Häufig handelt es sich dabei lediglich um harmlose Extra-Schläge, verursacht durch Stress, Angst oder Nervosität. Sie können zu einem unregelmäßigen Puls führen und werden oft psychisch als sehr belastend wahrgenommen.

Herzrhythmusstörungen: begünstigt durch Alkohol, Bluthochdruck und Übergewicht

Halten diese sogenannten Extra-Systolen und die damit verbundenen Sorgen über eine längere Zeit an, sollte man es dennoch abklären lassen. Ein EKG kann hier Entwarnung geben. Tritt das Herzstolpern neu auf und geht mit Luftnot, Schwindel oder Schmerzen in der Brust einher, sollte man es dringend zeitnah untersuchen lassen. Die größten Risikofaktoren für das Auftreten von Herzrhythmusstörungen sind Alkohol, Bluthochdruck und Übergewicht.

Weniger bekannte Ursache: Kaliummangel

In manchen Fällen kann hinter einem gestörten Herzrhythmus auch ein Kaliummangel stecken, verursacht unter anderem durch bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Diuretika, entwässernde Tabletten gegen Bluthochdruck. Sie entziehen dem Körper nicht nur Wasser, sondern gleichzeitig auch Elektrolyte wie Kalium.

Die Symptome können Müdigkeit oder bei stark ausgeprägtem Mangel auch Muskelschmerzen sein. Mit einem einfachen Bluttest kommt man dem Mangel jedoch schnell auf die Spur.

Tipp Gesunde Kaliumquellen sind zum Beispiel Bananen, Tomatenmark oder Haselnüsse.

Schlaganfall nach Vorhofflimmern?

Herzstolpern kann auch ein Vorhofflimmern als Ursache haben. Es ist die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen und tritt oft nur gelegentlich auf, hält aber jeweils über 30 Sekunden und länger an. Das Herz kann dabei zu schnell oder auch zu langsam schlagen. Nur etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten bemerken das Herzstolpern.

Meistens bleibt es längere Zeit unerkannt und wird nur zufällig diagnostiziert. Vorhofflimmern kann langfristig zu einem Schlaganfall führen, weil sich dabei vermehrt Gerinnsel im Herzen bilden können. Das lässt sich mit Medikamenten zur Gerinnungshemmung verhindern. 

Leipziger Studie: Wann ist ein Herzschrittmacher mit Defibrillator sinnvoll?

Ein Herzschrittmacher mit Defibrillator sendet bei lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen einen elektrischen Schock ans Herz. Aber manchmal passiert das, ohne dass es eigentlich nötig wäre. Das nennt man einen nicht adäquaten Schock. Diese belasten die Betroffenen körperlich, aber vor allem auch psychisch. Die Fehlleistung kommt zustande, wenn das Gerät aus den Messwerten nicht die richtigen Schlüsse zieht. Obwohl die Geräte Messungen immer besser interpretieren, kommt es immer noch zu unnötigen Schocks.

Derartige nicht adäquate Schocks betreffen schätzungsweise jeden fünften Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher mit Defibrillator. Deswegen erforscht das Leipzig Heart Institut, wer den Defibrillator wirklich braucht. "Wer den Defibrillator nicht braucht, der ist mit dem Schrittmacher deutlich besser bedient. Der ist kleiner, geht mit weniger Komplikationen einher. Wenn der Defibrillator aber gebraucht wird, um den plötzlichen Herztod abzuwenden, dann ist der Defibrillator natürlich deutlich wirksamer. Heute weiß man nicht genau, nach welchen Regeln man die Zuteilung der Geräte zu den richtigen Patienten medizinisch abwickeln soll", erklärt Rhythmologe Prof. Gerhard Hindricks, der die Studie leitet.

1.400 Patienten aus Kliniken in ganz Deutschland nehmen teil

Derzeit greifen deutsche Kardiologen in zwei von drei Fällen zum größeren Herzschrittmacher mit Defibrillator, ihre Kollegen in Frankreich dagegen überwiegend zu dem ohne. "Deswegen ist die Studie so wichtig, um Lebensqualität und Behandlungsqualität abzubilden und weltweit auch wirksam werden zu lassen. Diese Frage muss beantwortet werden", so Herzspezialist Prof. Gerhard Hindricks. An der Studie, die im Frühjahr 2021 begonnen hat, werden fast 1.400 Patienten aus Kliniken in ganz Deutschland teilnehmen. Die Ergebnisse der Studie werden in zwei bis drei Jahren erwartet und dann in die internationalen Leitlinien zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen einfließen.

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Quelle: MDR Hauptsache Gesund

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. September 2021 | 21:00 Uhr

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