Herzrhythmusstörungen Wenn das Herz aus dem Takt kommt

Wenn das Herz rast oder plötzlich stolpert, kann einem das große Angst einjagen. Dabei kann das genauso gefährliche wie harmlose Ursachen haben. Dr. Thomas Dietz weiß, wann es wirklich ernst ist und wie man sich in Belastungszeiten – wie jetzt mit dem Corona-Virus - am besten schützt.

Symbolbild Herz Frequenz
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Unser Herz ist ein wahres Wunderwerk und immer im Einsatz. Mit einem gesunden Rhythmus läuft das auch wie geschmiert: 60- bis 100-mal pro Minute sind normal – unvorstellbare 100.000 Schläge pro Tag. Es ist einer der leistungsfähigsten Muskeln des Körpers.

Der Herzmuskel - ein Kraftpaket

Zentrale Aufgabe: die Organe und Zellen des Körpers ununterbrochen mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Bei diesem Pumpprozess sorgen die vier Herzklappen dafür, dass das Blut  in die jeweils richtige Richtung fließt. „Gesteuert“ wird die Herztätigkeit durch elektrische Impulse; diese bewirken, dass sich Tausende von Muskelfasern im Takt zusammenziehen und wieder entspannen. Eine Störung dieser elektrischen Steuerung kann verschiedene Ursachen und unterschiedlichste Folgen haben.

Wenn die Pumpe rast oder streikt

Zu langsam, zu schnell, zu unregelmäßig: wenn der Herzmuskel nicht mehr richtig arbeitet, dann spricht man von Herzrhythmusstörungen. Damit der Pumpvorgang reibungslos ablaufen kann, müssen die Taktgeber (in diesem Fall elektrische Impulse) in der richtigen Geschwindigkeit abgegeben werden, um den Pumpvorgang anzustoßen. Außerdem müssen sich die Impulse über das leitfähige Gewebe des Herzmuskels in der richtigen Richtung ausbreiten.

Herz mit EKG-Linien
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Ist dieser „Zündungs- oder Startprozess“ gestört, führt dies entweder zu einem zu schnellen, zu langsamen oder unregelmäßiger Herzrhythmus. Herzrasen, Aussetzer oder Herzklopfen („das Herz schlägt bis zum Hals!“) sind die möglichen Folgen.

Herzrythmusstörungen - eine Volkskrankheit Rund 1,6 Millionen Deutsche sind von solchen Herzrhythmusstörungen  betroffen – je älter, desto häufiger.

Meist werden solche „Fehltaktungen“  gar nicht bemerkt. Sie sind oft auch harmlos. Aber Achtung: ob der Betroffene die Rhythmusstörung bemerkt oder nicht, sagt leider noch nichts über die Gefährlichkeit der Herzrhythmusstörungen aus. Mit steigendem Alter ist eine regelmäßige Aufzeichnung des EKG’S (Elektrokardiogramm) und die Kontrolle der Blutwerte beim Arzt also sinnvoll.

Von harmlos bis lebensgefährlich

Mann mit mobilem EKG vor der Brust
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Man unterscheidet Herzrhythmusstörungen, die vom oberen Teil des Herzens (Vorhofebene) ausgehen (meist harmlos, aber lästig) von Herzrhythmusstörungen, die vom unteren Teil des Herzens (Kammerebene) ausgehen (meist mittelgradig gefährlich bis gefährlich).

Wichtig ist es, im Rahmen von auftretenden Herzrhythmusstörungen, bei denen am Herzen keine Erkrankung als Ursache nachgewiesen werden konnte, auf äußere Einflüsse zu achten. Hier ist vor allem beim zu schnellen Pulsschlag der Konsum anregender Substanzen, z.B. Koffein zu nennen. Auch Medikamente führen häufig zu typischen unerwünschten Wirkungen am Herzen: So ist die häufigste „aus Versehen“- Überdosierung die Digitalis-Vergiftung, die typischerweise einen sehr niedrigen Herzschlag verursacht, verbunden mit Übelkeit und Schwindel.

Auch verbreitet: eine versehentliche Überdosierungen mit Theophyllin (einem Medikament zur Behandlung von Asthma). Die betroffenen Patienten haben Herzrasen; in der Regel verbunden mit Magenbeschwerden und einem „typischen Zittern“.

Rhythmusstörungen haben verschiedene Ursachen

Es gibt einige Faktoren und Erkrankungen, die für Rhythmusstörungen ursächlich sein können, wie z.B.

  • Herzklappenfehler
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Bluthochdruck
  • Störung des Mineralhaushalts (Elektrolytstörungen)
  • Verengung der Herzkranzgefäße
  • Herzmuskelentzündung
  • Alkohol-, Nikotin-, Drogenmissbrauch
  • Herzmuskelschwäche, z.B. als Folge eines abgelaufenen Herzinfarktes

Ein Stethoskop auf einem EKG-Streifen
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Bei der Untersuchung des Herzens nutzt die Medizin den Umstand, dass elektrische Impulse eine zentrale Rolle spielen: Das EKG (Elektrokardiogramm) gibt dem Arzt Aufschluss darüber, wie sich die Reizleitung am Herz ausbreitet und lässt häufig Rückschlüsse auf die Ursachen der Beschwerden zu.

Prüfen mit Ultraschall Mit einer Ultraschall-Untersuchung lässt sich sehen, wie die Herzklappen arbeiten und ob die Muskulatur des Herzens beeinträchtigt ist.

Nachdem bis vor rund 15 Jahren versucht wurde, die meisten Herzrhythmusstörungen medikamentös zu behandeln, ist man heute durch Lehren aus Studienergebnissen wesentlich zurückhaltender, da man weiß, dass ein Großteil der Medikamente, die gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden, ihrerseits selbst Herzrhythmusstörungen auslösen können.

Erfreulicherweise gibt es jedoch immer wieder Neuerungen in der Medizin: Dazu zählt eine in den letzten Jahren stets mehr angewendete Technik, bei der man mittels Katheter versucht, die Zellen, die die nicht erwünschten Erregungen abgeben, „abzuschalten“. Hierbei werden die Zellen thermisch entweder durch Kälte oder Hitze zerstört, vorher müssen sie „aufgesucht und gefunden werden“.

Wenn diese Methode funktioniert, die so genannte Katheter-Ablation, so stellt sie ein elegantes Verfahren für die Behandlung dar. Allerdings sind bei weitem nicht alle Herzrhythmusstörungen für diese Methode geeignet, so dass in Zweifelsfällen immer eine 2. Meinung vor der Durchführung einer Untersuchung sinnvoll ist.

Warnzeichen: Schwindel, Schmerzen und Enge in der Brust

Um seine wertvolle und komplizierte Dauerarbeit leisten zu können, muss der Herzmuskel selbst gut versorgt sein, dies geschieht über die Herzkranzgefäße. Sind diese zu eng oder gar gänzlich verschlossen, werden diejenigen Regionen des Herzmuskels, die hinter dieser Stelle liegen, gar nicht mehr oder nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Dass das Herz damit nicht mehr gut oder ausreichend funktionieren kann, ist einleuchtend.

Vor allem anderen ist die oben beschriebene Reizleitung in der Folge häufig massiv gestört: Abgestorbene Regionen oder auch nur kurz von der Sauerstoffversorgung abgeschnittene Bereiche sind an der Reizleitung nicht mehr beteiligt, ein koordinierter Herzschlag ist damit kaum noch möglich. Die Folgen davon sind beim Herzinfarkt häufig tödlich; professionelle schnelle Hilfe durch den Notdienst (Telefonnummer 112) und lebenserhaltende Maßnahmen bis zu deren Eintreffen können einen Betroffenen retten.

Anzeichen für einen Herzinfarkt

Häufigste Anzeichen sind massive Schmerzen (Vernichtungsschmerzen), die fast immer in den linken, manchmal aber auch in den rechten Arm, den Oberbauch, den Rücken oder in den Hals ausstrahlen. Meist kommt Atemnot hinzu, (manchmal ist es auch das einzige Symptom, dies trifft man häufig bei Patienten mit langjähriger Diabeteserkrankung an).

Begleitend findet sich häufig:

  • Kalter Schweiß und Blässe
  • Schwächegefühl bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Übelkeit, Schwindel, Erbrechen
  • Gefühl von Enge und Druck im Brustkorb
  • Taubheitsgefühl oder Schmerzen, die in Nacken, Kiefer, Schulterblätter ausstrahlen
  • Meist sehr wortkarger Patient (Ein Wort-Satz Antworten bei Befragung)

In den meisten Fällen ist das Auftreten eines Herzinfarktes entgegen der landläufigen Meinung nicht mit einer Stress-Situation verbunden. Mehr als die Hälfte der Infarkte ereignen sich in Ruhesituationen. Etwa 70% aller Betroffenen erleiden einen Infarkt zu Hause.

Herzinfarkte in ruhigen Momenten Herzinfarkte treten eher in Ruhesituationen auf als unter Stress

Hilfe für Angehörige und Gefährdeten

Die Lebensqualität nach einem überlebten Herzinfarkt ist direkt von der verbliebenen Herzleistung abhängig: Je mehr Zellgewebe zerstört wurde, umso schlechter arbeitet der Herzmuskel danach und umso geringer ist die Leistungsfähigkeit.

Das Ziel möglichst wenig Herzmuskelgewebe im Rahmen eines Herzinfarktes zu verlieren wird durch die schnelle Hilfe des Rettungsdienstes gewährleistet – allerdings muss von den Angehörigen die Zeit bis zum Eintreffen selbigen überbrückt werden; im Extremfall bei Auftreten einer ohne weitere Maßnahmen zum Tod führenden Herzrhythmusstörung mithilfe der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Die Eintreffzeit des Rettungsdienstes liegt in städtischen Bereichen im Durchschnitt bei 6 bis 8 Minuten, im ländlichen Bereich durchaus im Schnitt bei 15 Minuten (Warte-) Zeit, die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in „Eigenregie“ überbrückt werden muss.

Da das menschliche Gehirn im Rahmen eines Kreislaufstillstandes nach kürzester Zeit bereits schwerste Schäden erleidet, ist diese Maßnahme überlebenswichtig. Als Grundregel gilt: Einen Patienten mit einem akuten Herzinfarkt nie allein lassen.

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Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 30. April 2020 | 17:00 Uhr

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