Lebenswichtige SignaleHerzinfarkt: Auf diese Anzeichen sollten Männer achten
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache – bei Männern und bei Frauen. Die bekanntesten Symptome für einen Herzinfarkt sind bei Männern Schmerzen im Brustraum und Schmerzen im Arm. Da das Herz zu wenig Sauerstoff erhält, muss schnell gehandelt werden. Auf welche anderen Signale sollten speziell Männer achten? Mediziner Dr. Thomas Dietz klärt auf.
Der Lebensmotor
Etwa 100.000 mal schlägt das Herz in 24 Stunden, um Organe und Zellen des Körpers ununterbrochen mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen – und sauerstoffarmes Blut über die Venen wieder dorthin zu bringen, wo es erneut mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff "angereichert" werden kann. Gesteuert wird die Herztätigkeit über elektrische Impulse.
Was geschieht bei einem Herzinfarkt?
Um seine wertvolle und komplizierte Dauerarbeit leisten zu können, muss der Herzmuskel selbst gut versorgt sein. Das geschieht über die Herzkranzgefäße. Sind diese zu eng oder gar gänzlich verschlossen, werden diejenigen Regionen des Herzmuskels, die hinter dieser Stelle liegen, nicht mehr oder nicht mehr ausreichend versorgt und sterben ab. Dieser Prozess beginnt nach 60-90 Minuten.
Dass das Herz damit nicht mehr gut oder ausreichend funktionieren kann, ist einleuchtend. Vor allem ist die elektrische Reizleitung massiv gestört: Abgestorbene Regionen sind an der Reizleitung nicht mehr beteiligt, ein koordinierter Herzschlag ist damit kaum noch möglich. Die Folgen sind häufig tödlich; schnelle Hilfe und ggf. lebenserhaltende Maßnahmen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte können einen Betroffenen retten.
Anzeichen eines Herzinfarktes
Häufigste Anzeichen sind Schmerzen, die in den linken oder rechten Arm, den Oberbauch, den Rücken, die Schultern oder den Hals ausstrahlen. Meist kommen Atemnot oder ein Engegefühl im Brustkorb hinzu. Bei älteren Männern können Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen und Kurzatmigkeit die alleinigen Anzeichen eines Infarkts sein.
AchtungJe älter der Patient, desto mehr sollte unbedingt auch auf unspezifische Beschwerden geachtet werden. Ein Alarmzeichen ist, wenn die Beschwerden in bis dahin nicht gekannter Heftigkeit auftreten.
Stress muss kein Auslöser sein
In den meisten Fällen ist das Auftreten eines Herzinfarktes entgegen der landläufigen Meinung nicht mit einer Stress-Situation verbunden. Viele Infarkte ereignen sich in Ruhesituationen, Betroffene erleiden einen Infarkt zu Hause. Angehörige und nahestehende Personen von Infarktgefährdeten sollten sich deshalb unbedingt mit Verhaltensweisen für den Notfall vertraut machen. Warten ist hier immer falsch.
Weniger häufig auftrende Syptome sind:
- Kalter Schweiß und Blässe
- Schwächegefühl bis hin zu Bewusstlosigkeit
- Übelkeit, Schwindel, Erbrechen
- Gefühl von Enge und Druck im Brustkorb
- Taubheitsgefühl oder Schmerzen, die in Nacken, Kiefer, Schulterblätter ausstrahlen.
Der Eva-Infarkt
Bei Frauen treten auch andere Symptome auf: Neben Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen stellt sich Müdigkeit ein sowie Rücken-, Nacken-, Bauch- und sogar Kieferschmerzen. Häufig wird durch die nicht typische klinische Manifestation die zielgerichtete Behandlung verzögert, da nicht an die Möglichkeit eines Herzinfarktes gedacht wird.
Erste Hilfe kann Leben retten!
Bis zum Eintreffen des Rettungswagens dauert es hierzulande acht bis zwölf Minuten. Doch was tun, bis der Arzt kommt? Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen - und handeln dann lieber gar nicht. Doch nichts zu tun ist beim Herzinfarkt auf jeden Fall schlimmer, als wenn man kleine Fehler bei der Hilfe macht. In einer Notsituation mit erkrankten Personen müssen die Helfer vor Ort, die Ersthelfer, die Rettungskette in Gang setzen.
Keine Atmung? Mit Herzdruckmassage und Beatmung beginnen
Person auf festen Untergrund auf den Rücken legen. Den Kopf nach hinten überstrecken, um die Atemwege freizuhalten. Vorhandene Hindernisse im Mundraum (z.B. Prothesen) gegebenenfalls entfernen.
Brustkorb freimachen. Der richtige Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein. Dann mit der Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 pro Minute und einer Drucktiefe von etwa fünf Zentimetern beginnen.
Wer es sich zutraut, kann die Herzdruckmassage mit der Beatmung abwechseln, das heißt 30 Mal drücken, zweimal beatmen, dann wieder 30 Mal drücken, zweimal beatmen. Das Ganze so lange wiederholen, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist.
Wie geht Wiederbelebung in Zeiten von Corona?
- Kommunikation: Die Person schütteln, ansprechen: "Hallo! Können Sie mich hören?" Reaktion? Danach: Kontrolle der Atmung
- Kontrolle der Atmung: Hebt und senkt sich der Brustkorb? Atmet der Mensch noch? Nicht zu dicht an den Mund oder die Nase des Patienten gelangen, damit ein mögliches Infektionsrisiko in Corona-Zeiten minimiert wird.
- Notruf: 112 wählen!
- Herzdruckmassage: KEINE Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen! Stattdessen: Drücken, bis der Notarzt kommt! Herzdruckmassage ist das Wichtigste fürs Überleben! Und zwar so: Einen Handballen in die Mitte des Brustkorbs auf das Brustbein setzen. Die andere Hand darüber. Den Brustkorb mit gestreckten Armen eindrücken. 5 cm tief - rund 100 mal pro Minute. Um sich zu schützen, kann man eine Maske aufsetzen und dem Bewusstlosen ein leichtes Tuch über den Mund legen.
- Defibrillator: Falls ein Defibrillator in der Nähe ist – inzwischen gibt es diese Geräte in vielen öffentlichen Gebäuden – den Betroffenen schocken.
Bewegung bei Herzschwäche?
Regelmäßige Bewegung tut dem Herzen gut. Von Schonung kann kaum noch die Rede sein, denn heute weiß man, dass eine generelle Schonung bei Herzschwäche nicht zu empfehlen ist. Studien zeigen, dass Patienten, die Sport oder ein spezielles Ausdauertraining absolvieren, seltener in die Klinik müssen und ein geringeres Risiko haben, vorzeitig zu sterben. Sportarten wie Spazierengehen, Nordic Walking, Tanzen oder längere Wanderungen wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Hauptsache, es macht Spaß und der Körper fühlt sich wohl. Sicher ist: Jede Form der Bewegung ist besser als keine!
Wer bei einer Herzschwäche mit Sport beginnen möchte, sollte Folgendes beachten:
- Ein Kardiologe sollte überprüfen, ob die aktuelle medikamentöse Behandlung tatsächlich optimal auf die jeweilige Herzschwäche abgestimmt ist.
- Ein Belastungstest ist erforderlich (Ergometrie oder Spiroergometrie), um die momentane Belastbarkeit zu überprüfen und den maximalen Puls unter körperlicher Anstrengung zu bestimmen (= maximale Herzfrequenz). Wichtig für die Wahl der Trainingsintensität.
- Bei einer chronischen Herzschwäche empfiehlt es sich, die ersten Einheiten stationär unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen.
Welche Möglichkeiten, um Sport zu treiben, gibt es?
- Raus an die frische Luft, auch bei schlechtem Wetter!
- Ergometer, auf denen man in der Wohnung oder im Fitnessstudio trainieren kann
- Herzsportgruppen, Volkshochschulen und Gesundheitsklassen bieten Trainingsmöglichkeiten für jede Altersklasse an
- Spezielle Reha-Kurse
- Sportvereine in der Nähe
- Schwimmhallen
- Bilden Sie mit Gleichgesinnten eine Sportgruppe!
Achtung:Der Sport sollte sofort abgebrochen werden, wenn es zu Symptomen wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder starker Atemnot kommt. In solchen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.
Welche Herzpatienten sollten keinen Sport treiben?
Eine Bewegungstherapie ist grundsätzlich für fast alle Patienten mit einer Herzschwäche möglich. Das gilt heute auch für Betroffene, deren körperliche Belastbarkeit so weit eingeschränkt ist, dass bereits geringe Anstrengungen zu Atemnot oder Schwächegefühl führen, z. B. bei der kleinsten Hausarbeit, schon beim Anziehen oder beim Treppensteigen.
Ärzte waren bei diesen Patienten bis vor kurzem noch sehr zurückhaltend mit Sportempfehlungen. Wissenschaftler konnten jedoch in den letzten Jahren aufzeigen, dass auch bei bestimmten Herzschwächestadien bei engmaschiger ärztlicher Überwachung ein Trainingsprogramm mit kurzen Belastungsphasen und langen Erholungsphasen durchführbar ist. Dies führt zu einer deutlichen Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit.
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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 22. Oktober 2020 | 17:00 Uhr