Verdauung Alarm im Darm

Schwerbekömmliches Essen, wenig Bewegung - Gründe für Verdauungsprobleme gibt es viele. Doch auch eine Darmkrankheit kann für Beschwerden sorgen. Wann wird das gefährlich? Und wann kann ein Darmtraining noch helfen?

Röntgenbild Darm
Im Laufe unseres Lebens verdauen wir durschnittlich 30 Tonnen Nahrung pro Kopf. Bildrechte: Colourbox.de

Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung können auftreten, wenn etwas gegessen wurde, was der Körper nicht vertragen hat. Normalerweise gehen die Beschwerden schnell wieder vorbei, wenn der Auslöser der Symptome den Darm passiert hat.

Bei ernsteren Erkrankungen im Verdauungstrakt sind die Symptome oft diskret und mild. Dennoch lassen sie sich meist ziemlich eindeutig erkennen, so Gastroenterologe Dr. Lars Fechner aus Halle. "Man darf sich natürlich nicht immer einreden, das sei nur der Spinat von vorgestern, wenn der Darm Probleme macht", sagt er.

Stuhlmenge, Stuhlfrequenz und Stuhlbeschaffenheit

Bei den meisten Menschen gibt es über Jahre kaum eine Veränderung im Hinblick auf ihr "großes Geschäft". Wenn jemand aber ohne erkennbaren Anlass plötzlich viel häufiger oder viel seltener auf die Toilette muss, kann das darauf hindeuten, dass sich im Darm etwas womöglich Bedrohliches tut. Auch die Stuhlbeschaffenheit kann auf solche Veränderungen hinweisen, wenn zum Beispiel plötzlich auffällige Beimengungen von Schleim zu erkennen sind.

Besetzt-Schild an einer Toilette
Verändert sich die Toilettengangfrequenz, sollte man schon einmal achtsam sein. Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Alarmsignal Blut

Auch Blut gehört nicht in den Stuhlgang eines Menschen mit einem gesunden Verdauungstrakt. Viele beruhigen sich damit, dass dieses auffällige Zeichen von blutenden, aber ansonsten harmlosen Hämorriden stammen könnte. Das kann tatsächlich so sein – allerdings ist niemand davor geschützt, dass es neben den Hämorriden auch noch weitere, weit gefährlichere Ursache für die Blutungen gibt, die abgeklärt werden sollten.

Hinweise auf Entzündungen

Wenn Auffälligkeiten beim Stuhlgang auch noch mit Schmerzen und Fieber einhergehen, kann dahinter eine Entzündung im Darm stecken. Nicht wenige Menschen haben mit so genannten Divertikeln zu tun: kleinen Aussackungen im Darm. Entzünden sich diese, kann es im schlimmsten Fall zu einer Perforation kommen, also zu einem lebensgefährlichen Durchbruch des Darms. Manchmal entstehen nach dem Abklingen der Entzündung auch narbige Veränderungen, die zu einer Engstelle führen.

Wenn plötzlich Kilos purzeln

Schließlich sollte uns auch ein unklarer Gewichtsverlust alarmieren. Denn das kann durchaus mit einer Krebserkrankung zu tun haben. Dr. Fechner rät dazu, die Darmkrebs-Früherkennung sehr ernst zu nehmen. Sie bietet die Chance, gefährliche Veränderungen im Darm schon sehr früh zu erkennen und zu entfernen. "In unserer Praxis finden wir Darmkrebs meist bei Patienten, die zuvor nicht zur Vorsorge waren," sagt Lars Fechner.

Manche Menschen leiden unter einer dauerhaften, chronischen Darmentzündung, ohne dass es einen konkreten Anlass gibt. Diese Dauer-Entzündungen heißen zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die gefährlichste Darmerkrankung aber beginnt oft mit einer pilzartigen Wucherung, einem Darmpolypen. So etwas haben ganz viele Menschen, vor allem im Alter, und meist ist das auch harmlos. Aber - wenn das Gewebe im Polypen entartet, kann das ein Darmkrebs werden.

Waage und Maßband liegen nebeneinander
Gewichtsverlust kann auch auf eine Erkrankung des Darmes zurückzuführen sein. Bildrechte: imago/imagebroker

Der Weg durch den Darm Jeder Bissen muss erstmal durch die Speiseröhre und kommt dann in den Magen. Ein Großteil der Nährstoffe wird im anschließenden Abschnitt aufgenommen – im Dünndarm. Der ist fünf bis sechs Meter lang. Der Dickdarm wiederum misst beim Erwachsenen etwa anderthalb Meter.

Darmprobleme mit Übungen in den Griff bekommen

Wie schmerzhaft ein kranker Darm sein kann, das weiß auch Wolfgang Quaiser. Der 71-Jährige ist Sportler durch und durch. Der frühere DDR-Zehnkämpfer konnte sich wegen einer Entzündung im Darm kaum bewegen. "Es war ein dumpfer, brennender Schmerz. Ich kriegte dann Fieber", erinnert er sich. Die Diagnose: eine akute Divertikulitis, eine Entzündung der Darm-Divertikel. Neben einer medikamentösen Therapie halfen ihm Übungen, die er in Absprache mit dem Gastroenterologen Dr. Fechner entwickelt hat.

Ziel war es, die Muskeln im gesamten Körper und vor allem rund um den Darm moderat zu trainieren. Das soll zum einen die Beschwerden lindern, zum anderen die Entzündung günstig beeinflussen. Dass Bewegung wichtig bei der Eindämmung von Entzündungen sein kann, weiß die Medizin auch von anderen Krankheitsbildern, vor allem von Gelenkentzündungen.

Es handelt sich um so genannte isometrische Übungen. Dabei wird mit bewusster Anspannung der Muskeln gearbeitet und nicht mit großen Bewegungen oder Lasten. Die Übungen lassen sich im Stehen oder im Liegen durchführen und sind auch geschwächten Personen möglich. Wolfgang Quaiser ist seit zwei Jahren beschwerdefrei.

Isometrische Übungen nach Wolfgang Quaiser

  • Beide Handflächen über dem Kopf zusammenführen und gegeneinanderdrücken.
  • Beide Hände hinter den Kopf legen und gegen den Kopf drücken, dabei Gegendruck mit Kopf ausüben.
  • Arme in Schulterhöhe vor den Körper halten, Finger beider Hände ineinander verkrallen und die Arme nach außen ziehen.
  • Hände links und rechts auf die Oberschenkel legen und dagegen drücken.
  • Beine leicht beugen, Oberkörper nach vorn beugen, beide Hände leicht auf die Oberschenkel legen und dagegen drücken, dabei den Bauch anspannen.

Hinweis Vor den Übungen leicht durch Gymnastik erwärmen, lockern oder dehnen. Die einzelnen Übungen sollten Ungeübte oder Patienten in der Reha etwa zwei Mal für jeweils drei Sekunden durchführen. Trainierte können die Spannung bis zu zehn Sekunden halten.

Im Zweifelsfall unbedingt den Arzt fragen!

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 27. August 2020 | 21:00 Uhr

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