Übungen für Zuhause Schmerzfrei mit Faszientraining

Ein Faszientraining soll Verspannungen lösen, gegen Schmerzen helfen und die allgemeine Beweglichkeit verbessern. Deutschlands bekanntester Faszien-Experte Dr. Robert Schleip verrät, wie das am besten funktioniert.

Faszientraining mir Faszienrolle in einer Physiotherapeutischen Praxis
Mit einer Faszienrolle kann man auch problemlos alleine zuhause trainieren. Bildrechte: imago/photothek

Dass Muskeln und Gelenke bei Verletzungen oder zu großer Belastung schmerzen können, ist jedem klar. Aber welche Rolle spielen Faszien? Und wieso tut es weh, wenn sie erkrankt sind? Faszien – das ist zunächst einmal nur ein anderes Wort für bestimmte Teile des Bindegewebes. Wie ein weißliches Netz umhüllen und verbinden sie Muskeln, Gelenke, Organe. Welche wichtige Rolle dieses Geflecht für die Gesundheit spielt, blieb lange verborgen.

Faszien sind auch Leitungsbahnen für Signale

Dr. Robert Schleip ist der führende Faszien-Forscher in Deutschland. Mit einem Team der Universität Ulm deckte er auf, was andere Forscher schon ahnten: Faszien sind viel mehr als Füllmaterial. Sie sind Leitungsbahnen für Signale, sie verleihen uns ein Körpergefühl – und sie machen uns beweglich.

Kranke Faszien können verhärten, verdicken oder verfilzen. So entstehen Schmerzen, erklärt Schleip: "Da wuchert im wahrsten Sinne des Wortes dieses kollagene, faserige Faszien-Gewebe vor sich hin und versucht etwas zu versteifen und die Bewegung einzuschränken".

Schmerzbehandlung durch Rolfing

Eine Technik namens Rolfing soll Abhilfe bei Beschwerden durch Faszien schaffen. Deren Begründerin, die amerikanische Therapeutin Ida P. Rolf (1896-1979), ging davon aus, dass die Ursachen von Funktionsstörungen im Bewegungsapparat weniger in der Muskulatur oder im Skelett, sondern vielmehr im faszialen Bindegewebe zu suchen sind.

Mit Hilfe einer ganzheitlichen manuellen Behandlung soll der Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht werden – Therapeuten sprechen in diesem Zusammenhang von der "strukturellen Integration".

Eine Frau erhält einen tiefen Gewebe Massage.
Die Massage ist beim Rolfing ein Teil der ganzheitlichen Therapie, die auch durch Bewegungsschulungen ergänzt wird. Bildrechte: Colourbox.de

Ziel: Neuausrichtung der Körperstruktur

Rolfing gleicht in Teilen einer Massage, deren Fokus auf faszialen Knotenpunkten und Verklemmungen liegt. "Dabei haben die meisten Griffe eine tiefergreifende Ausrichtung", beschreibt Schleip. "Sie sind etwas kräftiger und gleichzeitig langsamer, um tiefsitzende Verspannungen zu lösen bzw. zu schmelzen."

Ziel sei jedoch weniger eine muskuläre Entspannung als eine "Neuausrichtung der Körperstruktur im Verhältnis zur Schwerkraft" – die so genannte Aufrichtung. Hierzu wird die Massagearbeit mit Bewegungs- und Haltungsschulungen für den Alltag ergänzt. Die Ergebnisse sind vielversprechend, so der Therapeut: "Wir erleben jeden Tag, dass es den Patienten besser geht. Unter der Hand spürt man, dass das Gewebe weicher, der Gang wieder geschmeidiger wird."

Faszienübungen am Baum 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer lange in der gleichen Haltung verharrt, sollte sich anschließend dehnen. Machen Sie's bei dieser Pilates-Übung wie der Bär und schubbern Sie Ihren Rücken am Baum. Druckpunkte setzen, leichte Massage - das tut gut!

MDR FERNSEHEN Di 27.04.2021 17:00Uhr 01:14 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/geniessen/video-pilates-uebungen-workout-faszienuebungen-dehnungsuebungen-muskeln-lockern-100.html

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Hier kommt Rolfing zum Einsatz

Rolfing erzielt gute Ergebnisse gute vor allem bei Schmerzen, die mit Verhärtungen und Verklemmungen der Faszien einhergehen, sagt Schleip. Das ist besonders oft der Fall bei Rücken- und Nackenbeschwerden, Spannungskopfschmerzen, post-operativen Vernarbungen im Bauchraum, Rundrücken, Trichterbrust und Skoliosen.

Geeignete Therapeuten findet man am besten über die Liste zertifizierter Rolfer auf der Homepage Rolfing.org: "Die hier genannten Anwender haben alle eine umfangreiche Ausbildung genossen und bilden sich auch anschließend fachlich weiter."

Übungen für Zuhause

Pilates-Trainerin Kristina Dietrich empfiehlt zwei Übungen zur Mobilisation der Rücken-Faszien.

Hoch-Tief-Schwung:
Stellen Sie sich in einem leichten Ausfallschritt gerade hin und strecken Sie die Arme lang nach oben aus. Schließen Sie anschließend aktiv die Beine und beugen Sie sich schwungvoll nach unten. Lassen Sie beide Arme locker nach hinten schwingen. Wiederholen Sie diese Übung zehn Mal. Das streckt und dehnt sowohl die Faszien der Vorder- als auch der Rückseite. Besonders wer viel sitzt, wie Büroarbeiter, profitieren von dieser Übung.

Schwung mit Ball:
Nehmen Sie einen kleinen Ball in beide Hände. Stellen Sie sich in einem leichten Ausfallschritt hin und strecken Sie die Hände mit dem Ball lang nach oben aus. Schwingen Sie den Ball anschließend in einem großen Kreis von links nach rechts. Wechseln Sie nach zehn Wiederholungen die Kreisrichtung. Diese Übung kräftigt die schrägen Bauchmuskeln und das umgebende Fasziengewebe. Zusätzlich werden durch die Rotation die Wirbelsäule und der Schultergürtel gelockert.

Die Faszienrolle Wer seinen Faszien in den eigenen vier Wänden etwas Gutes tun will, kann sich auch eine so genannte Faszienrolle besorgen. Die Geräte aus Hartschaum gibt es in verschiedenen Größen. Regelmäßiges Training kann verklebte Faszien lockern und aufweichen oder nach dem Sport bei der Regeneration helfen.

Pro Übungseinheit liegt der Fokus immer auf den Muskeln zwischen zwei Gelenken, beispielweise zwischen Kniegelenk und Hüfte. Dabei legt man die Rolle auf den Boden und rollt die verspannten Stellen mit unterschiedlichem Druck darüber. Auch Fitnesscenter bieten das Training auf Faszienrollen inzwischen an.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 27. August 2020 | 21:00 Uhr

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