Muskelverspannungen Rückenschmerzen durch Gleitwirbel

Rückenwirbel, die aus ihrer Position herausgleiten, können Schmerzen auslösen und sogar zu Lähmungserscheinungen führen. Schmerztherapie und Krankengymnastik können für Abhilfe schaffen. Und wenn das nichts bringt?

Silhouette einer Frau, die in einem Büro am Schreibtisch sitzt und sich an den Rücken fasst.
Durch die Wanderung des Wirbels kommt es zu erhöhter Spannung der Muskulatur und Faszien - und damit zu Schmerzen. Bildrechte: imago images / Westend61

Schmerzen beim Aufstehen, Taubheitsgefühle beim Laufen - ein Gleitwirbel kann vielfältige Symptome machen. Gleitwirbel sind Rückenwirbel, die aus ihrer vorgesehenen Position gleiten und so auf Bandscheibe und Nerven drücken können. Meist ist ein Wirbelkörper der Lendenwirbelsäule betroffen.

"Einen Gleitwirbel sehen wir recht häufig in der Klinik. Er kann angeboren sein, durch Unfälle oder Verschleiß entstehen", erklärt Wirbelsäulenspezialist Dr. Patrick Strube von den Waldkliniken in Eisenberg. Betroffen sein können also sowohl junge als auch ältere Menschen. Im Anfangsstadium helfen Schmerzmittel, Physio- und Bewegungstherapie.

Extreme Muskelverspannungen

Starke Rückenmuskeln wirken wie ein natürliches Korsett. Das ist auch wichtig bei der hochkomplexen Struktur der Wirbelsäule mit 24 Wirbeln, 23 Bandscheiben, zahlreichen Muskeln und Bändern. Ein anfälliges System, das permanent bewegt werden muss - in schmerzhaften wie in schmerzfreien Zeiten. Doch wie bei einem schlecht gespannten Zelt beim Camping, bringt ein Gleitwirbel das Gleichgewicht der Muskulatur durcheinander.

Durch die Wanderung des Wirbels kommt es zu erhöhter Spannung der Muskulatur und Faszien. Ein Problem, das oft nur in enger Zusammenarbeit mit dem Physiotherapeuten gelöst werden kann. Er kann die verkürzte Muskulatur mit geübten Handgriffen lockern und dem Patienten Übungen an die Hand geben, selbst etwas gegen das Problem zu tun.

Mit heißen Nadeln gegen die Schmerzen

Bleiben Bewegungstherapie und Schmerzmittel erfolglos, kann ein kleiner Eingriff Linderung bringen: die sogenannte Hochfrequenz-Denervation. Dabei werden die Nervenwurzeln an den kleinen Enden der Wirbelgelenke mit heißen Nadeln und Strom verödet. Das ist einTrick gegen den Schmerz. Denn die  schmerzleitenden Nerven werden durch die Hitze von zirka 80 Grad ausgeschaltet. So können sie die Schmerzsignale nicht mehr an das zentrale Nervensystem weiterleiten.

"Wir führen den Eingriff bei Patienten mit Arthrose-bedingten Rückenschmerzen durch und auch bei einigen Formen des Gleitwirbels", sagt Orthopäde Dr. Patrick Strube. Bei dem Eingriff liegt der Patient auf dem Bauch auf dem Röntgentisch, er muss den gesamten Eingriff über wach bleiben. Denn der Strom darf auf keinen Fall in die Beine ziehen, eine dauerhafte Schädigung des Nervs könnte die Folge sein. Nach dem Eingriff hat der Patient meist dauerhaft weniger Schmerzen. Sollten die Beschwerden nach ein bis zwei Jahren erneut auftreten, kann die Behandlung wiederholt werden.

Operation - wenn Lähmungen drohen

Doch nicht immer reichen konservative  oder minimalinvasive Therapien auf Dauer aus. OP-Pflicht besteht zum Beispiel dann, wenn ein Patient neurologische Ausfälle und Lähmungserscheinungen in den Beinen hat. Mit unterschiedlichen Schraubensystemen und künstlichen Bandscheiben können die Wirbel dann versteift und der Patient von seinen Schmerzen erlöst werden. Doch das ist ein Prozess, der sich über Monate hinzieht.

"Es braucht Zeit, bis sich der Körper an das veränderte Profil der Wirbelsäule gewöhnt hat“, erklärt Dr. Strube. Physiotherapie und bei Bedarf auch eine Reha helfen dann auch, um wieder richtig auf die Beine zu kommen.

Übung für Zuhause: Das kleine Rückentraining im Türrahmen In Schrittstellung in einen Türrahmen stellen.

Die Handflächen auf den Rahmen legen und nach außen drücken.

Spannung in Bauch, Rücken und Gesäß aufbauen und rund zehn Sekunden halten.

Sie können die Übung variieren, indem Sie die Hände hüfthoch, brusthoch und schulterhoch in den Rahmen stützen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 03. September 2020 | 21:00 Uhr

Ein Angebot von

Mehr Gesundheit

Weitere Ratgeber-Themen