Gelenkverschleiß Schmerzen im Handgelenk – was steckt dahinter?

Durch das Zusammenspiel der Knochen in der Handwurzel können unsere Hände zugreifen. Verletzungen an dieser Stelle werden oft übersehen. Das kann zu starken Schmerzen und schließlich zu Versteifungserscheinungen führen.

Unsere Handwurzelknochen, die zusammen mit den Unterarmknochen das Handgelenk bilden, sind eine besonders ausgeklügelte, aber auch empfindliche Konstruktion, die von inneren und äußeren Bändern in Position gehalten wird. Vor allem am Übergang vom Arm zur Hand geht es besonders eng zu. Nerven und Blutgefäße müssen sich den Platz teilen mit den vielen beweglichen Strukturen.

Gibt es eine Störung in diesem System, zum Beispiel durch eine Verletzung oder eine Entzündung, führt das schnell zu Schmerzen. Viele Menschen haben schon die Bekanntschaft mit dem sogenannten Karpaltunnelsyndrom machen müssen. Zahlreiche andere werden von einer Arthrose im Handgelenk geplagt, also von vorzeitiger Abnutzung. Wichtig – nicht ignorieren, sondern die Ursache klären lassen!

Diagnose: Vorzeitige Abnutzung

Viele Mediziner erinnern sich aus ihrem Studium an einen Spruch, mit dem sich Namen und Position der acht Handwurzelknochen einprägen lassen: "Der Kahn, der fuhr im Mondenschein, dreieckig um das Erbsenbein. Vieleck groß und Vieleck klein, der Kopf, der muss am Haken sein." Die Knochen sind in zwei Reihen angeordnet. Zur "körpernahen Reihe", die also am Übergang zu den Unterarmknochen sitzt, befinden sich Kahnbein, Mondbein, Dreiecksbein und Erbsenbein. Zur "körperfernen Reihe", die sich also in Richtung der Finger anschließt, gehören großes und kleines Vielecksbein sowie Kopfbein und Hakenbein.

Die acht Knochen werden durch Bänder zu einem leichten Bogen gespannt. Dieser filigrane Aufbau ist vor allem durch Verletzungen nach Stürzen bedroht. Handchirurg Dr. Axel Neumann von der Leipziger Thonberg-Klinik sieht bei seinen Patienten oft einen Schaden an einem bestimmten, für die Stabilität und die Funktion des Handgelenks sehr wichtigen Band: dem so genannten SL-Band zwischen Kahnbein und Mondbein. "Reißt dieses Band, zum Beispiel nach einem Sturz, kommt es zu einer Fehlstellung der Knochen zueinander. Dadurch nutzen sich die Gelenkflächen viel stärker ab."

Nicht selten gehen die Beschwerden aber zunächst zurück – das Problem wird unterschätzt. Doch die Abnutzung, die so genannte Arthrose, schreitet durch die falsche Stellung der Knochen zueinander immer weiter voran. Die Schäden an den Knorpelflächen werden größer. Schleichend wachsen die Schmerzen. Und ein erneuter, scheinbar harmloser Sturz auf die Hände kann dann zu unerträglichen Beschwerden führen.

Hilfe bei fortgeschrittener Arthrose

Das gerissene SL-Band lässt sich nur in den Wochen nach dem Unfall erfolgversprechend wieder nähen. In späteren Stadien der Arthrose, wenn die Schmerzen unerträglich werden, müssen Handchirurgen andere Lösungen finden. Ziel dabei – Schmerzen lindern und möglichst viel Beweglichkeit erhalten.

Oft wird den Patienten dann eine Teilversteifung des Handgelenks angeboten. Dafür existieren verschiedene Techniken – in der Regel werden bestimmte Knochen der Handwurzel entfernt und andere miteinander verbunden. In der Folge gibt es zwar Einschränkungen in der Beweglichkeit, wichtige Handbewegungen sind aber weiter möglich – und vor allem schmerzfrei.

Für etliche Gelenke im Körper gibt es die Möglichkeit, sie durch Implantate zu ersetzen. Auch für das Handgelenk existieren solche so genannten Endoprothesen. Sie kommen aber nur als letzte Möglichkeit der Behandlung in Frage. Handchirurg Dr. Axel Neumann: "Wichtig ist – an diese Kunstgelenke können wir nicht die gleichen Erwartungen hinsichtlich Belastbarkeit und Haltbarkeit richten wie an die Implantate in Hüfte oder Knie."

Lästig und schmerzhaft: die Bibelgeschwulst

Viele Patienten zwischen 30 und 50 klagen über ein anderes Problem am Handgelenk: das Überbein oder Ganglion. Dabei handelt es sich um eine gutartige Schwellung am Handgelenk, oft am Handgelenksrücken, die mit Gelenkflüssigkeit gefüllt ist. Ursache ist wahrscheinlich eine Schwachstelle in der Gelenkkapsel. Das kann schmerzhaft und hinderlich sein.

Manchmal verschwindet so ein Ganglion von selbst wieder. Wenn es sehr behindert oder schmerzt, kann man zum einen die Flüssigkeit daraus absaugen lassen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass sich die kleine Zyste mit der Zeit erneut wieder füllt. Nachhaltiger ist eine ambulante OP, die das Ganglion ganz entfernt.

Gut zu wissen Seinen volkstümlichen Namen "Bibelgeschwulst" verdankt das Ganglion einer früher angeblich weitverbreiteten Behandlungsmethode. Mit einem schweren Buch, zum Beispiel der Familienbibel, soll auf das Überbein geschlagen worden sein, um es zum Platzen zu bringen. Manchmal wird auch berichtet, dass ein Lineal für diese drastische Therapie verwendet wurde.

Wie bleibt das Handgelenk lange schmerzfrei?

Natürlich wäre es von Vorteil, Verletzungen des Handgelenks durch Stürze zu vermeiden. Wann immer es also möglich ist, Sturzrisiken senken und Krankheiten behandeln lassen, die beispielsweise zu Unsicherheiten beim Gang führen. Für die Gesundheit vor allem der Knorpelflächen ist außerdem regelmäßige Bewegung entscheidend. Vor allem aber – wenn Schmerzen auftreten, umgehend zum Arzt gehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 12. November 2020 | 21:00 Uhr

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