Hilfe zur Selbsthilfe Was tun gegen Blasenschwäche?

Rund 40 Prozent der Frauen sind von Inkontinenz betroffen. Eine Blasenschwäche kann die Lebensqualität der Patienten stark einschränken. Doch es gibt viele Therapien, welche die Beschwerden lindern können.

Eine öffentliche Toilette.
Blasenprobleme sind für Betroffene oft ein Tabuthema. Doch wer nicht darüber spricht, bekommt auch beim Arzt keine Hilfe. Bildrechte: Colourbox.de

Oft geht eine Inkontinenz einher mit schwachem Bindegewebe, etwa nach einer Schwangerschaft, der Hormonumstellung in den Wechseljahren oder einer Infektion oder Operation am Unterleib. Deshalb haben besonders Frauen häufig damit zu kämpfen. Die Blasenschwäche kann verschiedene Ursachen haben: Entweder handelt es sich um eine Reizblase oder aber um eine Belastungsinkontinenz.

Häufiger Harndrang durch eine Reizblase

Bei einer Reizblase (auch Dranginkontinenz genannt) handelt es sich um häufigen Harndrang aufgrund einer übersensiblen Blase. Die Muskulatur der Blase sendet falsche Signale an das Gehirn, dass die Blase entleert werden müsse. Hier helfen oft Medikamente, die die gereizte Blase beruhigen oder eine Verhaltenstherapie, welche  falsche Signale erkennt und neu "programmiert".

Belastungsinkontinenz durch geschwächten Schließmuskel

Wesentlich häufiger ist eine Belastungsinkontinenz. Dahinter steckt meist eine Senkung der Gebärmutter, welche ihren natürlichen Halt im Becken verloren hat und dann auf die Blase, den Blasenschließmuskel und die Harnröhre drückt. Auch die Kraft des Blasenschließmuskels ist geschwächt.

Ist die Blase gefüllt, kann es bei körperlicher Belastung, beim Treppensteigen, aber auch beim Husten, Niesen oder Lachen zu einem ungewollten Verlust von Harn kommen. Schuld ist meist ein zu schwacher Beckenboden. Auch Übergewicht kann eine Rolle spielen. Dann lastet ein hoher Druck auf Blase und Beckenboden, dem diese nicht dauerhaft Stand halten können. 

Diese Behandlungen können helfen

Hormoncreme: Wird die Blasenschwäche von hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre verursacht, können spezielle östrogenhaltige Hormoncremes helfen. Durch den sinkenden Östrogenspiegel reagiert die Blase sensibler, außerdem wird das Bindegewebe schlaffer. Die Blasenmuskulatur wird schwächer, auch der Blasenschließmuskel funktioniert nicht mehr perfekt. Mit einer Hormontherapie können der Hormonmangel und seine Folgen ausgeglichen werden.

Botox-Spritze: Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist eine Botox-Injektion. Dabei wird das Nervengift Botulinumtoxin in die Blasenmuskulatur gespritzt und entspannt die überaktive Blase. Die Wirkung hält mehrere Wochen bis Monate an. Der Nachteil: Es kann auch zu einer kurzzeitigen totalen Lähmung der Blase kommen, sodass sich die Blase nur über einen Katheder entleeren lässt.

Bändchen-OP: Helfen konservative Methoden nicht, kann eine Operation das Problem lösen. Dabei wird zum Beispiel ein kleines Bändchen aus Kunststoff unter der Harnröhre befestigt, das diese stabilisiert und entlastet. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv mit örtlicher Betäubung.   

Das sollten Sie vermeiden Generell sollte man nicht zu schwer heben, da dabei ein großer Druck auf der Blase lastet. Gleiches gilt beim Husten. Um hier den Druck zu verringern, ist es besser, sich beim Husten zur Seite zu drehen.

Auch wer ständig unter Verstopfungen leidet, mutet seinem Beckenboden eine Menge zu. Deshalb ist auch eine gute Verdauung wichtig.

Und: Nicht zu wenig trinken! Auch wenn es unangenehm ist, wenn unterwegs ein paar Tropfen in die Hose gehen: Trinken Sie trotzdem genügend. So lassen sich Infektionen der Blase vorbeugen, die das Problem noch zusätzlich verschlimmern können.

Blase stärken durch Beckenbodentraining

Ganz ohne Chemie oder OP kann man die Blase mit gezielten Übungen stärken: mit dem sogenannten Beckenbodentraining. Dabei geht es hauptsächlich darum, die Muskulatur des Beckenbodens durch Anspannen und Entspannen zu kräftigen. Da man dieses Muskeltraining von außen nicht sehen kann, lässt es sich praktisch überall machen: in der Straßenbahn, beim Einkaufen oder Zähneputzen.

  • Schließmuskel finden

Zunächst ist es wichtig, ein Gespür für diese Muskeln zu bekommen. Eine einfache Methode, um sie zu "finden" ist, beim Wasserlassen kurz zu stoppen. Hinter diesem Verschließen der Harnröhre steckt der Beckenboden. Wer unsicher ist, kann hier seinen Arzt oder seine Ärztin zu Rate ziehen.

  • Gymnastische Übungen

Bei der "Brücke" liegt man auf dem Rücken. Die Arme liegen seitlich am Körper, die Handflächen zeigen nach unten. Dann wird das Becken zur Decke angehoben, die Füße stehen dabei fest auf dem Boden. Die Position kurz für ein paar Sekunden halten. Das sorgt für Entlastung des gesamten Unterbauches und damit auch des Beckenbodens.

Das "Fahrrad" lässt sich im Liegen auf dem Rücken trainieren. Dabei mit den Beinen in der Luft Fahrradfahren. Nur Rücken und Arme sollten dabei den Boden berühren. Drei bis vier Mal jeweils eine Minute lang üben.

Beim "Katzenbuckel" kniet man im Vierfüßlerstand auf den Boden. Die Hände befinden sind direkt unter der Schulter, die Knie unter dem Becken aufstützen. In dieser Position abwechselnd den Rücken zum Buckel machen und wieder zum Hohlkreuz. Bei jedem Buckel den Beckenboden anspannen, dabei tief ausatmen. Vier bis fünf Wiederholungen, danach eine Pause machen und noch mehrmals wiederholen.   

Tipp Beckenbodentraining lässt sich auch in Kursen oder bei der Physiotherapie erlernen. Die Kosten für professionelle Kurse werden in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Auch Sport wie Fahrradfahren, Schwimmen, Walking oder Yoga sind gut geeignet, um die Beckenmuskulatur zu stäreken.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. Oktober 2020 | 21:00 Uhr

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