Hypotonie Ist niedriger Blutdruck immer harmlos?

Niedriger Blutdruck gilt nicht als Krankheit. Doch wer davon betroffen ist, fühlt sich oft nicht gut. Schwindel, Übelkeit und Gangunsicherheit sind nur einige Symptome. Wo beginnt zu niedriger Blutdruck? Was kann dahinter stecken? Und wann wird er gefährlich?

Eine Ärztin kontrolliert den Blutdruck des Patienten.
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Normalerweise sind Mediziner immer hocherfreut, wenn der Blutdruck niedrig ist. Denn Studien belegen, dass Menschen mit niedrigem Blutdruck besonders lange leben. Doch zu niedriger Blutdruck kann manchmal auch Probleme machen. Häufige Symptome sind dann Müdigkeit, ein Schwächegefühl, kalte Hände und Füße oder manche sehen einfach "Sternchen". In der Regel und bei der großen Mehrzahl der Menschen ist niedriger Blutdruck tatsächlich harmlos, besonders bei jungen, großen und schlanken Personen.

Niedriger Blutdruck als Warnsignal

Doch niedriger Blutdruck kann durchaus ein Warnsignal sein. "Extrem niedrige Blutdruckwerte können ein Zeichen für eine Herzschwäche, einen Herzklappenfehler oder eine Herzrhythmusstörung sein. Diese Patienten werden oft erst spät erkannt und brauchen eine Behandlung", sagt Kardiologe Prof. Johannes Waltenberger vom Zentralklinikum Suhl. Insbesondere wenn die Werte dauerhaft unter 90 zu 60 mmHG oder der zweite Wert beispielsweise nur bei 30 oder 40 mmHG liegt, sollte man das untersuchen lassen. Je nach Ursache beseitigt dann ein Herzschrittmacher oder eine neue Herzklappe den niedrigen Blutdruck, eventuell in Kombination mit einer medikamentösen Therapie.

Sonderfall Herzschwäche

Auch eine Herzschwäche geht oft mit einer Hypotonie, wie niedriger Blutdruck in der Fachsprache heißt, einher. Die Blutdrucktherapie ist dann oft nicht so einfach und erfordert die Mitarbeit des Patienten. "Viele Patienten mit Herzschwäche wundern sich, wenn sie trotz normalen Blutdrucks noch zusätzlich Medikamente verordnet bekommen, die den Blutdruck weiter senken können", so Prof. Waltenberger. Bei der Behandlung der Herzschwäche ist es aber wichtig, das kranke Herz zu entlasten. Die hierfür geeigneten Medikamente senken auch den Blutdruck, meist aber nur vorübergehend. Werden Blutdrucksenker verordnet, bringt das häufig mit sich, dass die Patienten anfangs über Müdigkeit und Schwindel durch den niedrigen Blutdruck klagen. "Wir weisen die Patienten darauf hin, dass sie das durchhalten müssen. Nach etwa zwei bis sechs Wochen hat sich der Körper an die zusätzliche Blutdrucksenkung gewöhnt. Die Patienten verspüren die Symptome nicht mehr und profitieren von der besseren Herzleistung", erklärt Prof. Waltenberger.

Mit Kneipp-Kuren den Blutdruck anregen

Schild Kneipp-Wanderweg Bad Berka
Kneipp-Wanderweg in Bad Berka Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Liegen keine organischen Ursachen für den niedrigen Blutdruck vor, helfen oft schon einfache Maßnahmen, um das Herzkreislauf-System etwas anzuregen. "Die vermeintlich einfache Lösung, wie wir sie beim Bluthochdruck haben, man nimmt eine Tablette und senkt den Blutdruck, klappt bei niedrigem Blutdruck nicht. Man muss wirklich darauf achten, dass im Körper die Durchblutung wieder reguliert wird und dazu helfen die ganz klassischen Naturheilverfahren wie zum Beispiel Kneipp-Anwendungen", erklärt Dr. Anke Görgner, Ärztin für Naturheilverfahren aus Leipzig. "Wenn man das richtig macht, kann man für den niedrigen Blutdruck tolle Effekte erzielen."

Singen für den Blutdruck

Note
Gegen niedrigen Blutdruck kann man ansingen. Bildrechte: IMAGO

Zudem ist jede Form von Bewegung gut. Und nicht nur Schwimmen und Tanzen bringt Bewegung in den Körper: "Lautes Reden, lautes Singen, all das erhöht den Blutdruck, das wissen die meisten nicht. Solche einfachen Reize können wir zur Regulation benutzen", sagt Dr. Görgner. Auch pflanzliche Mittel können helfen, den Blutdruck zu regulieren. "Rosmarin und Campher wirken anregend. Rosmarin kann man als Zusatz für Bäder benutzen, Campher gibt es in Form von Kreislauftropfen, die man bis zu drei Mal täglich einnehmen kann", empfiehlt Dr. Görgner.

Niedriger Blutdruck schützt nicht vor hohem Blutdruck

Eins sollte man unbedingt noch wissen: Menschen, die ihr Leben lang niedrigen Blutdruck hatten, sind dennoch im Alter nicht vor hohem Blutdruck geschützt. "Die Gefahr besteht sogar, dass Patienten mit zuvor niedrigem Blutdruck sich in falscher Sicherheit wähnen und der hohe Blutdruck nicht oder zu spät erkannt wird", warnt Kardiologe Prof. Waltenberger. Um das zu vermeiden, sollten also auch Menschen mit lange niedrigem Blutdruck ihre Werte regelmäßig checken.


Einteilung der Blutdruckwerte

  • Bluthochdruck: 140 zu 90 mmHG und höher
  • Normaler Blutdruck: ca. 120 zu 80 mmHG
  • Niedriger Blutdruck Männer: 110 zu 70 mmHG und weniger
  • Niedriger Blutdruck Frauen: 100 zu 60 mmHG und weniger
  • Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO)


Fünf Tipps gegen niedrigen Blutdruck

Liegen keine organischen Ursachen für den niedrigen Blutdruck vor, kann man sich mit diesen klassischen Anwendungen aus der Naturheilkunde helfen.

Wechselfußbad
Abwechselnde Fußbäder mit warmen und kalten Wasser bringen den Kreislauf in Schwung. So geht’s: Benutzen Sie idealerweise eine Fußbadewanne, die auch den ganzen Unterschenkel mit erwärmt. Denn oft haben Patienten mit niedrigem Blutdruck nicht nur kalte Füße, sondern auch kalte Unterschenkel. Tauchen Sie die Füße drei Minuten in etwa 40 Grad warmes Wasser und anschließend 30 Sekunden in kaltes Wasser. Wiederholen Sie das drei Mal hintereinander. Das Bad im kalten Wasser schließt ab.

Ein Armbad nach Kneipp
Ein Armbad ist ein echter Muntermacher. Bildrechte: IMAGO

Kaltes Armbad
Die "Tasse Kaffee der Naturheilkunde" regt an, ohne aufzuregen. Das Armbad ist besonders geeignet für Menschen, die morgens schwer in die Gänge kommen. Füllen Sie eine Armbadewanne mit kaltem Wasser. Tauchen Sie die Arme bis zur Mitte der Oberarme ein und lassen Sie sie bis zu 30 Sekunden unter Wasser. Falls Sie keine spezielle Armbadewanne haben, sollte das ebenfalls im Waschbecken funktionieren. Danach Wasser abstreifen, nicht abtrocknen.

Bürstenmassage
Durch den mechanischen Reiz der Bürstenmassage werden auch die kleinsten Gefäße stärker durchblutet. Wenn die Haut rosig wird, bringt das auch den Blutdruck nach oben. Man beginnt mit kreisenden Bewegungen an der Außenseite des rechten Fußes. Danach bewegt man sich langsam körperaufwärts. Dann folgt die Innenseite der Beine. Anschließend wechselt man zur linken Seite. Für eine Bürstenmassage eignen sich Massagehandschuhe, Sisalschwämme, weiche Bürsten oder grobe Tücher. Für eine Ganzkörper-Bürstenmassage sollte man sich etwa fünf bis zehn Minuten Zeit nehmen.

Eine junge Frau schwimmt in einem Pool auf dem Rücken
Bewegen Sie sich. Bildrechte: Colourbox.de

Bewegen Sie sich!
Bewegung reguliert den Blutdruck. Außerdem schüttet unser Körper dabei Endorphine, also Glückshormone aus. Im Prinzip eignen sich alle Sportarten, vor allem Schwimmen oder Tanzen. Auch eine kleine Morgengymnastik mit schwungvollem Armkreisen bringt den Kreislauf nach oben.

Rosmarin
Die Heilpflanze hat eine anregende Wirkung und fördert die Durchblutung. Sie hilft daher gegen niedrigen Blutdruck. Rosmarin kann in unterschiedlichster Form verwendet werden: als Gewürz, Tee oder Massageöl beispielsweise. Als Badezusatz kann es in Fußbäder oder Vollbäder gegeben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 18. Juni 2020 | 21:00 Uhr

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