Krankheitsüberträger Was Mückenstiche gefährlich macht

Mücken gehören ohne Zweifel zu den unbeliebtesten Tierarten. Rund 50 Arten gibt es bei uns, darunter auch einige aus exotischen Gebieten. Die Tiere sind nicht nur Nervensägen, sondern können auch gefährlich werden.

Mücke
Mücken sind Überträger verschiedener Krankheiten. Dadurch kann ein Stich im Ernstfall sogar lebensbedrohlich werden. Bildrechte: Colourbox.de

Immer wieder landen Patienten mit einem Mückenstich in der Notaufnahme. Denn mit jedem Stich können auch Bakterien übertragen werden. Sie sind oft die Ursache für starke Schwellungen und schwere Entzündungen. Neben der Infektionsgefahr durch Stiche einheimischer Mücken kommt es immer mehr auch zu Erkrankungen durch exotische Mücken wie die Tigermücke oder die Asiatische Buschmücke. Sie sind inzwischen in Südeuropa und im Mittelmeerraum verbreitet. 

Übertragen von Krankheiten möglich

Exotische Mücken können Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen und so Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fiber, das West-Nil-Fieber, Gelbfieber, das Zika-Fieber oder auch Malaria auslösen. Vor Reisen nach Asien oder Afrika sollte man sich aber unbedingt informieren. Gegen viele dieser Erkrankungen gibt es inzwischen wirkungsvolle Schutzimpfungen.

Mücken auf dem Vormarsch Tropenkrankheiten tauchen in den letzten Jahren nicht mehr nur bei Menschen auf, die vorher in den Tropen gewesen sind. Daran könnten durch den globalen Handel eingeschleppte Mücken schuld sein.

Erst im vergangenen Jahr gab es in Leipzig den Fall, dass sich ein Mann mit dem West-Nil-Virus angesteckt hat, obwohl er vorher nicht in den Tropen weilte. Er wurde in Sachsen von einer Mücke gestochen, die den Krankheitserreger in sich trug. Wahrscheinlich war das eine Asiatische Tigermücke, die seit ein paar Jahren hier bei uns heimisch geworden ist. 

Eine Mücke 3 min
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MDR AKTUELL Mo 04.11.2019 10:45Uhr 03:02 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/west-nil-virus-auf-dem-vormarsch-100.html

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Gefährlicher Juckreiz

Einheimische Mücken übertragen im Normalfall keine Krankheitserreger. Die Gefahr geht bei ihnen eher von einer Infektion durch Keime und Bakterien aus, die sich auf unserer Hautoberfläche befinden. Durch den Mückenstich können sie in den Körper gelangen. Wird dann noch gekratzt, vergrößert sich die Einstichstelle, es entsteht eine Wunde, die sich infizieren kann. Deshalb ist es wichtig, den Juckreiz zu bekämpfen. Im Speichel der Mücke befindet sich ein Eiweiß, das eine allergische Reaktion hervorruft.

Indianerpflaster: Spitzwegerich mit Gras um den Daumen gewickelt
Spitzwegerich lindert den Juckreiz. Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Ursache für Schwellungen und Juckreiz ist das Hormon Histamin, das unser Körper nach dem Stich zur Abwehr produziert. Durch Kratzen verteilt sich das Histamin noch weiter im Gewebe, es juckt noch mehr. Helfen kann ein Stichheiler oder Hitze-Stick: Mit einem kurzen Hitze-Schock von ca. 50 Grad werden die juckreizauslösenden Stoffe zerstört. Hilfe aus der Naturapotheke ist der Spitzwegerich. Wird das Blatt zerrieben, bildet sich ein Saft. Er wirkt abschwellend und lindert den Juckreiz. Tritt jedoch Fieber auf und schwillt die Einstichstelle stark an, sollte man sofort zum Arzt gehen.

Mücken: Fiese, kleine Stecher

Gemeine Stechmücke, Ringelmücke, Trauermücke, Kriebelmücke - welche Mücken sind da draußen unterwegs und piesacken uns? Hier eine Galerie ausgewählter Plagegeister.

Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Kriebelmücke
Die Kriebelmücke - Biologen unterscheiden 50 verschiedene Arten in Deutschland. Ihre Weibchen sind Blutsauger. Aber sie lieben Rinder. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Ringelmücke
Große Hausmücke, Ringelmücke auch Ringelschnake. Über einen Zentimeter groß und das ganze Jahr aktiv. Hinterlässt beim Stechen oft auch Entzündungen. Bildrechte: IMAGO
 Buschmücke
Die Asiatische Buschmücke ist erst seit 20 Jahren bei uns zu finden. Sie gilt auch als Überträger verschiedener Krankheiten, wie etwa des West-Nil-Virus'. Bildrechte: IMAGO
Eine Trauermücke auf einer Margerite
Die Trauermücke ist völlig ungefährlich für Menschen, aber enorm lästig, denn die Larven fressen bevorzugt Pflanzenwurzeln. Bildrechte: IMAGO
Asiatische Tigermücke
Tigermoskito wird die Asisatische Tigermücke gelegentlich auch genannt. Sie ist tagaktiv, sehr stechfreudig und überträgt in den Tropen verschiedene Viren. Dafür ist es bei uns (noch) zu kalt. Bildrechte: IMAGO
Wintermuecke
Wintermücken sind unempfindlich gegen Kälte und können gut im Winter und in Höhenlagen überleben. Sie stechen nicht und sind für Menschen völlig ungefährlich. Bildrechte: IMAGO
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Das schützt vor Mückenstichen

Lange Kleidung tragen!
Zum Stechen suchen sich Mücken Stellen mit nackter Haut oder dünner Bekleidung. Lange, dicht gewebte Kleidung kann deshalb vor Stichen schützen.

Anti-Insektensprays
Diese enthalten Duftstoffe, die die Mücken fernhalten.

Räume gut lüften!
Mücken reagieren auf das Kohlendioxid in unserer Atemluft. Ein offenes Fenster kann helfen, denn gut gelüftete Räume mit mehr Sauerstoff und  weniger Kohlendioxid ziehen Mücken weniger an.

Vor dem Schlafengehen duschen!
Neben der Atemluft werden Mücken von Lockstoffen in unserem Körpergeruch magisch angezogen. Sie können uns bis auf 50 Meter Entfernung riechen. Um die Mücken nachts fern zu halten, kann es deshalb helfen, vor dem Ins-Bett-Gehen zu duschen und den Geruch abzuspülen.

Ventilation
Auch ein Ventilator im Schlafzimmer kann Mücken vertreiben. Er wirbelt die Luft durcheinander. So fällt es der Mücke schwerer, sich zu orientieren und ihre Opfer aufzuspüren.

Räucherstäbchen, Pflanzen, Musik
Auch dass die Tiere den Geruch von Räucherstäbchen nicht mögen oder vor Tomaten- und Basilikumpflanzen Reißaus nehmen, ist bekannt. Doch asiatische Forscher wollen jetzt entdeckt haben, dass Mücken bestimmte musikalische Klänge gar nicht mögen und dadurch weniger aggressiv sind und sich auch weniger vermehren. Sie haben wohl sogar herausgefunden, dass eine bestimmte Musikrichtung abschreckend auf die Tiere wirkt: Am nervigsten für die Mücken ist offenbar die elektronische Dubstep-Musik des amerikanischen Musikers Skrillex.

Steckbrief Mücke Sie ist winzig klein, dafür aber äußerst blutrünstig: die Stechmücke. Weltweit gibt es 3.500 Stechmückenarten, in Deutschland sind etwa 50 davon heimisch.

Ihr häufigster Vertreter in Deutschland ist die Gemeine Stechmücke. Sie wird bis zu 15 Millimetern groß und lebt einige Wochen bis Monate.

Die weiblichen Mücken stechen und saugen Blut, nachdem sie sich gepaart haben. Männliche Mücken ernähren sich von Blütennektar. Die Paarungszeit ist von März bis Oktober.

Stechmücken gibt es überall an Gewässern, in Feuchtgebieten oder Sümpfen.

Der Mückenatlas - jeder kann Forscher werden

Welche Mückenarten es in Deutschland gibt und wie sie sich verbreiten, versucht Dr. Doreen Werner vom Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg zu beantworten. Jeder kann Mücken einschicken, deren Art dann bestimmt und deren Fundort in einen "Mückenatlas" eingetragen werden.

Allerdings ist draufhauen verboten! Entdeckt man eine Mücke, soll man sie in einem Behälter fangen und dann ins Gefrierfach legen. Die erfrorenen Mücken kann man dann per Post zum Beispiel in einer Streichholzschachtel an das ZALF senden.

Gut zu wissen Der 20. August ist der Welt-Moskito-Tag. Jedes Jahr wird an diesem Datum daran erinnert, dass der britische Arzt Sir Ronald Ross am 20.08.1897 herausgefunden hat, dass die weiblichen Stechmücken (engl.: Mosquitos) die Malaria-Erreger von Mensch zu Mensch übertragen können.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 20. August 2020 | 21:00 Uhr

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